Maggie (2018)

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Yi Okseops „Maggie“ ist ziemlich überwältigend in seiner abgedrehten Formvielfalt. Wie ein südkoreanischer „Die fabelhafte Welt der Amélie“, nur weniger süßlich.

Maggie (2018)

Eine Filmkritik von Katrin Doerksen

Manche glauben’s und manche nicht

„Wenn wir in eine Grube fallen, sollten wir nicht tiefer graben, sondern schnell rausklettern.“ Dieses Sprichwort will eine der Figuren in „Maggie“ unbedingt unterbringen, wenn sie ihren nächsten Werbespot dreht. „Selbst, wenn es nicht richtig passt,“ sagt sie. Das scheint auch die Philosophie der Regisseurin Yi Okseop zu sein, als Titelheldin deren Langfilmdebüts sich ein sprunghafter Wels entpuppt. „Maggie“ ist bunt und vollgestopft mit aberwitzigen Ideen, eine absurder als die andere und nicht alle passen so richtig zusammen. Aber das ist positiv gemeint. Der Film erinnert an einen koreanischen „Die wunderbare Welt der Amélie“, nur weniger süßlich.

Das beginnt schon auf der reinen Handlungsebene. Yi Okseop erzählt ihren Film in episodischer Struktur, springt wild zwischen den Figuren und Zeitebenen hin und her. Aber alles beginnt mit einem Privatkrankenhaus, in dem unter der Belegschaft ein skandalöses Röntgenbild auftaucht. Niemand will es gewesen sein, aber am nächsten Tag erscheint seltsamerweise niemand zur Arbeit außer der Chefärztin (Moon Sori) und einer jungen Krankenschwester (Lee Jooyoung), die eigentlich beabsichtigte zu kündigen, weil auch sie sich und ihren Freund auf dem Röntgenbild zu erkennen glaubt. In den folgenden anderthalb Stunden geht es unter anderem um ihre Beziehung zu diesem Freund, um die Suche des Freundes nach einem verlorenen Ring, um den titelgebenden Fisch, der Erschütterungen in der Erde im voraus wahrnehmen kann und um Sinklöcher, die plötzlich überall in Südkorea auftauchen.

„Egal was du sagst“, lautet noch so ein Schlüsselsatz aus dem Mund der Chefärztin, aus dem man die Regisseurin selbst zu sprechen hören scheint, „manche werden dir glauben und manche nicht.“ Die Erzählinstanzen vermischen sich häufig in Maggie, die Stimme der Erzählerin aus dem Off und die der Filmemacherin, die ihr Werk transparent erscheinen lässt, wenn sie etwa einzelne Sequenzen leicht variiert wiederholt und dabei über Imagination und Realität reflektiert. Oder wenn die Figuren beginnen, den Film zu kommentieren. Als der Freund der Krankenschwester partout seinen Ring nicht finden kann, flammt dieser als geheimnisvoll glühendes Hologramm an der Stelle des Mondes am Himmel auf. Er korrigiert brummelig: „Er war aus Weißgold,“ und erinnert dabei auch in seiner gedrungenen Körperhaltung an Daffy Duck aus dem 1953er Meta-Cartoon Duck Amuck.

Maggie ist überwältigend in seiner Formenvielfalt, müsste man aber ein durchgängiges Thema des Films herausgreifen, ist er wohl am ehesten eine Komödie über Arbeitsverhältnisse, über die Vermischung und das Ineinandergreifen von Arbeits- und Privatleben. Über Körper, die gezwungen werden, in Bewegung zu bleiben, auch wenn sie sich nichts sehnlicher wünschen als das Gegenteil. Die Sinklöcher zum Beispiel sind im Südkorea des Films kein Grund zur Panik, ja, nicht einmal zu Verwunderung. Gelegentliche Luftbilder der Stadt zeigen uns, wie die Autos einfach um sie herum kurven, mehr als ein kleines Ärgernis in der Rushhour sind sie nicht. Dafür setzen sie Tunichtgute wie den Freund der Krankenschwester in Lohn und Brot, die fortan mit Warnleuchten vor den Löchern herumtanzen, obwohl die ohnehin doppelt und dreifach abgesperrt sind. Aber nur wer arbeitet, kann auch produktiver, wertvoller Teil der Gesellschaft sein, wie unsinnig seine Arbeit auch immer ist.

Maggie (2018)

Wer ist das Paar, das auf einer merkwürdigen Röntgenaufnahme gemeinsam festgehalten wurde? Eine Krankenschwester denkt, dass sie und ihr Freund es sind und beschließt daraufhin, ihren Job zu kündigen. Doch schon am nächsten Tag ist alles anders in dem Krankenhaus, in dem sie arbeitet. Denn außer ihr und einem leitenden Arzt ist niemand mehr hier.

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