Muriels Hochzeit

Muriels Hochzeit

Eine Filmkritik von Mike Swain

Träume einer Dancing Queen

Es gibt sie immer wieder, und das ist sicher auch ein Grund dafür, warum Kino so spannend ist – diese kleinen Filme, von denen man nicht viel erwartet, die dann aber das Publikum im Sturm nehmen und manchmal auch die Karrieren von Schauspielern und Regisseuren beflügeln. Beispiele hierfür gibt es einige: My Big Fat Greek Wedding von Joel Zwick oder im letzten Jahr Wer früher stirbt, ist länger tot von Marcus H. Rosenmüller. Auch im Jahr 1994 eroberte ein Film vollkommen unerwartet das Rampenlicht – Muriels Hochzeit / Muriel’s Wedding von P.J. Hogan. Die, um es milde zu sagen, kostengünstig produzierte australische Tragikomödie entwickelte sich weltweit zu einem Arthouse-Hit und machte Hauptdarstellerin Toni Collette, die sich für ihre Rolle 20 Kilo Speck angefuttert hatte, zu einem gefragten Star.
Muriel Heslop (Toni Collette) hat ein Problem, nämlich sich selbst. Übergewichtig und unattraktiv leidet sie an einem eklatanten Mangel an Selbstbewusstsein, der nur noch dadurch verschärft wird, dass ihr Vater (Bill Hunter), ein leidlich erfolgreicher Lokalpolitiker, ihr ständig einredet, dass sie vollkommen nutzlos sei. Muriel verbringt ganze Tage allein in ihrem Zimmer, hört Musik von ABBA und träumt davon ein anderer Mensch zu sein. Sie ist sich absolut sicher: Wenn sie endlich einen Mann findet und heiratet, wird sich ihr Leben zum besseren wenden.

Um ihr Ziel, den sicheren Hafen der Ehe, endlich zu erreichen, scheut Muriel auch nicht davor zurück, das Bankkonto ihrer Eltern komplett zu leeren. Sie entflieht der Langeweile ihres Heimatortes Porpoise Spit und hängt sie sich an ihre Freundinnen, die Muriel eigentlich nicht ausstehen können, und verbringt mit ihnen gemeinsam Urlaub. Auf der Ferieninsel Paradise Island lernt sie die lebenslustige und sexuell sehr aktive Rhonda (Rachel Girffiths) kennen — eine Bekanntschaft, die ihr Leben radikal verändern wird. Muriel geht mit Sophie nach Sydney und nennt sich fortan Mariel. Als sie den südafrikanischen Schwimm-Star David van Arckle (Daniel Lapaine) zum Schein heiraten soll – der Mann braucht nämlich dringend einen australischen Pass – glaubt sich Muriel endlich am Ziel ihrer Träume. Immerhin ist eine Zweckehe besser als keine.

Was Muriels Hochzeit so interessant macht, ist die Ambivalenz aller Charaktere und der Story. Es gibt eigentlich keinen Helden, denn jede Figur hat ihre Makel, ganz gleich, ob diese physischer oder moralischer Natur sind. Auch beim Plot verhält es sich nicht anders. Einerseits gibt es Momente, die urkomisch sind und dann bleibt dem Zuschauer doch wieder das Lachen im Halse stecken, so sehr quält Regisseur P.J. Hogan, seine Darsteller – der Mann muss eine sadistische Ader haben Schlicht und ergreifend überragend ist Toni Collette, die in diesem Film wirklich zeigen konnte was sie zu leisten vermag. Wer den Film gesehen hat, weiß warum Muriels Hochzeit für die australische Schauspielerin der Ausgangspunkt einer großartigen Laufbahn war. Und dann gibt es da noch den kongenialen ABBA-Soundtrack, der den Film sowieso zum Pflichtprogramm aller Fans des schwedischen Pop-Quartetts macht.

Muriels Hochzeit

Es gibt sie immer wieder, und das ist sicher auch ein Grund dafür, warum Kino so spannend ist – diese kleinen Filme, von denen man nicht viel erwartet, die dann aber das Publikum im Sturm nehmen.
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