Nachts in Tanger

Nachts in Tanger

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Donnerstag, 7. März 2013, 3sat, 22:25 Uhr

Während sie tagsüber für einen Hungerlohn als Krabbenpulerinnen in einer Fabrik der räudigen Hafenregion von Tanger arbeiten, nutzen sie des Nachts ihre weiblichen Reize, um im urbanen Raum anbandlungsfreudige Männer abzuzocken: Die beiden Freundinnen Badia (Soufia Issami) und Imane (Mouna Bahmad) träumen nicht von einem besseren Leben, sondern sind hartnäckig und mit reichlich krimineller Energie dazu entschlossen, sich bei jeder Gelegenheit ein Stück vom materiellen Glück zu erobern. Als sie auf Asma (Nouzha Akel) und Nawal (Sara Bitioui) treffen, die als Arbeiterinnen in der Textilbranche ein wenig besser gestellt sind, formiert sich aus den vier Frauen eine derbe Gang, die sich bald mächtig genug fühlt, das ganz große Ding zu planen, das sie aus ihrem alltäglichen Elend herauskatapultieren soll …
Das Spielfilmdebüt der marokkanischen Dokumentarfilmerin Leïla Kilani, die bereits 2003 mit Tanger, le rêve des brûleurs eine prämierte Dokumentation über die marokkanische Hafenstadt realisiert hat, wurde innerhalb der Reihe Quinzaine des Réalisateurs bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt. Mit Nachts in Tanger, der nun erstmalig im deutschen Fernsehen bei 3sat innerhalb der Themenreihe „Frauen im Islam“ ausgestrahlt wird, beschäftigt sich die freie Journalistin und Regisseurin erneut mit dem Territorium dieser ambivalenten Grenzstadt an der nordafrikanischen Küste, die bereits vor allem in den 1940er Jahren US-amerikanische Beatniks wie Paul Bowles, Trueman Capote, Tennessee Williams und William S. Burroughs faszinierte und nicht zuletzt durch den autobiographischen Roman Das nackte Brot / al-Hubz al-Hafi des lokalen Literaten Mohamed Choukri einige Berühmheit als abgründiger Moloch erlangte.

Es ist die Perspektive einer kompromisslosen, femininen Rebellion von unten, die Nachts in Tanger zu einem provokanten Drama von schwelender Intensität über marginalisierte Frauen macht, die jenseits ihrer ihnen möglichen Rollen als unterbezahlte Arbeiterinnen ohne Aufstiegschancen oder als gefällige, flüchtige Vergnügungsmädchen ihren eigenen Weg wählen, der sowohl die Konventionen als auch die Gesetze der Gesellschaft perturbiert. Mit Laiendarstellerinnen, die angenehm unprätentiös auftreten, hat Leïla Kilani ihre Geschichte inszeniert, deren Purismus und zeitweilige Kaltschnäuzigkeit wenig Raum für einen heroisierten Outlaw-Habitus bieten, was eine der hintergründigen Qualitäten dieses mutigen Films markiert. Nachts in Tanger wurde auf einigen internationalen Filmfestivals gezeigt und auch ausgezeichnet, und seine düstere, beunruhigende Grundstimmung harmoniert trefflich mit der unangenehmen Brisanz der Thematik, die durch ihre realistische Aktualität nicht nur in Tanger besticht.

Nachts in Tanger

Während sie tagsüber für einen Hungerlohn als Krabbenpulerinnen in einer Fabrik der räudigen Hafenregion von Tanger arbeiten, nutzen sie des Nachts ihre weiblichen Reize, um im urbanen Raum anbandlungsfreudige Männer abzuzocken: Die beiden Freundinnen Badia (Soufia Issami) und Imane (Mouna Bahmad) träumen nicht von einem besseren Leben, sondern sind hartnäckig und mit reichlich krimineller Energie dazu entschlossen, sich bei jeder Gelegenheit ein Stück vom materiellen Glück zu erobern.
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