Made in France - Im Namen des Terrors

Made in France - Im Namen des Terrors

Im Herzen einer Terrorzelle

Es gibt Filme, die werden ganz einfach von der Wirklichkeit überholt. Genau das geschah mit Nicolas Boukhriefs Made in France, der nach enormen Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Finanzierung für die Produktion die Ungunst der Stunde zu spüren bekam, als 2015 die Anschläge vom 13. November die französische Hauptstadt erschütterten. Unter der Wucht der Explosionen und des seitdem herrschenden Ausnahmezustands wurde der eigentlich fest terminierte Kinostart verschoben und schließlich ganz abgesagt - wohl auch aus Angst vor Reaktionen seitens fundamentalistischer Islamisten. Umso mehr lohnt ein genauer Blick auf den Film, der tief in die Szene von Hasspredigern und sich radikalisierenden Muslimen in den Vorstädten der französischen Metropole hineintaucht.
Der Journalist Sam (Malik Zidi) plant eine Undercover-Reportage über eine illegale Moschee in der Banlieue, in der ein fanatischer Imam seinen Gefolgsleuten tagtäglich von der Verderbtheit des Westens und der Notwendigkeit eines "Heiligen Kriegs" predigt. Noch ist die kleine Gruppe, die sich aus Flüchtlingen, Männern mit nordafrikanischen Wurzeln und französischen Konvertiten zusammensetzt, ziellos in ihrem Hass und ihrer Wut auf die Gesellschaft, in der sie leben. Doch dann taucht plötzlich Hassan (Dmitri Storoge) auf, der angeblich in Pakistan im Trainingscamp war und nun endlich konkrete Anschlagspläne mitbringt, die ihm seine Vorgesetzten befohlen haben sollen. Zu diesem Zweck muss sich die Gruppe erstmal Waffen besorgen und gerät dabei prompt mit einem Waffenhändler aneinander, den sie schließlich eliminiert - eine Schießerei, bei der allerdings auch einer der selbsterklärten Dschihadisten ums Leben kommt. Je näher der Attentatstermin nun rückt, desto mehr laufen die Vorbereitungen aus dem Ruder: Paranoia macht sich in der Gruppe breit, niemand scheint mehr dem anderen zu trauen, immer wieder wird gemutmaßt, dass sich ein Verräter in der Gruppe befindet. Und so wird für den Undercover-Journalisten Sam der Boden immer heißer, denn schließlich hat er tatsächlich in der Zwischenzeit Kontakt zur Polizei aufgenommen, die ihn unter Druck setzt: Für die Sicherheitsbehörden geht es nicht nur darum, den Anschlag zu verhindern, sondern auch darum, die Hintermänner und Drahtzieher dingfest zu machen. Und so sitzt Sam buchstäblich zwischen allen Stühlen ...

So interessant und aktuell der Stoff auch ist: Made in France enttäuscht dann doch insgesamt ein wenig. Und das liegt nicht nur an der etwas stereotypen Figurenzeichnungen der einzelnen Mitglieder der Terrorzelle (die manchmal in ihrer Tollpatschigkeit fast an die Möchtegern-Krieger in Four Lions erinnern), sondern auch an verschiedenen dramaturgischen Kniffen und Tricks, die wenig gelungen sind: Woher kommt Sams Interesse an dem Thema? Speist es sich allein aus seinem familiären Hintergrund mit Wurzeln in Algerien? Wieso und in welchem Auftrag nimmt er die mühevolle und gefährliche Aufgabe einer sich über Monate hinziehenden Undercover-Recherche auf sich? Auch der Nährboden, auf dem die Saat von Hassan und dem Hassprediger aufgehen, bleibt recht vage. Und schließlich ahnt man früh (viel früher als Sam), welches perfide Spiel der selbsternannte Anführer der radikalen Gruppe mit seinen Gefolgsleuten spielt - doch auch hier sucht man vergebens nach einer ausreichenden und psychologischen Unterfütterung von dessen Verhalten. So bleibt Made in France unterm Strich ein solider Thriller mit aktuellem Hintergrund, der aber über den eigentlichen Radikalisierungsprozess wenig Neues zu berichten weiß.

Made in France - Im Namen des Terrors

Sam, freier Journalist in Paris, entschließt sich, das wachsende Phänomen von Jugendlichen zu recherchieren, die sich extremistische Gruppen anschließen. Er nutzt seinen eigenen muslimischen Hintergrund, um eine Gruppe von vier jungen Dschihadisten aus den Banlieues zu infiltrieren, die ein Attentat planen. Der adrenalingeladene Thriller sollte im letzten November in die französischen Kinos kommen. Nach den Attentaten in Paris wurde der Termin jedoch verschoben.
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