Match Me!

Match Me!

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Vom Suchen und Finden der Liebe

Was in früheren Zeiten etwas verächtlich Heiratsvermittlung genannt wurde, hat sich heute zum "Matchmaking"-Prozess etabliert. Die Suche nach dem einen Partner, der einen möglichst durch das ganze Leben begleitet, treibt die Menschen an, verschiedene Methoden des Datings und des Zusammenfindens auszuprobieren. Lia Jaspers geht in Match Me! einigen der Verkupplungs-Konzepten nach – jenseits von Dating-Seiten und Flirt-Apps auf direktem, zwischenmenschlichem Weg.
Drei Menschen betrachtet Jaspers näher. Drei Menschen, denen zum Lebensglück ein Partner fehlt, drei Menschen mit ganz verschiedenen Herangehensweisen an dieses Problem. Da ist Johanna aus München, die in Irland ein Matchmaking-Festival besucht, nachdem ihr Freund sie verlassen hat. Wenn es im Pub nicht klappt, hat sie immer noch die schönen Landschaftsaufnahmen, die sie mit Foto und Video aufnimmt ... Es ist für sie ein kleines Experiment, sozusagen mit Ankündigung geht es schief: Der Vermittler hat zwar ein dickes, uraltes Matchmaking-Buch noch aus Vaters und Großvaters Zeiten – das Verkuppeln läuft aber eher auf eine simple Pub-Party hinaus.

In Helsinki versucht es Sampsa mit der Matchmaking Agency – deren beiden Inhaber einen ganz spielerischen Umgang mit ihren Klienten haben. Sie sehen ihren Service eher als eine Theaterperformance mit den Kunden als Darsteller in einem Spiel, bei dem am Ende vielleicht etwas für die Wirklichkeit herausspringt. Dementsprechend in Seekapitänstracht gekleidet, weisen sie ihre Herren und Damen ein: Zur Blind Party – alle mit verbundenen Augen – oder zum Delinquent Date – die ausgewählten, gematchten Paare sollen beim Rendezvous Regeln brechen. In Sampsas Fall ist das ein tiefer Kuss in der Öffentlichkeit und das Spazierengehen auf dem zugefrorenen Fluss. Das "Das Leben der anderen"-Treffen verlangt, in der Kneipe anderen hinterzuspionieren; und beim Psychic-Café-Date muss man auf Aufforderung exakt sagen, was man gerade denkt. Es sind einfache Psychospielchen, denen Sampsa mit verschiedenen Kandidatinnen ausgesetzt ist; kleine Gags, nette Kennenlern-Manipulationen und am Ende steht eine gefakte Massenhochzeit, komplett mit Rosensträußen und Reiswürfen.

Sarah aus Wien wiederum geht einen alles andere als spielerischen Weg. Sie lässt sich von ihrer Yoga-Community vermitteln, eine arrangierte Hochzeit mit einem, der ihr bisher völlig unbekannt war – ein wirklich radikales Konzept, das jenseits von aktiver Suche bedeutet, sich von einem Yoga-Komitee einen Partner zuschanzen zu lassen. Die richtigen Vibrationen werden es schon richten, und schließlich: Es kommt nicht auf die erste Betrachtung des Äußeren an, sondern auf das Innere, das andere vielleicht viel besser beurteilen können. So gerät Sarah an Jonas aus Litauen, dem sie sich auch völlig ergibt – er ist ein junger, lockerer Typ und streng spirituell, lebt in einer Ashram-WG und Sarah wird ihm zur treuen Frau. Wie sie verliebt von ihm schwärmt in ihrem Voice-Over-Kommentar; und wie die Bilder von ihrer mürrischen Genervtheit im fremden Land eine ganz andere Sprache sprechen: In dieser Episode kommt Jaspers dem Aufeinandertreffen von Wunsch und Wirklichkeit, der Macht der Seele und dem Willen, der Glück vielleicht auch erzwingen kann, ganz nahe.

Jaspers hat ihre drei Protagonisten über eineinhalb Jahre mit kleinem Team in sieben Ländern Europas begleitet, immer bereit dafür, dass sich etwas Neues ergibt, denn die Liebe kann ebenso plötzlich zuschlagen wie sie wieder verschwinden kann. Großes Vertrauen muss sie bei ihren Protagonisten aufgebaut haben, dass diese sich so lange von der Kamera begleiten ließen in durchaus intimen Phasen von Liebesleid und Liebesglück. Es hat sich ausgezahlt: Match Me! ist das weitgefasste Porträt eines seit Äonen immergleichen Ablaufs zwischen Menschen, der doch immer wieder ganz neu ist – und es ist sehenswert auch für diejenigen, die ihre Lebenspartner schon glücklich gefunden haben.

Die neue Liebe, die ein neues Leben ermöglichen soll: Sie ist nicht so einfach zu erlangen – oder vielleicht doch? Johanna trifft in einem Club einen Bekannten, den sie nun näher kennenlernt, in den sie sich richtig verliebt. Zusammenziehen – das vielleicht noch nicht. Aber immerhin hat er als eingetragener Besucher in ihrem Wohnheim in Paris einen Schlafplatz bei ihr ... Sampsa hat nach dem Agency-Erlebnis immerhin drei Frauen zur Auswahl, mit denen er sich wiedertreffen würde. Und Sarah hat geheiratet, am litauischen Strand bei schönstem Sonnenschein – vielleicht muss sie sich noch mit Jonas zusammenraufen, aber vielleicht führt nur der Kampf zum Liebesspiel?

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Was in früheren Zeiten etwas verächtlich Heiratsvermittlung genannt wurde, hat sich heute zum "Matchmaking"-Prozess etabliert. Die Suche nach dem einen Partner, der einen möglichst durch das ganze Leben begleitet, treibt die Menschen an, verschiedene Methoden des Datings und des Zusammenfindens auszuprobieren.
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