Mondovino

Mondovino

Wein und Globalisierung

Die zunehmende Globalisierung, die Ängste und vielfältigen Probleme, die damit verbunden sind, finden immer häufiger ihren Niederschlag auch in Filmen. Erst unlängst angelaufen ist Hubert Saupers sehr sehenswerte Dokumentation Darwin’s Nightmare, der die Veränderungen im einstmals artenreichsten See Afrikas und die damit einhergehenden Veränderungen der Menschen rund um den See eindringlich schildert. Weniger drastisch, aber genauso erhellend zeigt sich der New Yorker Sommelier und Filmemacher Jonathan Nossiter, der sich in seinem Film Mondovino den Auswirkungen der Globalisierung auf den weltweiten Weinbau widmet.

Bei seiner Reise um die Welt trifft er mit ganz verschiedenen Weinbauern, Experten, Önologen und Kennern der Szene zusammen, die alle jeweils ihre Sicht der derzeitigen Entwicklung des Weinbaus zum besten geben. Kalifornische „Nouveaux-Riches“-Weingüter kommen dabei ebenso zur Sprache wie toskanischer Weinadel und widerspenstige Winzer wie der Franzose Aimé Guibert, der seit Jahren einen verbissenen und teilweise einsamen Kampf gegen die weltweite Kommerzialisierung des Weinbaus führt. Doch es sind nicht nur die Betroffenen selbst, für die sich Nossiter interessiert. Ausführlich beschäftigt er sich auch mit den selbst ernannten Experten wie etwa Michel Roland oder dem Star-Önologen Robert Parker, deren Macht, Weine zu Stars zu machen oder zu vernichten, einer Art Geschmacksdiktat gleichkommt. Neben den Hauptschauplätzen Frankreich und Kalifornien besucht Nossiter aber auch andere Weinbaugebiete wie Brasilien, Argentinien und Sardinien, wo sich fernab der Grabenkämpfe zwischen Massenproduktion und Spitzenweinbau immer wieder neue, authentische Formen der hohen Kunst des Weinbaus zeigen, kleinen Domänen, der Ausstoß so gering ist, dass ihre engagierten Besitzer kaum davon leben können. Und doch sind sie von etwas erfüllt, was man bei manchem der anderen Akteure vermisst – einer tiefen Leidenschaft für das, was sie tun.

Immer wieder mutet das ganze Szenario seltsam absurd an, wenn beispielsweise der „Flying Winemaker“ Michel Rolland auf einem seiner Besuche bei den betreuten Weingütern festlegt, wie Wein schmecken muss, um anzukommen. Was dies für die Jahrtausende alte Weinbautradition bedeutet, darüber lässt sich lange spekulieren – ein Verschwinden der geschmacklichen Vielfalt und eine Einebnung des Geschmacks, eine Art McDonaldisierung des Weinbaus, bis man sich sicher sein kann, dass ein Shiraz, gleich welcher Herkunft, immer nach Shiraz schmeckt, ohne Rücksicht auf externe Faktoren wie Lage, Boden und klimatische Besonderheiten. Und für manchen findigen Geschäftemacher ist selbst der Weinbau auf dem Mond oder dem Mars lediglich eine Frage der Zeit – solange es dem Geschäft nutzt.

Man merkt dem Film in jeder Sekunde an, dass hier ein Weinkenner und –liebhaber spricht. Und so ist es kein Wunder, dass Nossiter auf der Reise rund um den Globus vierzig Stunden Material zusammenbrachte. Und noch bei der Premiere im vorigen Jahr in Cannes hatte der Film eine Laufzeit von beinahe drei Stunden. Nun allerdings für den Kinostart wurde das Ganze noch einmal kräftig heruntergekürzt, was dem Film allerdings keinen Abbruch tut. Ebenso wenig die zu Beginn etwas irritierende Handkamera, die dem Film beinahe den Charakter eines spontanen Besuchs bei Freunden gibt. Und irgendwie ist Mondovino auch genau das. An mancher Stelle hätte man sich vielleicht ein etwas intensiveres Nachbohren Nossiters gewünscht, doch auch so ist sein Film ein kenntnis- und faktenreicher Hochgenuss für Weinliebhaber und Fans engagierter Dokumentarfilme.

Mondovino

Die zunehmende Globalisierung und die Ängste und vielfältigen Probleme, die damit verbunden sind, finden immer häufiger ihren Niederschlag auch in Filmen.

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Meinungen
Claus Wecker · 04.05.2005

Der Film ist leider optisch total daneben. Und ein bißchen mehr inhaltliche Konturen hätten ihm auch gutgetan. "Mondovino" ist wie ein schlecht geschriebener Essay über ein interessantes Thema.

Kommentare

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