Mifune

Mifune

Freitag, 7. Oktober 2005, 3sat, 22:30 Uhr

Ach ja, Dogma 95, da war doch was. Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der kleinen Kinorevolution aus Dänemark wagt sich 3sat an eine Bestandsaufnahme und zeigt einen Teil der Filme mit dem Label Dogma 95. Darunter befindet sich auch Søren Kragh-Jacobsens wundervoll leichtes Werk Mifune, das nach den eher „schweren“ oder sperrigen Das Fest oder Idioten dem filmischen Keuschheitsgelübde eine ganz andere Facette hinzufügte.

Es passt dem Kopenhagener Yuppie Kresten (Anders W. Berthelsen) überhaupt nicht in den Kram, als er ausgerechnet kurz nach der Hochzeit mit der reichen Erbin und Tochter seines Chefs Claire (Sofie Gråbøl) in jenen provinziellen Teil des Landes gerufen wird, den er am liebsten weit hinter sich gelassen hätte. Denn Lolland, das mindestens ebenso unspannend ist wie es klingt, ist Krestens ungeliebte Heimat; hier liegt der langsam zerfallende Hof seiner Eltern – und sein Vater aufgebahrt auf dem Esstisch. Doch damit nicht genug, seine Gattin erfährt zu ihrem Entsetzen, dass es da auch noch einen ebenfalls verschwiegenen, UFO-paranoiden Bruder namens Rud (Jesper Asholt) gibt, um den Kresten sich kümmern muss.

Murrend fährt Kresten in die Provinz und schlägt sich dort mit der Beerdigung seines Vaters und mit seinem debilen Bruder herum, der auf keinen Fall den Hof verlassen will. Zähneknirschend sucht der erfolgreiche Manager eine Haushälterin, die auf Rud aufpassen und den Hof in Ordnung bringen soll. Die schöne Liva (Iben Hjelje), die sich auf den Job bewirbt und ihn auch erhält, erobert nicht nur das Herz von Rud, der sie natürlich für eine Außerirdische hält, sondern auch Kresten zeigt sich bald interessiert, ohne freilich zu ahnen, dass Liva eine Kopenhagener Edel-Prostituierte ist, die sich auf der Flucht befindet. Als Claire nach einer Überraschungs-Stippvisite brennend vor Eifersucht nach Kopenhagen zurückkehrt und die Scheidung (nebst eingeschlossener Kündigung) einreicht, gerät das nur scheinbar beschauliche Landleben außer Kontrolle und Kresten hat alle Hände voll zu tun, Rud, die schöne Liva, deren renitenten, pubertierenden Bruder Bjarke (Emil Tarding) und die bösartigen Nachbarn zur Räson zu bringen…

Es war ausgerechnet das älteste Mitglied der Dogma-Quadriga, der damals 52-jährige Søren Kragh-Jacobsen, der mit seinem Dogma-Film Mifune frischen Wind und eine neue Richtung in die Dogma-Bewegung brachte und einen wunderbaren und humorvollen Film auf die Leinwand zauberte, der trotz technischer Beschränkungen nicht an schönen Bildern spart und gute Laune macht. Ein Überraschungscoup, vor allem für alle Kritiker, die Dogma für einen bestenfalls drögen, schlimmstenfalls aber zynischen oder langweiligen Marketing-Trick hielten, um die einstmalige Filmnation Dänemark wieder nach vorne zu bringen.

Mifune

Ach ja, Dogma 95, da war doch was. Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der kleinen Kinorevolution aus Dänemark wagt sich 3sat an eine Bestandsaufnahme und zeigt einen Teil der Filme mit dem Label Dogma 95.

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