Miami Vice (2006)

Miami Vice (2006)

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Ein lauwarmer Aufguß

Wann reicht ein Remake dem Original das Wasser? Michael Mann (Collateral) nimmt den Eimer erst gar nicht in die Hand: Zu verhärtet sind die verklärten Action- und Outfit-Bilder der legendären Miami Vice-Serie (1984-1989) mit ihren 112 Folgen über das smarteste Duo der US-TV-Geschichte.

James "Sonny" Burnett Crockett (Don Johnson) und Ricardo Tubbs (Philip Michael Thomas) von der "Miami Vice Squad" legten einstens im Nutten-, Drogen- und Gangster-Milieu Floridas nicht nur schweren Jungs das Handwerk, sondern prägten mit ihren weißen T-Shirts unter dem lässigen, pastellfarbenen Armani-Jacket, bewehrt mit sockenlosen Slippern, den nonchalanten Lifestyle einer ganzen Generation. Jan Hammer wurde durch die Titel-Musik berühmt, Bruce Willis und Julia Roberts gaben sich die Klinke in die Hände, und selbst Präsident George W. Bush lechzte als Anti-Drogen-Propagandist vergeblich nach einer Komparsenrolle. Coolness sowie "Style Over Substance" dominierten.

Heuer dominieren im 125-Millionen-Dollar-Film Taten, Tempo und Todesschüsse. Doch zu gefällig agieren Sonny (Colin Farrell) und Ricardo (Jamie Foxx) in den Fängen von Koks-Kolumbianern, arischen Faschos und der chinesischen "Geschäftsfrau Isabella", gespielt von der brillanten Gong Li. Hinzu die trivialen Typisierungen: Colin Farell erinnert an George Michael vor 30 Jahren mit 3-Tage-Bart kurz vor dem Shooting für die "Männer Vogue", Jamie Foxx gleicht dem mit der Schafsschere gestutzten "OJ" Simpson in Kleinformat nach dem Liften, und Drogenbandit Yero (John Ortiz) könnte Rolf Zacher mit öliger Langhaar-Perücke samt schwarzer Hornbrille nach dem Wellness-Weekend sein.

Aber Wellness hier? Schon, wenn der warme Wassereimer eingefleischten Fans gereicht wird.
 

Miami Vice (2006)

Wann reicht ein Remake dem Original das Wasser? Michael Mann (Collateral) nimmt den Eimer erst gar nicht in die Hand.

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