Long Walk Home

Long Walk Home

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein dunkles Kapitel Australiens

Es ist eine ebenso perfide wie grausame Praxis, die in Australien bis in die 1970er Jahre hinein praktiziert wurde: Jahrzehnte lang wurden Kinder von Aborigine-Frauen und weißen Männern – zumeist Wanderarbeitern – ihren Eltern weggenommen und in Umerziehungsheime gesteckt. Grundlage für dieses schändliche Verfahren war ein Gesetz, das darauf abzielte, Aborigine-Kinder und Kinder mit Eltern unterschiedlicher Herkunft systematisch von ihren Wurzeln zu entfremden und sie dadurch besser als willfährige Hausangestellte und Farmhelfern für die Weißen einsetzen zu können.
Philllip Noyces Film Long Walk Home / Rabbit-Proof Fence erzählt die Geschichte dreier Mädchen, der beiden Schwestern Molly und Daisy Craig (Everlyn Sampi und Tianna Sansbury) sowie deren Cousine Gracie Fields (Laura Monaghan), die das gleiche Schicksal wie unzählige Kinder vor und nach ihnen erleiden, die sich aber kurz nach der Ankunft im Lager auf den mehr als 1.500 Meilen langen Weg nach Hause machen. Da ihre Heimat Jigalong am Rande des so genannten Kaninchenzaunes liegt, der ganz Australien durchzog, orientieren sich die Mädchen auf ihrem langen Weg nach Hause einfach an der Barriere. Doch der eiskalte Bürokrat A. O. Neville (Kenneth Branagh), der den zynisch anmutenden Titel "Chief Protector of Aborigines" trägt und die Einhaltung des Gesetzes überwacht, hetzt den drei flüchtenden Kindern seine Häscher auf die Spur, unter denen sich auch der Aborigine Moodoo (David Gulpilil) befindet. Dank der Umsicht von Molly gelingt es dem Trio aber immer wieder, die Spuren zu verwischen. Doch auch die Verfolger sind nicht auf den Kopf gefallen, denn schließlich wissen sie genau, wohin die Reise führt.

Philip Noyces Film Long Walk Home / Rabbit-Proof Fence basiert auf den Erinnerungen der realen Molly Craig, die wie ca. 100.000 Aborigine-Kinder ein Opfer des so genannten "General Child Welfare Law" wurde, das von 1910 bis 1976 in Kraft war. Da auch nach der Beendigung des Gesetzes das zum Himmel schreiende Unrecht gegen die Aborigines totgeschwiegen wurde, sorgte der Film dafür, die staatlich angeordneten rassistischen Vorgänge anzuprangern und ins Gedächtnis der australischen Gesellschaft zurückzuholen. Ein ebenso bewegendes wie anspruchvolles Road Movie über ein dunkles Kapitel in der Geschichte Australiens.

Long Walk Home

Es ist eine ebenso perfide wie grausame Praxis, die in Australien bis in die 1970er Jahre hinein praktiziert wurde: Jahrzehnte lang wurden Kinder von Aborigine-Frauen und weißen Männern – zumeist Wanderarbeitern – ihren Eltern weggenommen.
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