Modus Anomali - Gefangen im Wahnsinn

Modus Anomali - Gefangen im Wahnsinn

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Im Finsterwald lauert die Gefahr

Regisseur Joko Anwar hat ein besonderes Faible für Thriller. Auch sein neuestes Werk Modus Anomali — Gefangen im Wahnsinn ist diesem Genre zuzurechnen, unterscheidet sich von seinen vorherigen Filmen jedoch dadurch, dass er auf Englisch drehte. Zum Vorteil der Darsteller kommt Modus Anomali mit ausgesprochen wenig Dialog aus.
Ein Mann erwacht mitten im Wald – im Boden vergraben. Er kämpft sich frei, ist orientierungslos, ohne Erinnerung daran, wer er eigentlich ist. Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Wald findet er eine verlassene Hütte. Darin ist ein Fernseher, auf dem er sieht, wie ein Mann eine Frau abschlachtet. Der Killer, bewaffnet mit Machete und Pfeil und Bogen, macht nun auch Jagd auf den Mann, dessen Identität der Schlüssel zur Auflösung dieses grausamen Spiels sein könnte.

Modus Anomali ist ein zugleich interessanter, aber auch frustrierender Film. In der ersten Stunde baut er kontinuierlich Spannung auf, hat aber durchaus damit zu kämpfen, das Geschehen interessant zu halten. Denn mehrheitlich agiert Hauptdarsteller Rio Dewanto allein. Dass das nicht langweilig wird, ist der gewieften Inszenierung zu verdanken, denn Anwar versteht es, den düsteren Wald als einen Hort der ständigen Bedrohung zu so etwas wie dem heimlichen Ko-Star zu machen. Bei Tagesszenen setzt er als Kontrast auf die Schönheit der Umgebung und fängt diese in saftigen Farben und schönen Widescreen-Bildern ein.

Mit verstreichender Zeit fällt der Spannungspegel etwas, worunter vor allem der letzte Akt zu leiden hat. Aber dafür wird ein immer weiter aufgefächertes Mysterium in die Handlung integriert. Modus Anomali gibt immer wieder Hinweise, denen nicht nur die Hauptfigur, sondern auch der Zuschauer zu folgen versucht. Das funktioniert nicht durchgehend. So manches erscheint unlogisch oder überspannt, allerdings läuft die Handlung zielstrebig auf die letzte Einstellung des Films zu, wenn Anwar alles, was man gerade gesehen hat, auf den Kopf stellt. Dadurch bewertet man neu, was über knapp 90 Minuten geschehen ist. War man zuvor versucht, den Film als teils effektiven, immerhin unvorhersehbaren, aber aufgrund seiner Verweigerung, dem Publikum zu erklären, was hier eigentlich vor sich geht, nur passablen Thriller abzutun, ändert sich das mit dem Ende schlagartig. Anwar folgt der alten Maxime, dass man sich im Vorfeld durchaus erlauben kann, das Publikum auf dem Weg zum Finale zu verlieren, solange das Ende gut ist, da dies die essenzielle Bewertungsgrundlage für den Zuschauer ist. Das Ende hallt noch lange nach, auch wenn unklar ist, warum der Täter tut, was er tut. Die Erklärung bleibt Modus Anomali schuldig, aber er setzt beim Zuschauer den Impuls, sich darüber intensiv Gedanken zu machen.

Modus Anomali - Gefangen im Wahnsinn

Regisseur Joko Anwar hat ein besonderes Faible für Thriller. Auch sein neuestes Werk „Modus Anomali — Gefangen im Wahnsinn“ ist diesem Genre zuzurechnen, unterscheidet sich von seinen vorherigen Filmen jedoch dadurch, dass er auf Englisch drehte. Zum Vorteil der Darsteller kommt „Modus Anomali“ mit ausgesprochen wenig Dialog aus.
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