Matrioshki - Mädchenhändler (Staffel 1)

Matrioshki - Mädchenhändler (Staffel 1)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

In den Fängen der Sexindustrie

Dass Menschen zur Ware erklärt und dementsprechend behandelt, verkauft, geschmuggelt und ausgebeutet werden, ist keine Erfindung unserer Zeiten, sondern vielmehr ein Problemfeld, dass es seit dem Sklavenhandel gibt. Und selbst die internationale Ächtung der Leibeigenschaft und Sklaverei hat an der Existenz solcher unmenschlichen Abhängigkeitsverhältnisse kaum etwas ändern können. Und selbst in Europa lassen sich auch heute noch und im großen Stil Formen der Skalverei finden – wenn man nicht die Augen davor verschließt. Von einer dieser Formen, dem international organisierten Mädchenhändel in Verbindung mit Zwangsprostitution, erzählt die belgische Fernsehserie Matrioshki – Mädchenhändler, die die Wege von zehn Frauen aus Russland und anderen Staaten des früheren Ostblocks in den vermeintlich goldenen Westen nachzeichnet. Und zwar so authentisch und überzeugend, wie dieses sowieso oft verschwiegene Problem noch nie dargestellt wurde. Das ist zugegebenermaßen keine leichte Kost, öffnet aber die Augen für die ganze Dimension des Unrechts, das unter unser aller Augen stattfindet.

Für viele junge Frauen in Russland ist das Angebot der beiden belgischen Männer verlockend – sie können der Armut und Perspektivlosigkeit in ihrem Land entfliehen und als Tänzerinnen im Westen gutes Geld verdienen. Die Ernüchterung aber folgt schnell, denn die vermeintlichen Impressarios Ray van Mechelen und Mark Camps entpuppen sich als skrupellose Mädchenhändler, die die jungen Frauen als Prostituierte „ausbilden“ und zum Teil an neue „Besitzer“ verkaufen. Wer sich wehrt und Widerstand gegen die rüden Methoden leistet, wird bedroht, eingeschüchtert, brutal misshandelt und muss manchmal sogar mit unmittelbarer Gefahr für sein Leben fürchten. Denn im Geschäft mit dem Sex steht viel auf dem Spiel – und die Verbindungen der Mädchenhändler reichen bis in die obersten Etagen der Polizei.

Die Serie Matrioshki – Mädchenhändler ist derzeit bei RTL Crime zu sehen. Sie wäre aber aufgrund ihrer gesellschaftlichen Brisanz und ihres schonungslosen Blickes auf die Ausbeutungsmechanismen der Sexindustrie bei einem Sender wie dem ZDF, der sich um die Krimi-TV-Landschaft verdient gemacht hat, noch besser aufgehoben gewesen. Zumal dort die erreichbare Zielgruppe ungleich höher gewesen wäre als beim Spartenprogramm von RTL. Doch es gibt noch einen weiteren Weg, über den die zum Teil schockierenden Bilder Verbreitung finden – die zehnteilige Serie wird von Amnesty International in Osteuropa als Mittel zur Aufklärung eingesetzt. Keine leichte Kost also und bestimmt nichts für zarte Gemüter. Andererseits kann man sich diesem Thema eigentlich auch nur so und nicht anders annähern.
 

Matrioshki - Mädchenhändler (Staffel 1)

Dass Menschen zur Ware erklärt und dementsprechend behandelt, verkauft, geschmuggelt und ausgebeutet werden, ist keine Erfindung unserer Zeiten, sondern vielmehr ein Problemfeld, dass es seit dem Sklavenhandel gibt. Und selbst die internationale Ächtung der Leibeigenschaft und Sklaverei hat an der Existenz solcher unmenschlichen Abhängigkeitsverhältnisse kaum etwas ändern können.

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