Die sagenhaften Vier (2018)

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Der Hund mit der Paintball-Pistole fährt wahnsinnig gerne Auto; und auch sonst sind die Bremer Stadtmusikanten hier kaum wiederzuerkennen.

Die sagenhaften Vier (2018)

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Die Geheimagenten von Drabville

Das Örtchen Drabville in East Bumblesnore ist, die Namen machen es schon deutlich, jetzt nicht gerade der Hort großstädtischer Betriebsamkeit – und so ist die Aufregung groß, als die verstreut und entlegen rund um das Dorf liegenden Häuschen eins nach dem anderen von Dieben heimgesucht werden. Eigentlich ein Fall für Marnie, die Geheimagentin! Wäre sie nicht völlig ausgelastet mit „Schlafen, Essen, Fernsehen“.

Marnie (gesprochen von Alexandra Neldel) ist eine Katze, in Farbe und Tagesablauf wäre sie Garfield nicht einmal unähnlich, aber sie hat nun einmal ein großes Faible für diese TV-Serie um eine Geheimagentin; ihren Traumberuf lebt sie mit allerlei Spielzeug-Agentenkram (lila Plastikperiskop, Sofortbildkamera und derlei mehr) auch im Häuschen ihrer Besitzerin Rosalinde (Gabi Franke) aus. Rosalinde wiederum lässt sie gewähren, so lange die Katze das Haus nicht verlässt – und versorgt sie dafür regelmäßig mit Kuchen, den Marnie mit besten Tischmanieren verspeist.

Die Brüder Christoph und Wolfgang Lauenstein haben für Die sagenhaften Vier eine eigentümliche Welt erschaffen, in der Tiere (nicht nur Marnie) zwar selbstverständlich auf zwei Beinen herumlaufen und mit Gegenständen (Kameras, Autos, Pistolen gar) hantieren, es aber so scheint, als erscheine das den Menschen nicht wirklich als außergewöhnlich; verbale Kommunikation zwischen Mensch und Tier findet jedenfalls nicht statt, zwischen den Tierarten hingegen wohl. Denn bald schon findet sich Marnie mit dem ängstlichen Wachhund Elvis (Axel Prahl), dem an Hühnern desinteressierten Hahn Eggbert (Santiago Ziesmer) und einem (angeblich) aus dem Zirkus entlaufenen Zebra (Erik Borner) erst zu einer Zwangs- und Bedarfsgemeinschaft verbunden und dann von der Polizei als vermeintliche Diebesbande gejagt. Ein ahnungsloser Tropf, wer da nicht an die Bremer Stadtmusikanten denkt. Es fällt sogar der Satz: „Etwas Besseres als den Tod finde ich überall“.

Von Bremen freilich ist keine Rede; zwar sind in dieser Welt die Leitpfosten am Straßenrand so deutsch anmutend wie das Posthorn (schwarz auf gelb, ein Signal aus vergangenen Zeiten) auf dem Fahrrad des Postboten. Ansonsten ist alles brav für den internationalen Markt in Englisch beschriftet. Die Gebrüder Lauenstein, die 1990 für einen kurzen Moment mit ihrem brillanten Kurzfilm Balance im Glitzerlicht der Oscar-Verleihung standen, haben mit ihrer deutsch-belgisch-indischen Koproduktion klar den internationalen Markt im Blick. Das war schon bei Luis und die Aliens so, in dem sie im vergangenen Jahr eine keineswegs perfekte und ziemlich überdrehte, aber durchaus unterhaltsame Science-Fiction-Komödie für Kinder in die Welt warfen.

Die sagenhaften Vier ist in Tempo und Humor dem Vorläuferfilm in vielem ähnlich – mit vielen kleinen Anspielungen auf Populärkultur und andere Themen (einmal wird sogar die berühmte Flugzeugszene aus Hitchcocks Der unsichtbare Dritte kurz zitiert), mit sympathischen, aber sehr seltsamen Figuren (hier die Titelfiguren, dort die überraschend zahlreichen Aliens) und Actionszenen, deren physikalische Gesetzmäßigkeiten sich eher den Möglichkeiten des Animationsfilms verdanken als realer Welterfahrung. Aber das ist ja alles kein Problem.

Zu einem ganz stimmigen Ganzen will sich der Film aber dennoch nicht fügen. Dafür ist die Handlung zum Teil viel zu weit hergeholt, vor allem aber bleiben fast alle Figuren eindimensional. Das ist für die Dauer der 83 Minuten unterhaltsam genug, auch wenn es die eine oder andere Volte zum Ende hin womöglich nicht mehr gebraucht hätte; aber weder Figuren noch Geschichte bleiben danach besonders im Gedächtnis hängen. Das ist schade, denn zwischendrin finden sich kleine Andeutungen darauf, dass noch so viel mehr möglich wäre. Denn der Wahlspruch des Films ist eigentlich nicht, was Marnie am Anfang äußert: „Ich kenne die Welt sehr genau. Ich habe alles im Fernsehen gesehen.“

Die sagenhaften Vier (2018)

Marnie, eine verfressene pummelige Katze, hat das perfekte Leben. Es fehlt ihr an nichts und sie wird wie eine Prinzessin behandelt. Doch ihr Alltag besteht nur noch aus Schlafen und Fressen und das kann so nicht weitergehen. Gemeinsam mit ihren Freunden, einem Esel, einem Hund und einem Hahn macht sie sich auf die Suche nach Abenteuern. "Marnies Welt" ist inspiriert durch "Die Bremer Stadtmusikanten" der Gebrüder Grimm.

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