Love Battles - Mein erotischer Ringkampf

Love Battles - Mein erotischer Ringkampf

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Die Liebe als Schlachtfeld

Dass die Liebe dann und wann ein Kampf ist, diese Erfahrung hat der eine oder andere vielleicht schon gemacht. Der französische Regisseur Jacques Doillon (Ponette, 1996) hat in Love Battles diese Erkenntnis ganz wörtlich genommen und schildert die Annäherung eines Paares als durchaus drastischen Ringkampf. Das Problem dabei ist weniger die unverhüllte Körperlichkeit, die den Film bestimmt, sondern dessen zumindest am Anfang ausufernde Geschwätzigkeit, die dem interessierten Zuschauer einiges an Geduld abverlangt, bevor es (endlich, so möchte man sagen) zu Handgreiflichkeiten kommt.
Die grundlegende Story des Films mutet fast wie eine theatralische Versuchsanordnung an oder wie eine Rahmenhandlung aus einem Pornofilm. Irgendwo in der nicht genauer gefassten französischen Provinz treffen sie aus dem Nichts aufeinander. "Sie" (hinreißend: Sara Forestier) ist aus der Stadt in das Dorf ihrer Kindheit zurückgekehrt, wo gerade ihr Vater, der nie so etwas wie Zuneigung für sie empfand, gestorben ist. Nun steht eine Regelung der Erbschaftsangelegenheiten an und da ist der Streit mit ihren Geschwistern schon vorprogrammiert. "Er" (James Thiérrée), um einiges älter als die quirlige junge Frau, wohnt in der Nachbarschaft, versucht sich als Schriftsteller und ist gerade dabei, sein Haus zu renovieren. Dann begegnen sie sich, messen sich mit Worten, lauern einander auf, beschimpfen und provozieren sich, immer und immer wieder, weil da vermutlich schon mehr da ist als pure Abneigung. Schließlich kommt es zu den ersten Übergriffen, Schubsen, Klapsen, Schlägen und Prügeleien – und schließlich zum wilden, animalischen Sex.

Es lässt sich nicht verleugnen: Love Battles ist ein ungemein anstrengender Film. Irgendwann zwischendrin schnauzt Sie Ihn an und sagt ihm ins Gesicht "Du ermüdest mich". Eine Emotion, die wohl die meisten Zuschauer mit der Protagonistin teilen – allerdings im Bezug auf den Film selbst und nicht auf den Kontrahenten. Die Handlung ist gelinde gesagt überschaubar und mäandert dennoch zähflüssig wie erkaltende Lava lange Zeit vor sich hin, bevor es zu den ersten eruptiven Momenten kommt, die fast wie eine Befreiung und ein Weckruf wirken.

Dann allerdings durch die gleitenden Übergänge zwischen Gewalt und Zärtlichkeit, Brutalität und sexuellem Verlangen entwickelt Love Battles einen gewissen Sog, eine pure Intimität, die zumindest teilweise die vorher durchlittene Zeit vergessen lässt. Schade nur, dass man auf diese Höhepunkte so lange warten muss – eine noch konsequentere Abstraktion der Geschichte ohne küchenpsychologischen Überbau und die unbeholfen wirkende Etablierung einer Motivation sowie die damit verbundene Kürzung und Straffung hätte dem Film mehr genützt als geschadet. So aber befinden sich in Doillons Kammerspiel um den Kampf der Geschlechter nicht nur eine Frau und ein Mann im Ringkampf, sondern vor allem auch der Zuschauer und der Film selbst.

Love Battles - Mein erotischer Ringkampf

Dass die Liebe dann und wann ein Kampf ist, diese Erfahrung hat der eine oder andere vielleicht schon gemacht. Der französische Regisseur Jacques Doillon (Ponette, 1996) hat in "Love Battles" diese Erkenntnis ganz wörtlich genommen und schildert die Annäherung eines Paares als durchaus drastischen Ringkampf.
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