Metaller, die auf Brüste starren

Metaller, die auf Brüste starren

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Und immer wieder Wacken...

Was ist das Schlimmste an Wacken?, fragt der glatzköpfige Interviewer immer wieder die Besucher des Wacken Open Air, jenes Heavy Metal-Festivals in Schleswig-Holstein, das spätestens seit Full Metal Village (2006) von Cho Sung-hyung auch jenseits der Hardrock-Szene einem breiten Kinopublikum bekannt geworden ist. Und bei manchem der Befragten dauert es ein ganzes Weilchen, bis der Groschen gefallen ist – was entweder am ohrenbetäubenden Lärm der Musik liegt oder daran, dass man die Frage tatsächlich als ernst gemeint aufgefasst hat. Oder vielleicht liegt die Begriffsstutzigkeit am nicht unerheblichen Bierkonsum auf dem Festival. Und so ist es kein Wunder, wenn die Antwort auf die Frage auch genau in diese Kerbe schlägt. "Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist", so lautet ein Song, den in Wacken jeder kennt und der zu jeder passenden Gelegenheit (und derer gibt es viele) angestimmt wird.
Um dem in Gesang gefassten Alptraum jedes wackeren Wacken-Besuchers zu entgegnen, müssen - so könnte man meinen - sämtliche Brauereien Deutschlands etliche Sonderschichten schieben. Denn egal, wen man auch fragt: Die Biervorräte für das Open Air bewegen sich (zumindest für Wacken-Unerfahrene) in astronomischen Größenordnungen. Und so ist der Refrain auf die Frage nach dem Schlimmsten in Wacken nicht nur so etwas wie das heimliche Motto von Metaller, die auf Brüste starren, sondern auch der rote Faden des Films, den Dmitry April und Thorsten Hänseler, die selbst seit vielen Jahren nach Wacken pilgern, realisiert haben. Es war, so muss man vermuten, keine Schnaps-, sondern eine Bieridee, die auf der Videokamera festgehaltenen Erlebnisse und Gespräche zu einem Film zusammen zu schneiden. Und genauso sieht das Ergebnis dann auch aus – oftmals sind die Bilder während der Interviews so verwackelt, dass man meint, das alkoholbedingte Schwanken des Kameramanns beinahe körperlich zu spüren. Und die mehr geschrieenen als gestellten Fragen an die Festivalbesucher spotten jeder Interviewtechnik, die man sonst in Dokumentarfilmen zu Gesicht bekommt. Konsequenterweise haben die beiden Regisseure ihren Film, der in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal Bad Offenbach entstand und von diesem in die Kinos gebracht wird (auch das ist wohl ein Unikum in der bisherigen deutschen Kinolandschaft), dann auch als Trash-Doku deklariert. Was den Nagel des Films punktgenau auf den Kopf trifft.

Während Cho Sung-hyung in Full Metal Village den Zusammenprall von Schwermetallern und der Bevölkerung von Wacken zu einem eindrucksvollen Soziogramm formte, schert sich Metaller, die auf Brüste starren, wenig um die Außenperspektive, sondern taucht ab in das dreitägige Paralleluniversum der Hardrock-Fans. Doch so richtig zündet die bierselige Dokumentation nicht, zu monothematisch ist das Ganze angelegt und interessiert sich kaum für Hintergründe und Einsichten, die Außenstehenden eine Ahnung vom Innenleben des gemeinen Wacken-Besuchers geben. Man ist Teil der Szene und muss deshalb auch nichts nach außen vermitteln. Immerhin ist es die nicht unerhebliche Selbstironie der beiden Filmemacher, die den gefilmten Klassenausflug der Gemeinde immer wieder auflockert und zeigt, dass die martialischen und selten nüchternen Damen und Herren, von denen erzählt wird, eigentlich herzensgute und liebenswürdige Menschen sind, die einfach an drei Tagen im Jahr (und manche bestimmt auch öfters) über die Stränge schlagen.

Dennoch: Man muss schon ein echter Fanboy des Wacken Open-Air sein, um an den Innenansichten des Festivals über die volle Länge des Films seinen Spaß zu haben. Ziemlich wahrscheinlich hilft auch das eine oder andere Gerstenkaltgetränk dabei, dass sich im Kino die echte Wacken-Atmosphäre einstellt. Womit sich der Kreis wieder schließt - denn wie gesagt: "Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist." Kinobetreiber, die diesen Film zur Aufführung bringen, wären also nicht schlecht beraten, vorher noch mal die Vorräte aufzufüllen – am besten gleich palettenweise. Prost!

Metaller, die auf Brüste starren

Was ist das Schlimmste an Wacken?, fragt der glatzköpfige Interviewer immer wieder die Besucher des Wacken Open Air, jenes Heavy Metal-Festivals in Schleswig-Holstein, das spätestens seit "Full Metal Village" (2006) von Cho Sung-hyung auch jenseits der Hardrock-Szene einem breiten Kinopublikum bekannt geworden ist.
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pascal · 02.07.2011

gibs denn wirklich

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Titel
Metaller, die auf Brüste starren
Und immer wieder Wacken...
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Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
91 Min
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