Musta Jää

Musta Jää

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Berlinale 2008: Wettbewerb

Musta Jää – Schwarzes Eis, so nennen die Finnen überfrierenden Regen, der sich zu verhängnisvollem Glatteis entwickelt und im Straßenverkehr für Chaos und Unfälle sorgt. In Petri Kotwicas gleichnamigem Film spielen zwar auch – zumindest am Ende – die Widrigkeiten des Straßenverkehrs eine Rolle, doch im Wesentlichen geht es um die Schleudergefahr im zwischenmenschlichen Verkehr, die hier für Unruhe sorgt. Leider – diese Vorbemerkung sei erlaubt – begeben sich hier nicht nur die Protagonisten auf spiegelglattes Geläuf, sondern auch der gesamte Film.
Doch der Reihe nach: Die Frauenärztin Saara (Outi Mäenpää, bekannt aus Aki Kaurismäkis Filmen Der Mann ohne Vergangenheit und Das Mädchen aus der Streichholzfabrik) kommt per Zufall und ausgerechnet an ihrem Geburtstag ihrem Mann, dem Architekten Leo (Martti Suosalo), auf die Schliche, der offenbar schon seit längerem eine Affäre mit der Studentin Tuuli (Ria Kataja) hat. Bei ihrem Versuch, mehr über die Konkurrentin Tuuli herauszubekommen, freundet sich diese mit ihr an – nicht ahnend, dass sich hinter der Fassade der netten Bekannten die gehörnte Ehefrau ihres Geliebten verbirgt. Mit geschickten Schachzügen versteht Saara es, sich einerseits das Vertrauen Tuulis zu erschleichen und diese andererseits gegen Leo auszuspielen. Doch das Räderwerk, das sie in Gang gesetzt hat, entwickelt seine eigene Dynamik und gerät zusehends außer Kontrolle, mit unvorhersehbaren Folgen für alle Beteiligten…

Nicht auszudenken, was ein gnadenloser Analyst der Bourgeoisie wie Claude Chabrol in seinen Hochzeiten aus diesem Stoff gemacht hätte. Mit etwas weniger Stereotypen aus dem Baukasten für Beziehungsdramen öffentlich-rechtlicher Sender wären manche Fallstricke und Fettnäpfchen sicher umschifft worden, so aber wird von untreuen Ehemännern und heimtückischen Frauen, K.O.-Tropfen im Whisky bis hin zu angedeutetem lesbischen Sex so ziemlich jedes Klischee aus der Klamottenkiste der Soaps verbraten, das man sich vorstellen kann. Musta Jää / Black Ice ist nicht viel mehr als ein aufgeblasenes Fernsehspiel, das immerhin in ganz wenigen Sequenzen kurz aufblitzen lässt, was möglich gewesen wäre. Letzten Endes erstickt der Film aber an seiner raffiniert gemeinten, aber platt geratenen Konstruiertheit, die keine Frage offen lässt und manchen Handlungsstrang nicht zu Ende führt. Unterm Strich bleiben ein schales Gefühl und die Erkenntnis, dass ein Tag mit drei guten Film des Wettbewerbs wohl mehr ist, als man verlangen kann.

Musta Jää

Musta Jää – Schwarzes Eis, so nennen die Finnen überfrierenden Regen, der sich zu verhängnisvollem Glatteis entwickelt und im Straßenverkehr für Chaos und Unfälle sorgt.
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Meinungen
pfeffi · 20.02.2009

leider kann ich zum film keinerlei kommentare geben, weil ich ihn bis jetzt nirgends gefunden habe, kann mir da irgendwer weiterhelfen?
mich würde am meisten die filmmusik interessieren

Kris · 18.02.2008

Der Film war typisch finnisch - Humor und überschaubare Dialoge. Ich finde ihn sehenswert, und nicht zuletzt hörenswert: denn die Musik war einsame Spitze. Was will man auch mehr, wenn sich ein Spezialist ans Werk macht, so wie es Eicca Toppinen (Musiker der Band ApocalypticA) so bravorös schaffte die dunkle Stimmung durch Musik zu untermalen, sogar zu inszenieren. Ein weiteres Highlight war der Auftritt der Helsinkier "Kult"-Band Cleaning Women. Also mein Fazit: Daumen schräg nach oben.

Sie · 14.02.2008

Ein platter Film ohne den geringsten Tiefgang,soaptriefend. Am ärgerlichsten die Musikuntermalung.

Jan · 09.02.2008

Also ich fand den Film klasse. Er war düster, teilweise bitter, und hatte diesen typisch skandinavischen Humor.
Zugegeben die Lacher liessen am ende nach aber es wäre auch unpassend für den Film gewesen.

Kommentare

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