Maria an Callas

Maria an Callas

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das Liebesrauschen der Bandbreiten

Ja ja, das kommt davon, wenn Senioren ans Netz dürfen. Nach dem Tod seiner Ehefrau Maria entdeckt der freundlich-knurrige Designer Jost (Götz George), dass diese eine virtuelle Brieffreundin hatte. Dieser Frau namens Anni (Claudia Michelsen) gaukelte sie nicht nur eine falsche Identität vor – nämlich seine -, sondern verlor auch kein Wort über ihre Krebserkrankung, der sie schließlich erlag. Stattdessen herrschte eitel virtueller Sonnenschein bis zum bitteren Ende, begleitet von Arien der Diva Maria Callas, die die beiden Frauen zutiefst verehren. Jost ist fassungslos, als er diese Entdeckung macht. Im Nachhinein offenbart sich ihm, dass seine Frau Geheimnisse vor ihm hatte.
Klar, dass Jost nun auch neugierig geworden ist auf das Gegenüber seiner Frau am anderen Ende der Breitband-Leitung. Ohne seine wirkliche Identität zu offenbaren, setzt der trauernde Jost den Mailverkehr fort, da er es nicht übers Herz bringt, Anni den Tod seiner Frau mitzuteilen. Doch die Korrespondenz erweckt in dem Trauernden die Lebenslust und die verloren geglaubte Kreativität wieder. Als Anni, laut eigenen Angaben Betreiberin eines Luxushotels am Meer, ihm „aus Versehen“ ein Bild von sich zusendet, ist Josts Neugier geweckt und er setzt alles daran, um die Frau auf dem Bild kennen zu lernen. Auch in Annies Leben ist nicht alles eitel Sonnenschein und schon gar nicht so, wie sie es zuvor beschrieben hat. Das Luxushotel ist nichts weiter als eine Kneipe mit Bowlingbahn, und wie Jost leidet auch Annie unter dem Verlust geliebter Menschen aus der Familie. Jost quartiert sich inkognito bei Anni ein und prompt funkt es gewaltig zwischen den beiden einsamen Seelen.

Was durchaus eine ruhige Charakterstudie über Trauer und Verarbeitung, über die Rückkehr in ein normales Leben nach dem Verlust eines geliebten Menschen hätte werden können, gerät binnen kurzer Zeit in ein gänzlich sentimentales und vorhersehbares Rührstück, das überdies daran krankt, dass etliche Nebenfiguren und –handlungen eröffnet werden, die den Lauf des Hauptplots eher behindern als ergänzen und fördern. Irgendwie fehlt am Schluss nur noch die Werbeeinblendung, die auf die Sponsoren des Filmes (in diesem Fall vermutlich ein Internet-Provider und der Hersteller eines Stärkungstonikums auf pflanzlicher Basis) hinweist. Gut fürs Abendprogramm, eher mau fürs Kino. Oder ist das der viel zitierte Angriff auf die neu zu entdeckende Kino-Zielgruppe „Silver Surfer“? Na dann gute Nacht…

Maria an Callas

Ja ja, das kommt davon, wenn Senioren ans Netz dürfen. Nach dem Tod seiner Ehefrau Maria entdeckt der freundlich-knurrige Designer Jost (Götz George), dass diese eine virtuelle Brieffreundin hatte.
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Meinungen
Thomas · 20.10.2006

Auch wenn unemotionale und überintellektuelle Kritiker den Film als Rührstück disqualifizieren - ich finde, dass er Trauer und den Weg in ein neues Leben herzensnah - und damit im guten Sinne "anrührend" rüberbringt.

Norbert · 23.05.2006

Ich war bei der Premiere in Köln dabei und mir hat der Film gut gefallen.
Hier sieht man Götz George mal in einer ganz anderen Rolle, nicht der "harte Kerl", sondern ein sensibler Mann der um seine verstorbene Frau trauert.

Kommentare

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