Mandy (2018)

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Nicolas Cage als grimmigen Rächer hat man gefühlt in den vergangenen Jahren dutzende Male gesehen. Aber selten so durchgeknallt wie in Panos Cosmatos’ reichlich zugedröhntem Thriller Mandy.

Mandy (2018)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Mann sieht rot

Die Shadow Mountains sind eigentlich ein recht beschaulicher Ort – zumal im Jahre 1983, in dem Panos Cosmatos (Beyond the Black Rainbow) seinen komplett durchgedrehten Horror/-Fantasy- Rachethriller Mandy angesiedelt hat. Dort hat sich der Waldarbeiter Red (Nicolas Cage) gemeinsam mit seiner Frau Mandy (Andrea Riseborough) ein Refugium geschaffen, in dem sie gemeinsam friedlich leben. Bis Mandy auf einem ihrer ausgedehnten Spaziergänge dem Van einer Sekte und dem charismatisch-bekloppten Sektenführer Jeremiah (Linus Roache) begegnet. Er erkennt in ihr seine neue Favoritin und Herzensdame, also überfällt er gemeinsam mit seinen Anhängern das Haus von Red und Mandy – und als sich diese nicht willig zeigt, dem Rufe des Meisters zu folgen, wird sie vor den Augen ihres Mannes verbrannt.

Daraufhin sinnt Red natürlich auf Rache und begibt sich mit einer eben mal fix selbst geschmiedeten futuristisch-biomorphen Axt auf einen Feldzug gegen die Sektenfreaks der Children of the New Dawn, apokalyptische Biker in bedrohlich-bizarrer Montur. Nicht nur bei den religiösen Fanatikern, sondern auch bei Red sind allerdings Drogen im Spiel, daher ufert dieser Einmann- Feldzug ziemlich aus. Etliche Köpfe rollen und es kommt sogar zu einem Schwertkampf mit Kettensägen.

Panos Cosmatos und Nicolas Cage gehen in ihrem Film aufs Ganze und machen keine Gefangenen: Vom ausufernden Gebrauch von Farbfiltern (vorzugsweise blutrot) über den permanent am Anschlag der Hörsturzes balancierenden dröhnenden Score des unlängst viel zu früh verstorbenen Jóhan Jóhansson und einem Figurenensemble, gegen das selbst Charles Manson wie ein Chorknabe aussieht, bis hin zu ausufernden Splattereffekten und einem wie besinnungslos grimassierenden Nicolas Cage ist hier alles reine Hyperbolik, die kein Maß und keine Mitte kennt.

Cage, der vor kurzem ankündigte, seine Karriere nunmehr gemächlich auslaufen zu lassen, stellt in diesem Film wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis, dass er unter den schlechten Schauspielern der beste und unter den guten der schlechteste ist. Wenn er in dem mit einer psychedelischen Blümchentapete ausgestatteten Badezimmer seine Stichwunde behandelt, zwischendrin in großen Zügen die Schnapsfalle leer säuft, damit wild herumfuchtelt und brüllt wie ein Bekloppter, dann ist das ebenso großes Trashkino wie die schnoddrige Entgegnung „Du hast mein Lieblingsshirt ruiniert!“ zu einem der apokalyptischen Biker, der ihn gerade rüde attackiert hat. Immer wieder gibt es Punchlines und Momente, die zum Szenenapplaus förmlich herausfordern. Auf Szenefestivals wie in Sitges wird Mandy sicherlich zu Begeisterungsstürmen führen, wenn selbst an der Croisette manchem Cineasten die sonst so noble Contenance schwerfiel.

Allerdings lässt sich der Film auch reichlich Zeit, bis es endlich mal zur Sache geht. Fast eine geschlagene Stunde widmet sich Panos Cosmatos seiner zerdehnten Exposition und diversen Farbspielereien sowie Soundexperimenten und fängt dann erst an, langsam immer heftiger frei zu drehen. Dass die Geschichte dabei recht überschaubar ist und die Charaktere samt und sonders eher Karikaturen gleichen – geschenkt. Viel schöner sind die zahlreichen Referenzen und Querverweise, die vor allem aus dem Bereich der Popkultur kommen und von King Crimson bis zu 1980er Jahre Heavy Metal reicht und zudem ausgiebig dem literarisch eher fragwürdigen Feld der billigen Fantasy-Bücher und dazu passenden Bildmotive frönen, die Reds Frau mit viel Detailversessenheit aufs Papier bringt. Immer wieder gelingen Panos Cosmatos in seinem Film Bilder, bei denen man zweimal hinschauen muss, ob es sich dabei um reale Aufnahmen oder kitschige Illustrationen handelt – sie gehören zu den Highlights eines Filmes, an dem man sich teilweise nicht sattsehen kann, weil er sich zumindest in der ersten Hälfte Zeit nimmt, in Farben, Formen und Bewegungen zu schwelgen – und das in einer aufreizenden Langsamkeit, die den brachialen weiteren Verlauf als einen umso härteren Kontrast erscheinen lässt.

Mandy (2018)

Nach dem gewaltsamen Tod seiner über alles Geliebten ist Red Miller ein gebrochener und verzweifelter Mann, der nur noch eines im Sinne hat: Rache. Und zu diesem Zweck macht er sich auf, um die Sekte rund um deren Anführer Jeremiah Sand zu suche, die Schuld sind am Tod von Mandy Bllom.

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