Must Love Death

Must Love Death

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Life’s a piece of shit

Das Leben ist Scheiße. Denkt Norman, nachdem man ihm mal wieder das Herz gebrochen hat. Der hypersensible Musikikus beschließt daraufhin, dass das alles keinen Sinn mehr macht – er beschließt, aus eigener Hand aus dem schnöden Dasein zu scheiden. Doch leider ist er ein Weichei und die Sache mit dem Selbstmord keine leichte Angelegenheit. Nachdem er sich wieder einmal anders entschieden hat und dem Leben aus Mangel an praktikablen Alternativen weiterhin frönt, wird er überfahren. Das ist schlecht. Dass die Fahrerin des Wagens jedoch eine attraktive Blondine ist, die durchaus interessiert ist an dem ewig lamentierenden Norman, das ist gut. Schade nur, dass sie einen Freund hat und Norman nichts davon sagt. Als dieser davon erfährt, passiert nun abermals, was schon lange überfällig ist: Norman will sich töten. Und zwar endgültig. Um es diesmal auch wirklich hinzukriegen, trifft er sich mit Gleichgesinnten in einem Wald in New Jersey zum kollektiven Strangulieren.
Bis hierhin ist alles recht klar, doch dann ändert Regisseur Andreas Schaap die Spielregeln. Aus der melodramatischen Romantic Comedy mit vertauschten Geschlechterrollen wird ein Torture Horrorfilm. Denn die Gleichgesinnten sind doch eher psychopathische Mörder, die Norman zwar beim Sterben "helfen" wollen. Vorher aber wollen sie noch gerne ein wenig mit ihm spielen. Und zwar auf ihre eigene, recht schmerzhafte und grausame Weise. Was bei Norman einen abermaligen Sinneswandel auslöst, in Rekordzeit wird aus dem Lebensmüden ein Kämpfer ums Überleben. Denn wenn man erstmal so ein paar Nägel im Arm hat, spürt man den wahren Wert des Daseins.

Must Love Death ist ein ganz schönes Potpourri, im Guten wie im Schlechten. Schaap versucht sich an einem Genrehybriden aus Horror und Komödie mit einem fetten Schuss schwarzem Humor, der beide Seiten einen soll. Damit liegt Must Love Death ja gerade stark im Trend. Das Problem bei solchen Hybriden ist allerdings immer die Balance und die trifft Schaap nicht so ganz. Erfrischend positiv ist die leichte Umkehrung der Geschlechterrollen. Norman ist dermaßen melancholisch und weich, dass er direkt aus einem Melodram der 50er Jahre entsprungen sein könnte. Leider tröstet das aber nicht über die allzu schwache Geschichte an sich hinweg. Da der Film ja auch ein wenig trashig daher kommen mag, erfüllt er naturgemäß ironisch jedes dazugehörige Klischee. Doch so etwas funktioniert meist nur, wenn die Grundgeschichte stark ist, ansonsten besteht die Gefahr, dass es billig wirkt.

Überhaupt wurde wohl ein wenig unterschätzt, wie schwer es ist einen guten Trashfilm zu machen. Das Anliegen scheitert hier vor allem beim Casting. Da der Film zwar deutsch produziert ist, aber in den USA spielt, setzt sich der Cast aus deutschen und amerikanischen Darstellern zusammen. Entsprechend groß sind dann auch die Qualitätsunterschiede. Sehr negativ ob ihrer Schauspielkünste fallen da einige amerikanische KollegInnen auf. Aber auch Tobias Schenk ist unglaublich hölzern und man kommt nicht umhin erleichtert zu sein, als dieser Opfer der verrückten Mörder wird. Diese sind wiederum das Highlight des Films. Die Torture-Horror-Sequenzen sind eindeutig besser inszeniert und man hat das Gefühl, dass die Beteiligten hierbei viel mehr Spaß und Lust hatten als bei den weniger überzeugenden romantischen Passagen des Filmes. Die Mörder, einer dick und pedantisch mit einem ausgeprägten Reinlichkeitsfimmel, der andere dürr und durch und durch abartig, sind unglaublich sympathisch – zumindest für Mörder. Hier nimmt der Film auch wieder Fahrt auf und führt letztendlich gar zu einer Art Emanzipationsgeschichte des Hauptdarstellers.

Bei Zeiten lustig, bei Zeiten etwas langatmig ist Must Love Death ein sehr inkonsistentes und in seiner Qualität stark schwankendes Werk, das aber streckenweise durchaus gutes Genrekino bietet.

Must Love Death

Das Leben ist Scheiße. Denkt Norman (Sami Loris), nachdem man ihm mal wieder das Herz gebrochen hat. Der hypersensible Musikikus beschließt daraufhin, dass das alles keinen Sinn mehr macht – er beschließt, aus eigener Hand aus dem schnöden Dasein zu scheiden. Doch leider ist er ein Weichei und die Sache mit dem Selbstmord keine leichte Angelegenheit.
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