Man for a Day

Man for a Day

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wann ist man/frau ein Mann?

Sind es wirklich vor allem die Geschlechtsmerkmale, die unsere geschlechtliche Identität festlegen? Sind es die Gene, die Hormone, ist es die Erziehung, die uns zu Männern oder Frauen macht? Die amerikanische Gender-Aktivistin und Performance-Künstlerin Diane Torr spürt diesen Fragen seit vielen Jahren nach und versucht die Annäherung an die Geschlechterrollen auf ihre ganz eigene und spezielle Weise. In Workshops bringt sie bei, was ein Mann ist, wie er sich bewegt, verhält und welche Gesten er übernimmt. Die Filmemacherin Katarina Peters (Am seidenen Faden), seit vielen Jahren mit Torr befreundet, hat einen dieser Workshops in Berlin mit der Kamera begleitet.
Es sei nicht ihr Ziel, so gibt Diane Torr gleich zu Beginn des Workshops bekannt, aus Frauen Männer zu machen, sondern deren Verhaltensmöglichkeiten, deren Spektrum des Agierens zu erweitern. Weil sie Identität (und damit auch Geschlechtsidentität) nicht als etwas Natürliches, sondern als artifizielles Konstrukt begreift, stehen die „männlichen“ Verhaltensweisen zumindest rein theoretisch auch den Frauen zur Verfügung. In der einwöchigen Veranstaltung, an der fünf Frauen unterschiedlicher Herkunft teilnehmen, geht es vor allem darum, den Schritt von der Theorie in die Praxis zu tun.

Die Motivationen für diese Selbsterfahrung sind höchst verschieden: Da ist beispielsweise Susanna, die bei etlichen Miss-Wahlen schon einige Titel eingeheimst hat – zum Beispiel als Miss Spreewald, Miss Uckermark und Miss Havelland. Als sie bei einer Miss-Wahl gefragt wurde, in welche Rolle sie gerne mal für einen Tag schlüpfen würde, ging ihr die Antwort „in die eines Mannes“ schnell von den Lippen. Und genau deshalb steht sie nun in weiten HipHop-Klamotten in dem Seminarraum. Die Mode-Designerin Tal hingegen ist zumindest rein äußerlich das Gegenteil von Susanna und wurde schon früher von ihrer Umwelt häufig als „männlich“ wahrgenommen- dabei sei sie in Wirklichkeit eine „Sissy“, also ein echtes Weichei. Eva-Maria, die aus München stammt, ist Politik-Beraterin und bewegt sich damit in einer überwiegend von Männern dominierten Welt. Theresa ist die mittlerweile alleinerziehende Mutter dreier Söhne, nachdem ihr Mann sich während des Baus des gemeinsamen Hauses „verabschiedet“ hat. Ihr geht es vor allem um ein Männerbild, dass sie ihren Söhnen vermitteln könnte. Und schließlich ist da noch Rosa Maria, die wegen gewalttätiger Partner schon zweimal im Frauenhaus war und die sich mit der Macho-Kultur bestens auskennt.

Die ersten Schritte zum Dasein als Mann geschehen über die Auswahl der Klamotten und die Wahl eines Typs, den die Frauen dann auch auf der Straße und ohne den Schutz des Workshops als geschlossenen Raum praktizieren müssen. Ermutigt und unterstützt von Torr, die Ende der 1980er Jahre ihre Erfahrungen als DragKing (also als Frau, die sich als Mann verkleidet)machte, begleitet Man for a Day die Teilnehmerinnen auf ihrem Weg und sorgt dabei vor allem durch Torrs Einblicke in das ganz normale männliche Verhalten immer wieder für Aha-Erlebnisse.

Dank der geschickten Auswahl der Protagonistinnen und des unglaublichen Charismas von Diane Torr bietet Man for Day trotz mancher Längen (vor allem gegen Ende) und der Beschränkungen auf Interviewsequenzen und den Bühnenraum des Seminarraums einigen Spaß. Am Ende sind dennoch nicht alle Teilnehmerinnen so ganz überzeugt davon, dass man(n) es wirklich leichter hat: Mann zu sein kann für einen Tag oder eine Woche vielleicht ganz erhellend sein, es aber ein Leben lang sein zu müssen, das kommt für die meisten Teilnehmerinnen dann doch nicht in Frage. Immerhin wissen sie nun aber, wie es sich anfühlt – zumindest mehr oder weniger.

Man for a Day

Sind es wirklich vor allem die Geschlechtsmerkmale, die unsere geschlechtliche Identität festlegen? Sind es die Gene, die Hormone, ist es die Erziehung, die uns zu Männern oder Frauen macht? Die amerikanische Gender-Aktivistin und Performance-Künstlerin Diane Torr spürt diesen Fragen seit vielen Jahren nach und versucht die Annäherung an die Geschlechterrollen auf ihre ganz eigene und spezielle Weise.
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