Masks

Masks

Eine Filmkritik von Lida Bach

Morbide Maskerade

Die neue Schülerin am Matteusz-Gdula-Institut ist ein Star. Bisher jedoch nur nach ihrem Namen. Beruflich könnte Stella (Susen Ermich) kaum weiter entfernt sein von ihrem Ziel. Der Traum von strahlendem Ruhm wurde der Schauspielaspirantin quasi mit dem Namen in die Wiege gelegt. Anders verhält es sich mit künstlerischem Talent. Dieses soll der Aufenthalt an der abgelegenen Schule hervorlocken, wo Gdulas eigenwilliger Unterrichtsstil einst einer Gruppe Schüler und ihm selbst den Tod brachte. Doch seine Lehre lebt weiter in dem düsteren Gemäuer, munkeln die Mitschüler. Deren Konkurrenz treibt Stella zu den speziellen Privatklassen. Wenn es auch Wahnsinn ist, hat es doch Methode. Die soll Stellas Talent befreien: im Rausch von Grauen und Schmerz.
Grauen und Schmerz verkörpern nur zwei der emotionalen Facetten, die in Andreas Marschalls Masks schillern. Ebenso heftig und manchmal noch furchtbarer sind Missgunst und Grausamkeit, die in den physisch und psychisch qualvollen Schauspiellektionen ergründet werden. Vor allem letztere zeigt sich in besonders verstörender Form in Stellas Unbarmherzigkeit gegenüber sich selbst. Dass die junge Protagonistin der barocken Horroroper alles erträgt für ein immer nichtiger und eitler erscheinendes Ziel ist beunruhigender als die kaltherzige Unterrichts-Methodik. Sie soll die geistige Aufnahmefähigkeit der Schüler durch Psychopharmaka und die Körperwahrnehmung durch Verletzungen steigern. Das Lehrkonzept, das dem Anschein nach Empfindungen intensivieren soll, bezweckt tatsächlich das Gegenteil. Erst ein völliges Abstumpfen der eigenen Gefühle schafft genügend Raum für die künstlichen, der Verlust der eigenen Persönlichkeit macht den Darsteller zur idealen Projektionsfläche für eine fiktionale.

Hysterie und Apathie interpretiert der Regisseur und Drehbuchautor in seinem grand-guinolesken Werk als zwei Seiten einer Medaille. Eine Mitschülerin Stellas und ihrer scheuen Gefährtin Cecile (Julita Witt) flieht aus der Schule, während die Hauptfigur dort eintrifft. Die Szene gibt eine Kostprobe des perfiden Humors. Die Tat ist doppelt nutzlos, denn sie schreckt weder Stella von ihrem Plan ab, noch rettet sie das Mädchen, das einem behandschuhten Killer ins offene Messer läuft. Dem mörderischen Unbekannten kommt Stella umso näher, desto tiefer sie in die verwinkelten Gänge des Gebäudes und dessen dunkles Geheimnis vordringt. So grell und vertraut wie das Szenario klingt, ist es auch. Zumindest für die Fans des Giallo, für die der stilisierte Vorspann, die hochdramatische Farbpalette von Blutrot, Nachtschwarz und bleicher Mädchenhaut genauso cineastische Codes sind wie die düster-theatralische Kulisse und die reißerischen Requisiten: eine blitzende Klinge, dunkle Handschuhe und monströse Gesichtsmasken.

Die Handlung erinnert an eine Neuimagination von Suspiria des Kult-Regisseurs Dario Argento, dem Masks neben Mario Bava, Lucio Fulci huldigt und an die Sensationskrimis der 60er. „Die Giallos der Siebziger waren immer ein bisschen wie Träume“, bemerkte Marschall. Getreu dieser Tradition entfaltet sein eigenes Werk in den gelungeneren Szenen bisweilen den Sog eines Alptraums. Hinter den exzessiven Schockmomenten lauert eine psychologische Ebene, die sich mit Sadismus und der unscharfen Grenze zwischen Schauspiel und Wirklichkeit beschäftigt.

Die Verknüpfung von ästhetisch stilisierter Hommage und eigenständiger Geschichte gelang zu Beginn des Kinojahres bereits Helene Cattets und Bruno Forzanis Amer. Mit dem faszinierenden Bilderrausch der modernen Genre-Wiederbelebung kann Marschalls Maskenball nicht mithalten. Einen Besuch lohnt das makabere Morde-Zelebrieren dennoch.

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Die neue Schülerin am Matteusz-Gdula-Institut ist ein Star. Bisher jedoch nur nach ihrem Namen. Beruflich könnte Stella (Susen Ermich) kaum weiter entfernt sein von ihrem Ziel. Der Traum von strahlendem Ruhm wurde der Schauspielaspirantin quasi mit dem Namen in die Wiege gelegt. Anders verhält es sich mit künstlerischem Talent.
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