Maria voll der Gnade - Maria Full of Grace

Maria voll der Gnade - Maria Full of Grace

Erschreckende Chronik einer Reise ins Glück

Was beim ersten flüchtigen Blick auf den Titel als ein religiöses Erbauungsdrama erscheint, ist in Wahrheit nichts anderes als eine moderne Passionsgeschichte, von der man immer wieder fast beiläufig in der Zeitung liest: „Drogenkurier aus Kolumbien mit Kokspäckchen im Bauch gefasst“. Zwar betont der Regisseur Joshua Marston, dass der genaue Fall seines Filmes nicht authentisch ist, und doch ist er die verdichtete Geschichte eines solchen weiblichen Drogenkuriers, wie sie sich jede Woche hundertfach irgendwo auf der Welt abspielen könnte.

Im Zentrum des Interesses steht die 17jährige Maria (Catalina Sandino Moreno), die auf einer Rosenplantage schuftet und das gesamte Geld ihrer Familie geben muss. Als sie von ihrem Freund Juan (Wilson Guerrero), der sie nicht liebt, schwanger wird, wird ihr das Leben auf dem Land in bedrückender Armut zu eng und klein und sie will nichts wie weg. Nach einem Streit mit einem der gestrengen Aufseher kündigt sie ihre Stelle, steht auf der Straße und hat keine Ahnung, wie es nun weitergehen soll. Da trifft es sich gut, dass sie auf den charmanten und eloquenten Franklin (Jhon Alex Toro) trifft, der sie auf dem Motorrad mit nach Bogotá nimmt und ihr einen Job besorgt. Leicht verdientes Geld, wie er nicht müde wird zu behaupten, zudem lukrativ und mit Reisen verbunden. Maria macht sich nicht allzu viele Gedanken, für sie ist das Angebot die Chance ihrem bislang wenig erfreulichen Leben die entscheidende Wendung zu geben. Und so willigt sie ein.

Schnell freundet sie sich mit Lucy (Guilied López) an, die bereits zwei Drogenkuriertouren hinter sich hat und die sich deshalb eine große Wohnung leisten kann. Ernsthaft bereiten sich die beiden Frauen und zwei weitere Kuriere auf die vermeintliche Reise ins Glück vor, und die Bedrohung, die von ihrem neuen Job ausgeht, ist eher beiläufig spürbar. Bei einer ihrer Begegnungen mit dem Boss über das Unternehmen erwähnt ihr Dealer Javier (Jaime Osorio Gómez), ein älterer, beinahe väterlich wirkender Herr, was passiert, wenn die Päckchen ihren Bestimmungsort nicht erreichen – eine kleine Unterhaltung mit Marias Familie würde die Folge sein. Wie diese Unterhaltung ausfallen wird, das kann man sich nur allzu leicht ausmalen. In einer ausnehmend qualvollen Prozedur schluckt Maria die 62 Kokainpäckchen, wobei sie jederzeit damit rechnen muss, dass ein geplatztes Päckchen ausreicht, um ihr den sicheren Tod zu bringen. Überhaupt ist es eine der vielen unbestreitbaren Qualitäten des Films, dass stets eine ganze Menge Unausgesprochenes den filmischen Raum erfüllt, ohne dass es deshalb in Bilder umgesetzt werden müsste. Maria voll der Gnade erzeugt neben einem gewaltigen Sog auch Bilder im Kopf, die einen so schnell nicht mehr los lassen.

Was sich zunächst andeutet, bewahrheitet sich schließlich im Verlauf der Reise, denn tatsächlich geht alles schief, was man sich zuvor lediglich ausmalte: Eines der Mädchen wird bei der Einreise in die USA geschnappt, Lucy geht es zunehmend schlecht, weil anscheinend eines der Päckchen undicht ist und sie schrittweise vergiftet wird und die Männer, die die Kuriere in Empfang nehmen, sind gnadenlos mit den unerfahrenen und naiven Frauen. Maria entschließt sich dazu, ihr Heil in der Flucht nach vorne zu suchen, allein in einem fremden Land…

Selten hat eine Jungschauspielerin in einer ihrer ersten Rollen so überzeugt wie Catalina Sandino Moreno, die aufgrund ihrer außerordentlichen Leistung in Maria voll der Gnade den Sibernen Bären bei der Berlinale 2004 (gemeinsam mit Charlize Theron für ihre Rolle in Monster). Ein weiterer Lohn für die Bravourleistung war die Oscar-Nominierung in diesem Jahr für Moreno als beste Hauptdarstellerin. Und quasi nebenbei errang der Film auch noch den Publikumspreis in Sundance 2004. Eine ganze Reihe hochkarätiger Auszeichnungen also, die allesamt verdient sind. Doch es ist nicht allein die unglaubliche Präsenz der Hauptdarstellerin, die aus diesem Film ein wirkliches Juwel macht, auch die Feinheiten des Drehbuchs und die unaufdringliche und trotzdem unter die Haut gehende Regie von Joshua Marston tun das Ihre dazu.

Maria voll der Gnade - Maria Full of Grace

Was beim ersten flüchtigen Blick auf den Titel als ein religiöses Erbauungsdrama erscheint, ist in Wahrheit nichts anderes als eine moderne Passionsgeschichte, von der man immer wieder fast beiläufig in der Zeitung liest.

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Meinungen
leopard · 28.02.2007

Einer der definitiv besten Filme der letzten Jahre: Anschauen!!

Sybille W. · 20.01.2007

Hallo,

mir hat dieser Film sehr gut gefallen, vor allem war er so nahe an der Realität. Ich habe selbst schon öfter Flugreisen unternommen und fand die Kontrollen immer lästig und übertrieben. Nun ist mir klar geworden, warum es so wichtig ist, stichprobenartige Leibesvisitationen auch ohne Verdachtsmomente durch zu führen. Nur so kann der Drogenschmuggel erschwert werden. Sehe unauffällig und solide aus, bin 23 Jahre alt, meist alleinreisend und nicht vorbestraft. Trotzdem kam ich letztes Jahr bei der Ankunft in München in diese unangenehme Situation, von einer Beamtin zur Kontrolle abgeführt zu werden. Sie ließ mich komplett strippen! Dieser Film zeigt jedoch die Notwendigkeit solcher Maßnahmen.

· 25.04.2005

Dieser Film spiegelt die traurige Wahrheit von Menschen am Rande des Existenzminimums und deren Kampf ums nackte Überleben eindrucksvoll wieder.

· 22.04.2005

Ein Film, der dem üblichen Hollywoodgraus zur Thematik Drogen und den damit verbundenen stereotypen Lateinamerikabildern, eine eindringliche Erzählung entgegensetzt.

· 22.04.2005

Sehr realistischer, spannender und tragischer Film, der die traurige Realität hoffnungsloser und am Rande der Gesellschaft lebender Südamerikaner wiederspiegelt!

Filmfan · 18.04.2005

Ohne viel Hollywood-Tamtam eine gradlinige Geschichte mit beeindruckenden Schauspielern. Schlicht und beeindruckend.

Kommentare

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