Lost Children

Lost Children

Die vergessenen Kinder von Uganda

Seit vielen Jahren findet vor den Augen einer desinteressierten Weltöffentlichkeit ein unvorstellbares Morden in Afrika statt, bei dem systematisch Kinder verschleppt und rekrutiert werden, um manchmal sogar gegen die eigenen Clans und Familien zu kämpfen. Im Norden Ugandas herrscht Krieg zwischen den Regierungstruppen der National Resistance Army (NRA) und der oppositionellen, religiös-fanatischen Lords Resistance Army (LRA), ein schleichender Krieg, der das Land seit 19 Jahren in Atem hält und nie zur Ruhe hat kommen lassen. Die Hauptleidtragenden sind vor allem die Kinder. Rund 20.000 von ihnen sind seit 1986 entführt worden, davon mehr als die Hälfte seit dem Jahr 2002. Mit systematischer Gehirnwäsche werden sie gegen den Staat aufgehetzt und müssen als Initiationsritus zunächst einmal eine besonders verabscheuungswürdige Tat wie einen Morden an Freunden oder Verwandten begehen, um innerhalb der Gruppe akzeptiert zu werden, nicht selten auch in Verbindung mit Kannibalismus. In der Zwischenzeit sind weite Teile Nordugandas, wo sich der Konflikt hauptsächlich abspielt, wie leergefegt, 1,4 Mio. Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, befinden sich auf der Flucht, hausen in Auffanglagern, meist nur unzureichend geschützt. Handel und Landwirtschaft existieren auf Grund des Konflikts quasi nicht mehr. Seit 2003 nähern sich die Rebellentruppen und die Regierung langsam aneinander an, doch selbst im Falle eines Friedensschlusses bleiben ein zerstörtes Land und traumatisierte Kinder zurück, die kaum in der Lage sein werden, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.
Die beiden Regisseure Oliver Stoltz und Ala Samadi Ahadi waren insgesamt viermal im Norden Ugandas unterwegs und haben mit einer kleinen, handlichen Mini-DV-Kamera 120 Stunden Filmmaterial gedreht. Im Mittelpunkt ihres Filmes stehen vier Kinder, der achtjährige Opio, der dreizehnjährige Kilama, der zwölfjährige Francis und die vierzehnjährige Jennifer; vier Geschichten, die so grausam und unglaublich sind, dass man kaum an die Möglichkeit einer Rückkehr in ein „normales Leben“ glauben mag. Denn selbst in vermeintlichen Zeiten des Friedens ist Nord-Uganda ein gefährliches Pflaster. Zwei Tage, nachdem das Filmteam aus dem Flüchtlingslager Pajule abgereist war, wurde das Camp von Rebellen überfallen, 20 Menschen starben, 240 wurden entführt. Seit diesem Überfall ist auch der kleine Opio verschwunden, es ist unklar, ob er entführt oder ermodert wurde, oder ob er sich wieder den Rebellen angeschlossen hat.

Lost Children ist einer der erschütterndsten Dokumentarfilme der letzten Jahre; ein Film, der sehr nah dran ist an den zerbrochenen Seelen der Kinder, die unvorstellbare Grausamkeiten begehen mussten und die von den Erinnerungen verfolgt werden. Es bleibt zu hoffen, dass der Film die Lage in Uganda in Erinnerung bringt und die internationale Staatengemeinschaft daran erinnert, dass Handeln und Interventionen auch dann angebracht sind, wenn es wirtschaftlichen Interessen der „Ersten Welt“ berührt werden.

Noch während der Dreharbeiten gründeten die beiden Regisseure das Hilfsprojekt Pajule Aid für die Kindersoldaten. Die Erlöse aus den Verkäufen des Films sollen ebenfalls dem Projekt zu Gute kommen.

Lost Children

Seit vielen Jahren findet vor den Augen einer desinteressierten Weltöffentlichkeit ein unvorstellbares Morden in Afrika statt, bei dem systematisch Kinder verschleppt und rekrutiert werden, um manchmal sogar gegen die eigenen Clans und Familien zu kämpfen
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Meinungen
Wilma · 31.08.2006

Ich habe mir diesen Film von der Schule aus angesehen (8. Klasse). Für manche von uns war der Film wohl etwas zu hoch und vor allem die Jungs haben grötenteils abgeblockt aber ich denke allen ging der Film wirklich zu Herzen. Es ist bedrückend zu sehen wie die Welt wegschaut sobald es nicht darum geht ihr Öl oder irgendetwas anderes verkäufliches oder wirtschaftlich wichtiges zu retten. Niemand hat etwas für die kinder die Missbraucht und deren Leben wohl für immer zerstört wurden. Es ist einfach traurig zu sehen wie wenig die Welt gelernt hat.

Kommentare

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