Meine liebe Frau Schildt - Eine Ode an die Grundschule

Meine liebe Frau Schildt - Eine Ode an die Grundschule

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Teddybär namens Rousseau

Trotz der vielen Jahre, die Dietlind Schildt und ihre Viertklässler voneinander trennen, eint die Lehrerin und ihre Klasse doch eines: Sowohl die Kinder als auch die Pädagogin stehen vor einem neuen Lebensabschnitt. Die Grundschüler werden sich nach dem Ende des Schuljahres auf die verschiedenen weiterführenden Schulen verteilen, Frau Schildt hingegen beendet nach 40 Jahren ihre berufliche Laufbahn und geht in den Ruhestand. Es ist also ein doppelter Abschied und so verwundert es wenig, dass die Filmemacherin Nathalie David, deren Tochter in die letzte Klasse von Frau Schildt ging, auf die Idee kam, ihren Film als eine Art Resümee zu gestalten, bei dem vor allem die Lehrerin im Mittelpunkt des Interesses steht.
Die fährt zum Abschluss der vierten Klasse mit ihren Schülern auf einen Bauernhof in der Nähe des Meeres und in dieser Atmosphäre abseits des Schulalltags nimmt sich der Film den Raum, um der grundlegenden Frage zu folgen, welche Schulform wohl die beste wäre für die Grundschüler der Zukunft. Ausführliche Gespräche mit Dietlind Schildt kontrastieren mit Interviews der aktuellen sowie Befragungen früherer Schülerinnen und Schüler, Alltagsbeobachtungen und Zitate aus Jean-Jacques Rousseaus pädagogischem Klassiker Emil oder die Erziehung, vorgetragen von einem Plüschteddy, bilden einen recht unterhaltsamen Mix, fügen sich aber am Ende nicht zu einem schlüssigen Gesamtwerk mit großem Erkenntnisgewinn zusammen.

So sympathisch und heiter das Porträt auch geraten ist, bleibt am Ende doch die Frage bestehen, was Nathalie David mit ihrem Film eigentlich beabsichtigte und welche Motivation ein Kinozuschauer aufbringen muss, um sich diesen Film im Kino anzusehen. Eine dringend benötigte Auseinandersetzung mit den vielfältigen Problemen des Bildungssystems, wie dies etwa Erwin Wagenhofer in Alphabet unternommen hat, bleibt bis auf die abstrakten und verfremdeten Einlassungen Jean-Jacques Rousseaus und einen eingebetteten Diskurs über die Geschichte der Schulpädagogik aus. Aufgrund der überwiegend homogenen Zusammensetzung der Klasse werden die Ungerechtigkeiten des deutschen Bildungssystems, die auch in zahlreichen Studien deutlich benannt wurden, allenfalls gestreift, ansonsten herrscht überwiegend eitel Sonnenschein als Grundton vor.

Aufgrund dieses mangelnden Grundkonflikts und der zahlreichen Wiederholungen, wenn sich die Kinder am Fragenkatalog nach ihren Berufswünschen und dem Inhalt ihrer Schultüte abarbeiten, wirkt der Film so spannungsarm und versteht es nur ansatzweise zu fesseln. Unterm Strich ist Meine liebe Frau Schildt – Eine Ode an die Grundschule vor allem das, was der Film bereits im erstem Teil des Titels andeutet: Ein Geschenk an eine charismatische Pädagogin, das vor allem diejenigen interessieren dürfte, die Dietlind Schildt kennen.

Meine liebe Frau Schildt - Eine Ode an die Grundschule

Trotz der vielen Jahre, die Dietlind Schildt und ihre Viertklässler voneinander trennen, eint die Lehrerin und ihre Klasse doch eines: Sowohl die Kinder als auch die Pädagogin stehen vor einem neuen Lebensabschnitt. Die Grundschüler werden sich nach dem Ende des Schuljahres auf die verschiedenen weiterführenden Schulen verteilen, Frau Schildt hingegen beendet nach 40 Jahren ihre berufliche Laufbahn und geht in den Ruhestand.
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Meinungen
thomas becker · 29.01.2014

Eine wunderbare Dokumentation von Nathalie David über eine Lehrerin, die sich den Bedürfnissen ihrer Kinder so weit wie nur irgend möglich widmet. Der Film regt in wundervoller Weise an über Möglichkeiten guter Schule nachzudenken.
VG Thomas Becker

Kommentare

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