Melodys Baby

Melodys Baby

Eine Filmkritik von Gregor Ries

Eine ungewöhnliche Familienzusammenführung

In seinem zweiten Spielfilm setzt sich Bernard Bellefroid mit dem Thema Leihmutterschaft auseinander, wobei er Fragen nach Verantwortung, Herkunft und Identität stellt. Dies verbindet er mit der unsentimental entwickelten Annäherung zweier Frauen aus unterschiedlichen Milieus und Kulturen. Auch ohne große Starnamen gelang dem belgischen Regisseur ein bewegender Film, der nach seinen Dokumentararbeiten und dem Debüt La Régate über eine problematische Vater-Sohn-Beziehung erneut das Sujet Familienbande aufgreift.
Melodys Baby konzentriert sich zunächst auf die wohnsitzlose Melody (Lucie Debay), die sich mit gelegentlichen Frisierjobs über Wasser hält und von einem eigenen Salon träumt. Als Ausweg aus ihrer Misere bewirbt sich die junge Frau im Internet als Leihmutter, wobei sie bei ihren biografischen Angaben nicht ganz ehrlich ist. Ihre Anzeige erregt die Aufmerksamkeit der Britin Emily (Rachel Blake), die keine Kinder bekommen kann und als vielbeschäftigte, alleinstehende Managerin dafür im Grunde wenig Zeit hätte. Beide gehen schließlich einen Vertrag ein, so dass sich Melody in einer ukrainischen Klinik gefrorene Eizellen einpflanzen lässt.

Erst nachdem sich allmählich die Schwangerschaft bei der blonden Streunerin bemerkbar macht, stellt sie sich wirklich die Frage, ob sie ihr werdendes Kind einer Fremden überlassen soll. Daher ist Emily stark daran interessiert, die Kontrolle über Melodys Kontrakterfüllung zu behalten. Doch dass sich die Belgierin gleich ganz bei ihr einnistet, hätte sie kaum erwartet.

Der Plot, den Bellefroid zusammen mit zwei Co-Autorinnen und einem Autor entwickelte, hätte dank dramatischer Wendungen reichlich Platz für sentimentale Einlagen bereitgehalten. Dank einer sensiblen Inszenierung und nuancenreicher Akteurinnen umschifft er bis auf wenige Momente alle Klippen. Männer tauchen hier nur am Rande auf. Vielmehr konzentriert sich Bellefroid ganz auf die langsame, schwierige Annäherung der beiden Frauen, die zunehmend eine Art Mutter-Tochter-Verhältnis eingehen. In ihrer Einsamkeit vermögen sich die beiden allmählich Halt zu geben, doch dafür müssen sie erst einmal Distanz und gegenseitiges Misstrauen ablegen.

Das intensive Spiel der beiden Darstellerinnen wird durch eine Fotografie unterstützt, bei der die Landschaftsbilder als Spiegel ihrer Befindlichkeit dienen. Bellefroid setzt weniger auf ausufernde Dialoge, sondern lässt Bilder, Licht und Farben, mit denen die beiden Welten kontrastiert werden, für sich sprechen. Mit einer dramatischen Plotwendung bleibt zwar die Frage nach dem ungeborenen Leben als Geschäftsobjekt unbeantwortet, doch das Thema Verantwortung spielt am Ende eine entscheidende Rolle in einem starken, einfühlsamen Frauendrama.

Melodys Baby

In seinem zweiten Spielfilm setzt sich Bernard Bellefroid mit dem Thema Leihmutterschaft auseinander, wobei er Fragen nach Verantwortung, Herkunft und Identität stellt. Dies verbindet er mit der unsentimental entwickelten Annäherung zweier Frauen aus unterschiedlichen Milieus und Kulturen.
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