Mein Name ist Eugen

Mein Name ist Eugen

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Und die Moral von der Geschicht: Gibt es nicht!

Es ist recht still geworden um das gute alte Genre der Lausbubenstreiche und Jungenfreundschaften, bei dem einem sofort Filme wie Das fliegende Klassenzimmer und Stand By Me in den Sinn kommen. Nun aber ist ausgerechnet der recht kargen schweizerischen Filmlandschaft eine rasante Komödie um die Erlebnisse eines Quartetts verschworener Bengel entsprungen, die dort zum zweiterfolgreichsten Kinohit aller Zeiten avancierte und mit dem Schweizer Filmpreis 2006 ausgezeichnet wurde. Das mag auch daran liegen, dass das gleichnamige Buch von Klaus Schädelin seit seinem Erscheinen 1955 durch Generationen begeisterter Leser den Status eines Kulturguts erreicht hat. Der Film Mein Name ist Eugen, der um die wohl bekannten Geschichten der literarischen Vorlage eine Rahmenhandlung geflochten hat, spielt im Jahre 1964 und führt einem Road Movie gleich mit Zug und Rad durch geradezu malerische Orte wie die Berner Altstadt, das Zürcher Niederdorf und die Voralpen, die im Stil jener Epoche erscheinen und mit liebevoll installierten Details für den unerlässlichen Schuss Nostalgie sorgen.
Eugen (Manuel Häberli) heißt der zwölfjährige Tunichtgut, der uns als Erzähler durch die haarsträubende Geschichte führt, die er gemeinsam mit seinen Freunden Wrigley (Janic Halioua), Bäschteli (Dominic Hänni) und Eduard (Alex Niederhäuser) erlebt. Sind sie auch als Lausbuben heftigen Kalibers bekannt, schlägt ihr neuster Streich – ein gigantisches Faltboot demoliert ein ganzes Haus – dem Faß doch den Boden aus, und die berüchtigten Berner Lausebengel Eugen und Wrigley werden zum Verzicht auf das sommerliche Pfadilager verurteilt. Da Wrigley zudem noch in ein Internat verbannt werden soll, muss dringend eine Rettung herbei, die ihnen auch prompt in Form einer alten Schatzkarte in die Hände fällt, die ihnen Reichtum und somit Unabhängigkeit vom Zorn der Eltern verheißt. Nun gilt es, den legendären „König der Lausbuben“ Fritzli Bühler (Beat Schlatter) zu finden, dem die Karte einst gehörte, und so brennen Eugen und Wrigley von zu Hause durch, um ihr großes Vorbild in Zürich suchen.

Bereits am Bahnhof geraten sie ungewollt auf Abwege und landen zunächst doch noch mit der Pfadigruppe des schrulligen Leiters Gummi (Ulrich Blum) im Tessin. Nach ein paar deftigen Streichen aber flüchten die beiden Lauser aus dem Lager, verstärkt durch den kräftigen Eduard, der sich anschließt, und den weinerlichen Bäschteli im Schlepptau, der eigentlich lieber ganz woanders wäre.
Nun geht es auf nach Zürich, und die ohnehin schon turbulente Reise der vier Freunde – unterwegs verbrüdern sie sich nach einigen Fetzereien als ein „Einigvolk voll Bengeln“, das keine Not trennen kann – entwickelt sich auch zu einer wilden Verfolgungsjagd, denn es sind ihnen nicht nur die Eltern und der ergrimmte Gummi auf den Fersen, sondern beinahe sämtliche Polizisten der Schweiz, und dazu noch zwielichtige Gestalten, die auf eine Belohnung für das Ergreifen der Jungen spekulieren. Und als sei all dies noch nicht genug, begegnet den Buben schließlich noch das seltsame Gefühl einer ersten Verzückung in Gestalt eines zauberhaften Mädchens …

Mein Name ist Eugen des schweizerischen Regisseurs Michael Steiner ist ein klassischer Lausbubenfilm, der seinen Witz aus Elementen wie überzogener Ungeschicktheit, übertriebener Gestik, überzeichneter Lispelei und überaus weit aufgerissenen Augen bezieht. Die Charaktere der vier Helden entsprechen nur allzu typischen Mustern; den klugen Organisator mit viel Sinn für Gerechtigkeit, den draufgängerischen Visionär mit zündenden Ideen, das weinerliche Muttersöhnchen und den schlag-fertigen Mann fürs Grobe, der permanent futtern könnte, kennen wir nur allzu gut, auch wenn sie hier Eugen, Wrigley, Bäschteli und Eduard heißen.

Nichts Neues, wenig Tiefgang, sentimentale Aufbereitung, purer hübsch inszenierter Klamauk, ist man versucht zu urteilen, doch vergisst man dabei, dass das junge Publikum, auf welches dieser Film zugeschnitten ist, das möglicherweise ganz anders betrachtet, nämlich als ein großes Vergnügen ohne problematisierende Zwischentöne und belehrende Klugscheißereien der Erwachsenenwelt.

Der Autor Klaus Schädelin (1918-1987), der die Geschichten um Eugen erfand, war Pfarrer sowie Vater von drei Kindern. Zum erzieherischen Wert seines Buches bemerkte er einmal: „Das hat der Eugen ganz und gar nicht. (…) Und überhaupt mit diesen Werten: Ich halte nicht viel davon. Es muss nicht immer erzogen werden! Bei den eigenen Kindern haben wir ganz darauf verzichtet, mit dem Resultat, dass sie uns erzogen! Es dünkt mich manchmal, es wäre besser, die Eltern hätten ihre Kinder etwas mehr gern, sogar dann, wenn sie etwas Blödes angestellt haben.“

Mein Name ist Eugen

Es ist recht still geworden um das gute alte Genre der Lausbubenstreiche und Jungenfreundschaften, bei dem einem sofort Filme wie Das fliegende Klassenzimmer und Stand By Me in den Sinn kommen.
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Meinungen
Matthias Rentsch · 12.04.2015

Sehr schlechte Unsorgfältige grobschlächtige filmische Umsetzung eines sehr guten vielschichtigen Kinderbuches. Eine Beleidigung der Vorlage. Der Autor Klaus Schädelin wird sich im Grab umgedreht haben. Zum Schreddern.

Eva-Maria · 02.02.2009

aus einem herausragenden Klassiker einen Riesenschmarren gedreht, eine Beleidigung für alle, die das Buch gelesen haben. Sauglattismus aufs Dümmste

kp · 11.02.2007

Der Film ist echt cool
ich war mit meiner Schulklassew dort und er ist wirklich empfehlenswert

Kommentare

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