My Brother the Devil

My Brother the Devil

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Leben im Ghetto

Das Leben im britischen Ghetto, das war schon häufig der Stoff für bemerkenswerte Filme. Auch Sally El Hosainis Film schlägt in dieselbe Kerbe, ist ein urbanes Drama, das roh und unmittelbar daherkommt, aber der eigenen Ambition nicht ganz gerecht wird.
Rashid gehört einer Gang an, aber als sein bester Freund bei einem Zusammenstoß mit einer befeindeten Gang stirbt, überdenkt er sein Leben, auch und gerade weil wein Fotograph, der ein amouröses Interesse an ihm hat, ihm eine neue Perspektive eröffnet. Sein Bruder Mohammed, von allen nur Mo genannt, will in die Fußstapfen des großen Bruders treten, hat aber keine Ahnung, worauf er sich dabei einlässt. Schon bald steht er zwischen allen Fronten, während Rashid alles daran setzt, Mo davor zu bewahren, dieselben Fehler wie er zu machen.

Will man Hosaini etwas vorwerfen, dann am Ehesten, dass er sich von seinen Figuren nicht lösen kann. Er mutet ihnen nicht so viel zu, wie er es tun sollte. Speziell das Ende ist viel zu milde ausgefallen. Es ist so happy, wie es angesichts der zuvor düsteren Erzählung gar nicht sein dürfte. Zugleich wirkt der Film zu sauber, zu schön, als dass das Ambiente wirklich überzeugend wäre. Es wird die Illusion von Realität erschaffen, das Leben in einer Immigranten-Enklave wirkt aber niemals völlig authentisch.

Dass der Film trotz teilweiser Sprunghaftigkeit dennoch funktioniert, liegt vor allem an den jungen, unverbrauchten Talenten, die Hosaini besetzt hat. Die Figurenzeichnung ist dabei nicht überraschend, man hat sie so oder ähnlich schon in genügend gleich gelagerten Filmen gesehen, aber immerhin greift My Brother the Devil auch ein Thema auf, das zumeist ausgespart wird: Homosexualität, womit speziell die Figuren dieses Kulturkreises in einen starken persönlichen Konflikt geworfen werden. Aber auch hier gilt: Die Auflösung macht es sich etwas sehr leicht.

Etwas klarer hätte der Film auch sein können, was die Zeichnung der Brüder betrifft. Im Grunde ist jeder des anderen persönlicher Teufel – wenn man es ganz überspitzt ausdrückt -, aber eine differenzierte Betrachtungsweise wäre hier wünschenswert gewesen. Letzten Endes ein guter Film, aber weit davon entfernt, sein Potenzial gänzlich zu entfalten.

My Brother the Devil

Das Leben im britischen Ghetto, das war schon häufig der Stoff für bemerkenswerte Filme. Auch Sally El Hosainis Film schlägt in dieselbe Kerbe, ist ein urbanes Drama, das roh und unmittelbar daherkommt, aber der eigenen Ambition nicht ganz gerecht wird.
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