Meine Frau die Hexe

Meine Frau die Hexe

Eine Filmkritik von Simin Littschwager

Screwball-Komödie aus den 40er

Mit einer Hexe verheiratet zu sein, mag sicherlich schon des Öfteren einem gebeutelten Ehemann in Form eines gemurmelten Fluchs über die Lippen gekommen sein… Doch wie viele von ihnen haben eine Frau, die tatsächlich mit Zaubersprüchen das Kaminfeuer entfacht, weil sie mit Streichhölzern nicht umzugehen weiß?
Lang, lang ist’s her, da glaubten die Menschen wirklich noch an Hexen, und ein gewisser Master Wooley (Fredric March) ließ die schöne Hexe Jennifer (Veronica Lake) und ihren Vater (Cecil Kellaway) auf den Scheiterhaufen bringen. Zur Strafe belegte sie ihn zuvor mit einem Fluch: Jeder männliche Wooley würde die falsche Frau heiraten. 270 Jahre später glaubt eigentlich niemand mehr an Hexen, als Jennifer und ihr Vater von dem Bann, der sie in den Wurzeln eines Baumes gefangen hielt, befreit werden und zunächst in Gestalt zweier Rauchwölkchen auf Rache sinnen. Zwar scheint sich der Fluch Jennifers zu erfüllen, denn der jüngste der Wooleys, der angehende Gouverneur Wallace (ebenfalls Fredric March), steht kurz vor der Hochzeit mit der äußerst biestigen Estelle (Susan Hayward), die sich nur selten dazu herablässt, ihre schöne aber finstere Miene gegen ein starres Raubtierlächeln einzutauschen. Doch Jennifers Vater erscheint dies nicht teuflisch genug – „Jeder Mann der heiratet, heiratet die falsche Frau!“ –, und so hat Jennifer die Idee, Wallace mittels eines Zaubertranks in sich verliebt zu machen, um ihn abblitzen und an einer ewig unglücklichen Liebe leiden zu lassen.

Doch durch ein schicksalhaftes Versehen trinkt Jennifer selbst den Zaubertrank – und verliebt sich unsterblich in Wallace. Klar, dass sie nun alles versuchen muss, um dessen Hochzeit mit Estelle zu verhindern und ihn, der ihr bereits gesagt hat, dass Schönheit und Verführungskraft nicht alles seien, für sich zu gewinnen. Unverzagt und mit magischer Kreativität macht sie sich ans Werk, während ihr Vater seinerseits ein doppeltes Spiel mit ihr treibt…

Lange bevor allerlei zauberhafte Hexen, angefangen mit der Serie Bewitched/ Verliebt in eine Hexe aus den 60er Jahren bis hin zur Teenagerhexe Sabrina der 90er, ihren sympathischen Unfug treiben durften, hat der französische Regisseur René Clair, der erst zwei Jahre zuvor in die USA emigriert war, mit Meine Frau, die Hexe/ I married a witch (1942) eine amüsante und charmante Hexenkomödie geschaffen. Darin karikiert er in Manier der seit den 30er Jahren so erfolgreichen Screwball-Komödien zeitgenössische Ehekonventionen und Romantikideale. Insbesondere Veronica Lake, die überzeugend zwischen bösartiger Hexe, verführerischem Vamp, ungestümem Wildfang und unsterblich verliebter Frau agiert, ist dabei reizend. Ihr Gegenspieler Fredric March als verträumter Wallace (den sie übrigens nur Wally nennt, was im (britischen) Umgangsenglisch in etwa „Trottel“ heißt) sorgt hingegen eher für Lacher, wenn er wie eine verschreckte Jungfer Jennifer zu entkommen versucht oder „nervös wie eine Braut“ zum Hochzeitsaltar stolpert, um jedoch sofort der Braut den Rücken zu kehren und in Ohnmacht zu fallen. Schade ist dabei ein wenig, dass es trotz aller Magie nicht so Recht funkt zwischen den Schauspielern, die einander privat keine Sympathien entgegenbrachten, so dass das knisternde Spannungsgefühl vergleichbarer Screwball-Filme längst nicht erreicht wird.

Im Vergleich zu diesen ebenfalls etwas unbefriedigend ist eine im Großen und Ganzen beibehaltene und überkommene Geschlechterstereotypie, was im Hinblick auf das Potential von Hexenfilmen – die ja gerade im Hinblick auf männliche Ängste angesichts machtvoller Frauen interessant sein können – bedauerlich ist.

Trotz aller Zauberkraft und Eigenwilligkeit bleibt Jennifer letztlich ihrem despotisch-sexistischem Vater unterworfen, der sogar über ihre Macht verfügen und ihr diese nehmen kann. Als sie sich in eine liebende Frau verwandelt, befreit sie sich zwar von diesem Patriarchen, befindet sich aber zunehmend in der klassisch unterwürfigen Frauenpose, schutzbedürftig an der Brust des Geliebten, mit einem bewundernden Blick nach oben, will nur noch zum Wohle des geliebten Gatten ihre magischen Kräfte anwenden und tauscht gen Ende den Hexenbesen gar gegen Stricknadeln ein.

So ist Meine Frau, die Hexe/ I married a witch nicht viel mehr als eine romantische Komödie, die mit zahlreichen originellen Tricks und Einfällen sicherlich unterhaltsam ist und mit mehr als nur einem Augenzwinkern gesehen werden kann. Wer gruselfreie Hexenkomödien mag, sollte sich dieses frühe Exemplar keinesfalls entgehen lassen. Im Gegensatz zu einigen anderen in den Jahren zuvor entstandenen Screwball-Komödien und sonstigen zeitgenössischen Werken ist dieser Film jedoch vergleichsweise zahm und harmlos.

Meine Frau die Hexe

Mit einer Hexe verheiratet zu sein, mag sicherlich schon des Öfteren einem gebeutelten Ehemann in Form eines gemurmelten Fluchs über die Lippen gekommen sein…
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