Nach Fünf im Urwald

Nach Fünf im Urwald

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Montag, 21. Juli 2014, EinsFestival, 20:15 Uhr

In diesen Tagen wird sie vierzig Jahre alt, lang ist die Liste der Filme, in denen sie als Darstellerin mitwirkte, und mit dem Stummfilm Der die Tollkirsche ausgräbt (2006) hat sie schon ein ungewöhnliches Regiedebüt hingelegt: Die Schriftstellerin und Schauspielerin Franka Potente hat längst nicht nur in Deutschland, sondern auch international einen klingenden Namen, und schon für ihre erste Filmrolle in Nach Fünf im Urwald wurde die geboren Münsteranerin, die mittlerweile in Los Angeles lebt, als Beste Nachwuchsschauspielerin mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.
Da gerät die erstmals ohne Eltern genehmigte Party zum 17. Geburtstag des Teenagers Anna (Franka Potente) kräftig außer Kontrolle, so dass es bei der Rückkehr von Mama (Dagmar Manzel) und Papa (Axel Milberg) am folgenden Morgen entsprechend heftig nachscheppert, zumal auch ausgerechnet Vater Wolfgangs kostbare Lieblingsschallplatte Opfer der wilden Verwüstungen wurde. Unwillig, sich der als kleinkariert erachteten Kritik ihrer Erziehungsberechtigten auszusetzen, nimmt Anna kurzerhand Ausreiß und verlässt die bayerische Provinz per Auto-Stop in Richtung Metropole München.

Mit dem ebenfalls von Daheim ausgebüchsten Simon (Thomas Schmauser), der sie insgeheim bereits eine Weile verehrt, macht Anna unterwegs rasch die passende Reisebekanntschaft, und so stürzen sie sich beherzt in den Großstadtdschungel, der noch so einige durchwachsene Begegnungen für sie bereithält. Derweil ziehen auch Mutter und Vater von Sorge umtrieben gen München, wo sie jedoch nicht ihre Tochter, wohl aber auf Simons Eltern treffen. Und so ereignet es sich, dass die beiden Elternpaare im Verlauf der Nacht zwar nicht ihre Kinder, aber dafür einander und alle von ihnen irgendwie auch sich selbst (wieder)finden ...

Auch wenn die Geschichte an sich betrachtet recht unspektakulär angelegt ist, unterhält Nach fünf im Urwald doch mit einem frischen Charme, der nicht zuletzt in der Wahl der besonderen Perspektive begründet liegt. Es ist nämlich Annas kleine Schwester Clara (Farina Brock), die mit kindlichem Freigeist von den Turbulenzen in ihrer Familie berichtet und die Geschehnisse in flotten Kommentaren ihrem Tagebuch anvertraut. Regisseur Hans-Christian Schmid (Crazy, 2000, Requiem, 2006, Was bleibt, 2012) zeigt hier bereits sein Gespür für pointierte Dialoge, authentische Stimmungen und eine feine kleine Portion Weisheit.

Nach Fünf im Urwald

In diesen Tagen wird sie vierzig Jahre alt, lang ist die Liste der Filme, in denen sie als Darstellerin mitwirkte, und mit dem Stummfilm "Der die Tollkirsche ausgräbt" (2006) hat sie schon ein ungewöhnliches Regiedebüt hingelegt: Die Schriftstellerin und Schauspielerin Franka Potente hat längst nicht nur in Deutschland, sondern auch international einen klingenden Namen

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