Meine Mütter – Spurensuche in Riga

Meine Mütter – Spurensuche in Riga

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wer bin ich, woher komme ich?

Ausgerechnet kurz vor dem Jahrtausendwechsel 2000 erfährt der Regisseur Rosa von Praunheim von seiner Mutter, die zu diesem Zeitpunkt bereits 94 Jahre alt ist und bei ihm lebt, ein Geheimnis, das sein Leben verändert wird. Unter Tränen gesteht ihm die Dame, dass er nicht ihr leibliches Kind ist, sondern von ihr aus einem Kinderheim in Riga geholt und später adoptiert wurde. Ganz unsentimental und vom Scheitel bis zur Sohle der exzentrische Filmemacher, als der er bekannt — und berüchtigt — wurde, wittert der 1942 als Holger Mischwitzky geborene von Praunheim ein Geheimnis, das es aufzudecken gilt. Und was läge näher für einen Regisseur, der stets aufs Ganze ging und sich nie davor gedrückt hat, persönlich zu werden, als aus dieser Suche nach der eigenen Identität einen Film zu machen? Das Ergebnis ist eine denkbar intime und berührende Recherche, bei der man dem streitbaren Filmemacher nahe kommt wie selten zuvor und bei der er neue, sehr nachdenkliche Seiten an sich offenbart.
Rosa von Praunheim beginnt mit seiner Suche aber erst nach dem Tod der Adoptivmutter und es ist vor allem die Achtung vor und die Liebe zu ihr, die keine früheren Nachforschungen zulässt. Viel weiß er zu diesem Zeitpunkt nicht, kann nur Vermutungen darüber anstellen, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn ihn nicht Gertrud Mischwitzky aus seinem ungewissen Schicksal erlöst und bei sich aufgenommen hätte. Viel ist es nicht, was er anfangs in Händen hält – nur der Geburtsort, der Geburtstag und ungenaue Angaben über das Kinderheim sind die wenigen, spärlichen Anhaltspunkte. Doch für Rosa von Praunheim ist es mehr als genug, um die Fährte aufzunehmen, die ihn tief in die Geschichte Lettlands und die Ereignisse während der Besetzung des Landes durch die Soldaten der deutschen Wehrmacht hineinführt. Immer wieder sind es Zufälle, Begegnungen, die den Regisseur weiterführen, bis er schließlich Gewissheit darüber erlangt, woher er stammt und wie sein eigentlicher richtiger Name lautet…

Vielleicht ist es ja die Weisheit und Ruhe des Alters — Rosa von Praunheim wurde 2007 65 Jahre alt – oder doch eher die Ernsthaftigkeit des Themas, die aus seinem neuen Werk einen so vollkommen unaufgeregten und doch aufregenden Film macht. Seine mit journalistischer Akribie und viel persönlichem Interesse gestaltete Suche nach der eigenen Herkunft ist nicht nur ein sehr persönliches Dokument geworden, sondern auch ein Geschichtskrimi, der gleichermaßen berührt und unterhält. Vor allem – und das ist ein großes Glück – ist Meine Mütter – Spurensuche in Riga eine Recherche, an deren Ende ein erfolgreicher Ausgang steht. Nicht auszudenken, wie groß die Enttäuschung gewesen wäre, wenn Rosa von Praunheim am Ende mit leeren Händen dagestanden und dieser Film wohl nicht vollendet worden wäre.

Meine Mütter – Spurensuche in Riga

Ausgerechnet kurz vor dem Jahrtausendwechsel 2000 erfährt der Regisseur Rosa von Praunheim von seiner Mutter, die zu diesem Zeitpunkt bereits 94 Jahre alt ist und bei ihm lebt, ein Geheimnis, das sein Leben verändert wird.
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