Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (2019)

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In Jonathan Levines neuer Komödie geben Charlize Theron und Seth Rogen ein ungewöhnliches Liebespaar, das sich auf politischem Parkett bewegt. Derbe Humoreinlagen und Seitenhiebe auf das gespaltene Trump-Amerika gehen dabei Hand in Hand.

Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (2019)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Wo die Liebe hinfällt

Der deutsche Untertitel von Jonathan Levines (Mädelstrip) neuer Regiearbeit „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“ scheint die auf den ersten Blick seltsame romantische Paarung von Charlize Theron und Seth Rogen zu kommentieren und weist die Kinogänger mit einem Augenzwinkern vorab darauf hin, dass sich die Geschichte nicht um größtmögliche Glaubwürdigkeit bemüht. Obwohl einiges nach konventionellem Liebeskomödienstrickmuster abläuft, entwickelt der Film stellenweise unerwarteten Schwung. Was in erster Linie den beiden Hauptdarstellern zu verdanken ist, die sich gekonnt die Bälle zuspielen und die Annäherung ihrer Figuren mit handfestem Charme versehen.

Ein besseres Timing gibt es eigentlich nicht: Kurz nachdem der idealistische Investigativ-Journalist Fred Flarsky (Seth Rogen) aus Protest gegen die Übernahme seiner Zeitung durch den zwielichtigen Medientycoon Parker Wembley (fast bis zur Unkenntlichkeit zu einem Steve-Bannon-Verschnitt geschminkt: Andy Serkis) seinen Job hingeschmissen hat, trifft er nach vielen Jahren auf einer Spendengala seine frühere Babysitterin Charlotte Field (Charlize Theron) wieder. Die selbstbewusste Frau, die schon damals von Fred angehimmelt wurde, bekleidet inzwischen das Amt der US-Außenministerin und möchte sich, da der von einer Leinwandkarriere träumende Präsident Chambers (schön schräg: Bob Odenkirk) keine zweite Amtszeit anstrebt, schon bald um den höchsten Posten bewerben. Weil Charlotte die Texte ihres früheren Schützlings gefallen und sie in der Öffentlichkeit als zu wenig witzig wahrgenommen wird, nimmt sie Fred kurzerhand in ihr Team auf, damit er ihre Reden etwas pfiffiger gestaltet. Während einer Reise durch diverse Länder, bei der die Ministerin die Werbetrommel für eine Umweltinitiative rührt, geht sie mit dem verplanten und etwas verlotterten Journalisten auf Tuchfühlung.

Levine und seine Drehbuchautoren Liz Hannah und Dan Sterling zeichnen ihre Protagonisten betont gegensätzlich und scheuen nicht vor Übertreibungen zurück. Charlotte ist eine stets elegant gekleidete, souverän auftretende Staatsfrau und Fred der Inbegriff der Schludrigkeit. Mit seinem Faible für ausgebeulte Trainingsklamotten und seinem fragwürdigen Gespür für Fettnäpfchen passt er so gar nicht in die Welt der hohen Politik. Trotz der krassen Unterschiede ihrer Rollen nimmt man Theron und Rogen allerdings ab, dass langsam ernsthafte Gefühle aufblühen. Ihre beschwingte Interaktion hat beachtlichen Unterhaltungswert und tröstet ein wenig darüber hinweg, dass die Dramaturgie gerade gegen Ende etwas zu mechanisch und genrekonform daherkommt. Besonders auf der Zielgeraden kann sich Long Shot zu wenig von den erzählerischen Schablonen der traditionellen romantic comedy befreien.

Bereichernd ist hingegen, dass Levines jüngstes Werk die klassischen Geschlechterrollen und Machtverhältnisse vertauscht. Therons prominenten Part als Außenministerin und mögliches Staatsoberhaupt nutzt das Drehbuch für wiederholte Seitenhiebe auf den noch immer fragwürdigen Umgang mit erfolgreichen Frauen. Anders als Männer werden sie nämlich nach wie vor häufig auf ihr Aussehen reduziert, anstatt ihre charakterlichen und inhaltlichen Stärken hervorzuheben. Überhaupt lässt Long Shot regelmäßig politische und sozialkritische Ambitionen aufblitzen: Unverhohlen macht sich der Film über den derzeit im Weißen Haus residierenden Donald Trump lustig. Wiederholt wird die Stimmung in der stark gespaltenen US-Gesellschaft aufgegriffen. Und auch die unaufhörlich zündelnde rechtspopulistische Medienmaschinerie gerät mehrfach ins Visier. Derartige Einwürfe sind in einer Liebeskomödie sicher ungewöhnlich und verleihen dem Ganzen mehr Substanz. Parallel torpedieren die kreativen Köpfe ihre satirischen Intentionen aber mit einem manchmal arg grob gestrickten Slapstick- und Genitalhumor. Ein paar Rohrkrepierer und überflüssige Eskapaden weniger, und Long Shot hätte das Zeug zum großen Wurf gehabt. So bleibt er ein kurzweiliger, allerdings nicht vollends runder Kino-Spaß mit zwei gut harmonierenden Hauptdarstellern im Mittelpunkt.

Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (2019)

Fred Flarsky, ein arbeitsloser Journalist, dem das Schicksal tüchtig mitgespielt hat, beschließt, seine frühere Babysitterin (und erste große Liebe seines Lebens) wiederzusehen. Allerdings ist die in der Zwischenzeit zu einer der mächtigsten Frauen der Welt geworden und gilt als absolut unerreichbar.

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