Meine geniale Freundin (TV-Serie, 2018)

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Elena Ferrantes Roman „Meine geniale Freundin“ und die anderen Titel ihrer Neapolitanischen Saga haben weltweit Millionen Fans und Leser*innen begeistert — da war der Schritt auf die Leinwand bzw. den Bildschirm nur eine Frage der Zeit. Doch ist die Umsetzung auch gelungen?

Meine geniale Freundin (TV-Serie, 2018)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Adaption eines globalen Bestsellers

Elena Ferrantes sogenannte Neapolitanische Saga, die Tetralogie, die aus Meine geniale Freundin, die Geschichte eines neuen Namens, Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes besteht, hat die Literaturwelt in Aufregung versetzt. Weltweit wurden die Bücher in vierzig Sprachen übersetzt und erreichten insgesamt rund fünf Millionen verkauften Exemplare. Kein Wunder also, dass der Bucherfolg Begehrlichkeiten nach einer filmischen Umsetzung weckte — und angesichts des schieren Umfangs des Werks erscheint es auch logisch, die Adaption als Serie zu konzipieren. Die mutmaßliche Bieterschlacht um die Buchrechte gewann der US-Bezahlsender HBO - immerhin ein Spezialist für Romanverfilmungen, wenngleich Game of Thrones aus der Feder von George R. R. Martin dann doch in einer anderen filmischen wie literarischen Liga spielt. Gemeinsam mit RAI und dem Video-on-demand-Service TIMvision hat sich HBO der Tetralogie und den ersten Band als achtteilige Serie adaptiert.

Als Regisseur für die „Saga“ (ein Terminus, den Elena Ferrante selbst scheußlich findet) konnte Saverio Costanzo gewonnen werden und damit ein Filmemacher, der bislang vor allem im Bereich des Kinofilms wirkte. Aber auch das ist ja nichts Neues in der schönen neuen Film- und Serienwelt. Costanzo ist bislang vor allem als Regisseur von Kinofilmen wie Private (2004), Die Einsamkeit der Primzahlen (2010) und Hungry Hearts (2014) in Erscheinung getreten, seit 2013 inszenierte er rund 70 Episoden der für Sky Italia produzierten Serie In Treatment (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Serie aus den Jahren 2008 bis 2010, in der Gabriel Byrne den Psychotherapeuten gab, allerdings basiert die italienische Serie auf dem US-amerikanischen Vorbild).

Eng an der Vorlage orientiert erzählt die erste Staffel von der Kindheit und Jugend der beiden Protagonistinnen (als Kinder auf sehr bewegende Weise von Elisa Del Genio und Ludovica Nasti, gespielt, später dann mit dem Wechsel ins Jugendlichen-Alter übernehmen Margherita Mazzucco und Gaia Gerace die Parts von Lila und Elena) im bitterarmen neapolitanischen Viertel Rione Luzzatti, das Costanzo nachbauen ließ. Wie im Buch, erzählt auch die Serie aus der Sicht der etwas älteren Elena und in der Retrospektive der Jetztzeit von einer ungewöhnlichen Freundschaft und dem Aufwachsen in prekären Zeiten und Vierteln. Dass sich der Geist der Vorlage trotz mancher Schwächen angemessen transportiert, liegt vor allem an den gelungenen Straffungen und Bearbeitungen der Vorlage, bei denen auch Elena Ferrante mithalf.

Geduldig und manchmal fast mit aufreizender Langsamkeit führt Costanzo zu Beginn das umfangreiche Figurenensemble ein und legt Spuren eines gesellschaftlichen Mikrokosmos aus, die sich im weiteren Verlauf der ersten Staffel immer weiter verzweigen und miteinander in Korrespondenz treten werden. Immer wieder schweift der Blick zu familiären Dramen, Streitereien mit der allgegenwärtigen Camorra und dem alltäglichen Kampf ums Überleben. Und mittendrin: Die beiden Mädchen, die eher zurückhaltende Elena und die ebenso aufmüpfige wie kluge Lila, die den Weg heraus aus der Begrenztheit ihres Daseins suchen, sich hinwegträumen in ein anderes, ein besseres Leben.

Die Künstlichkeit der Kulissen wird von der Authentizität aufgefangen, die sich im Original vor allem im breiten neapolitanischen Dialekt äußert — ein wesentliches Merkmal der Serie, das sich in der deutschen Synchronisation freilich nicht transportiert. Wer also mag und ein wenig italienisch versteht, sollte auf das Original mit Untertiteln zurückgreifen, zumal dort die famose Alba Rohrwacher den Part der Erzählerin kongenial übernimmt. In Italien selbst wurde die Serie ob der Unverständlichkeit des Neapolitanischen ebenfalls mit Untertiteln ausgestrahlt.

Meine geniale Freundin (TV-Serie, 2018)

„Meine geniale Freundin“ beruht auf dem gleichnamigen ersten Band der vierteiligen Romanreihe des Weltbestsellers von Elena Ferrante. Unter der Regie von Saverio Constanzo folgt das achtteilige Drama Elena Greco, deren wichtigste Freundin spurlos verschwunden zu sein scheint. Also schaltet Elena, inzwischen eine ältere Frau, die in einem Haus voller Bücher wohnt, ihren Computer ein und beginnt, die Geschichte ihrer Freundschaft zu schreiben. Sie traf Raffaella Cerullo, die sie immer Lila genannt hat, im ersten Jahr der Grundschule 1950. Im gefährlichen und faszinierenden Neapel versucht sie in den 60 Jahren ihrer Freundschaft, das Geheimnis von Lila zu beschreiben: Elenas brillanter Freundin und — in gewisser Weise — ihrer größten Rivalin.

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