Mary Poppins (Blu-ray)

Mary Poppins (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Martin Beck

Superkallifragelistikexpialigetisch

Zuerst die Vorgeschichte zu Mary Poppins, Saving Mr. Banks, und nun der Film selber – ein inzwischen 50 Jahre alter Musical-Klassiker, der gemeinhin als einer der Meilensteine von Walt Disney gilt. Oder zumindest all das repräsentiert, was der Name „Disney“ für Assoziationen auslöst: adrette Kinder, gestrenge Eltern, eine hoffnungslos altbackene Geschichte, knuffige Tiere, klebrige Ohrwürmer und dieser unnachahmliche Ohrensessel-Charme, der wiederum die Assoziation eines angegrabbelten Märchenbuchs vor einem knisternden Kamin erzeugt.
Mary Poppins war in seinem Erscheinungsjahr, 1964, ein großer Kritiker- und Publikumserfolg, brachte einige Oscars nach Hause und ist heutzutage vor allem Leuten zu empfehlen, deren Weltbild aus primärfarbigen Regenbögen besteht. Es gibt hier keinen Bösewicht, wirkliche Gefahr gibt es ebenfalls nicht und die dünne Geschichte, die eine zauberhafte Nanny (Julie Andrews) zu der unglücklichen Familie eines kaltherzigen Bankers (David Tomlinson) einfliegen lässt, hat alle Zeit der Welt für puschelige Tralala-Songs. Mit Titeln wie A Spoonful of Sugar oder Chim Chim Cher-ee, die so dermaßen herzallerliebt einen auf Familie machen, dass sie als einer der Hauptgründe für die Entstehung des New-Hollywood-Kinos gelten können.

Nein, Mary Poppins ist wirklich nichts für Zyniker, sondern zielt mit seiner gnadenlos heilen Welt stramm auf all diejenigen, die dem zeitlosen Wunsch nach „guter Unterhaltung“ nachhecheln. Und sich dabei nur allzu gerne fangen lassen von einer in sich tatsächlich wunderbaren Welt, die Dick Van Dyke mit Pinguinen tanzen lässt, in Julie Andrews eine wahrlich gewinnende Entertainerin aufbietet und ansonsten eine mindestens charmante Mischung aus Gags, Zauberei, rumpeligen Effekten, jubilierender Musik, positiven Botschaften und stereotypen Charakteren anrührt. Bei Mary Poppins erwartet man nichts Neues, sondern ausschließlich Altes in süßer Verpackung. Also eigentlich genau das, was auch Weihnachten, Das Traumschiff und Abba-Revival-Shows ausmachen.

Was sich schlimmer liest als es tatsächlich ist, und zumindest an einem verregneten Sonntag Nachmittag, mit mindestens einem klar minderjährigen Kind, auch viel Spaß bereiten kann. Das Schöne an Mary Poppins ist nämlich, dass man sich ohne Probleme auf diese komische künstliche Märchenwelt des Films einlassen kann und dann eigentlich schon mitpfeift. Disney hat es immerhin geschafft, seiner Vorstellung eines großen Familienfilms viel Fantasie und Lebensfreude beizumengen, und erzeugte dabei über die konsequent verweigerte Hinzugabe irgendwelcher Trends einen zeitlosen Evergreen. Mary Poppins mag man einfach, selbst wenn die einzelnen Zutaten des Films normalerweise eine glühende Kneifzange erfordern.

In Amerika kam die Blu-ray des Films kurz vor Weihnachten raus, was natürlich der perfekte Termin dafür ist, doch bei uns muss der Februar herhalten – immerhin in Reichweite des Kinostarts von Saving Mr. Banks. Wie von Disney nicht anders zu erwarten, erstrahlt der Film in spektakulären Farben, der Ton schafft auf bemerkenswerte Weise den Spagat zwischen altersgetreu und Heimkino, und die Extras –die zu einem Großteil von der US-Veröffentlichung übernommen wurden- können aus dem offensichtlich exzellent geführten Archiv der Produktionsfirma schöpfen. Ein ausführliches Making-Of, Mary Poppins am Broadway, ein „Deleted Song“, Aufnahmen von der Premiere, Dekonstruktionen zweiter Szenen und und und. Genau so und nicht anders sehen Blu-rays aus, die nochmal 50 Jahre überleben wollen!

Mary Poppins (Blu-ray)

Zuerst die Vorgeschichte zu „Mary Poppins“, „Saving Mr. Banks“, und nun der Film selber – ein inzwischen 50 Jahre alter Musical-Klassiker, der gemeinhin als einer der Meilensteine von Walt Disney gilt. Oder zumindest all das repräsentiert, was der Name „Disney“ für Assoziationen auslöst: adrette Kinder, gestrenge Eltern, eine hoffnungslos altbackene Geschichte, knuffige Tiere, klebrige Ohrwürmer und dieser unnachahmliche Ohrensessel-Charme, der wiederum die Assoziation eines angegrabbelten Märchenbuchs vor einem knisternden Kamin erzeugt.
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