Mount St. Elias

Mount St. Elias

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Auf der Suche nach Rekorden

Drei Skialpinisten wollen im Mai 2007 den 5489 Meter hohen Mount St. Elias in Alaska besteigen und vom Gipfel hinunterfahren. Sie wären die ersten, denen dieses extreme Abenteuer gelingt. Vom entlegenen, zweithöchsten Berg der USA bietet sich ihnen mit etwa 35 Kilometern die längste Skiabfahrt auf der Erde. Der Österreicher Axel Naglich erklärt den Reiz des Unternehmens damit, dass es in unserer zivilisierten, mehrfach versicherten Welt kaum mehr Risiken gebe. Extreme Sportarten und die Suche nach den letzten möglichen Rekorden in lebensfeindlicher Natur treffen offenbar auch beim Kino- und Fernsehpublikum einen Nerv.
Dokumentarfilmer betreten Neuland, wenn sie solche Projekte hautnah begleiten, sie liefern noch nie gesehene Bilder aus halsbrecherischen Perspektiven und erkunden ein Themengebiet, das auch auf dem Bildschirm noch den Reiz des Sensationellen besitzt. 2007 porträtierte Pepe Danquart in seiner Dokumentation mit dem treffenden Titel Am Limit die beiden Speedkletterer Alexander und Thomas Huber, während sie eine Steilwand im Yosemite Nationalpark in Angriff nahmen. Mount St. Elias, das Kinofilmdebüt des österreichischen Extremsportregisseurs Gerald Salmina, schaut in ähnlicher Weise den Skialpinisten Axel Naglich, Peter Ressmann und Jon Johnston über die Schulter. Ein Flugzeug setzt die beiden Österreicher und den Amerikaner im 3000 Meter hohen Basislager auf dem schneebedeckten Mount St. Elias ab. Dort sind die Sportler und ihre Begleiter auf sich gestellt, denn wenn das Wetter, wie auf diesem Berg üblich, jäh umschlägt, kann sie kein Pilot mehr abholen.

Die Besteigung des steilen Geländes mit Steigeisen an den Skischuhen, Rucksack und Skiern auf dem Rücken und Eispickel in den Händen sieht mühsam aus. Lawinengefahr, unbeständiges Wetter und schließlich ein Schneesturm zwingen die Sportler, ihre Pläne zu ändern: Die Talabfahrt aus dem Basislager wird vorgezogen, ein zweiter Aufstiegsversuch kurz unter dem Gipfel abgebrochen. Dann steigt Jon Johnston aus. Er hält den Berg für nicht geeignet und die beiden Österreicher sind ihm zu waghalsig.

Naglich, Ressmann, ein Kameramann und ein Bergführer besteigen den Mount St. Elias jedoch im August erneut und erreichen diesmal den Gipfel. Nach den gemeisterten Risiken in Form von Steinschlag, Gletscherspalten und Eisflächen belohnt die jungfräuliche Skiabfahrt die beiden Österreicher mit einem Hochgefühl, das, so beteuert Naglich, ihn weiterhin ähnliche Abenteuer suchen lassen wird. Der amerikanische Pilot Paul Claus, der das Team im Basislager abholt, hofft hingegen, dass sich künftig keine Skifahrer mehr auf den Mount St. Elias wagen.

Aus dem Hubschrauber gelingen eindrucksvolle Panorama-Aufnahmen der Schnee- und Eislandschaft, in der sich die Männer klein wie Ameisen ausnehmen. Zu den Zooms aus weiter Ferne und den Bildern des begleitenden Kameramanns kommen Aufnahmen hinzu, die die Helmkameras der Sportler liefern. Ihre Erklärungen und die Einblicke in ihre Gefühlswelt geben sie meistens aus dem Off. Doch als wäre dies nicht spannend genug, gestaltet Salmina den Film mit Hilfe zusätzlicher Mittel wie einen Thriller: Er unterlegt dramatische Musik und er schneidet die Geschichte einer Tragödie dazwischen, die sich 2002 am gleichen Ort ereignete. Damals erklomm ein amerikanisches Team den Gipfel und zwei Skifahrer fanden den Tod. Salmina zeigt den Absturz eines Skifahrers in nachgestellten Szenen. Diese Bilder wirken reißerisch und makaber. Aber sie führen drastisch vor Augen, dass die Todesgefahr, über die die österreichischen Extremsportler auf ihrer Tour sprechen, keine bloße Behauptung ist.

Hoffnungslos verrückt, das macht dieser aufregende Film klar, haben sich Naglich und Ressmann auf dem Berg in Alaska jedoch nicht verhalten, sie haben nur die Grenzen des Machbaren großzügiger ausgelegt als die meisten anderen Menschen. Peter Ressmann verunglückte im Mai 2010 als Bergführer tödlich.

Mount St. Elias

Drei Skialpinisten wollen im Mai 2007 den 5489 Meter hohen Mount St. Elias in Alaska besteigen und vom Gipfel hinunterfahren. Sie wären die ersten, denen dieses extreme Abenteuer gelingt. Vom entlegenen, zweithöchsten Berg der USA bietet sich ihnen mit etwa 35 Kilometern die längste Skiabfahrt auf der Erde.
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Meinungen
philipp beck · 19.11.2010

habe gestern den film mount st elias in münchen gesehen: war mit abstand der beste outdoor/sport film den ich jemals im kino gesehen habe - atemberaubend!!!

Kommentare

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