Liv & Ingmar - Eine Liebesgeschichte

Liv & Ingmar - Eine Liebesgeschichte

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Schmerzhaft verbunden

Mit einer Liebesgeschichte ganz besonderer Art, die sich über vier Jahrzehnte zwischen zwei markanten Persönlichkeiten der Filmwelt ereignete, beschäftigt sich diese Dokumentation des indischen Regisseurs Dheeraj Akolkar, der damit ein Projekt verwirklicht hat, in das sichtbar reichlich Herzblut geflossen ist. Hier berichtet die norwegische Schauspielerin Liv Ullmann von ihrer innigen, wechselhaften und unverbrüchlichen Verbindung mit dem legendären schwedischen Filmemacher Ingmar Bergman, die von schwindelnder Verliebtheit über beklemmende Enge und notwendige Distanz in eine wunderbare Freundschaft mündete.
Im Sommer 1965 reiste Liv Ullmann auf die Insel Fårö in der Ostsee, wo die Dreharbeiten zu dem experimentellen Spielfilm Persona anberaumt waren, in dem sie an der Seite von Bibi Andersson die zweite tragende Rolle übernahm. Dort begegnete sie dem Regisseur Ingmar Bergman, dessen Wesen ihr sogleich eine zutiefst bewegende Faszination einhauchte. Aus Liv und Ingmar, die beide zu dieser Zeit noch mit anderen Partnern verheiratet waren, wurde bald ein Paar, das im Jahre darauf eine Tochter bekam und dessen Beziehung in den folgenden Zeiten gleichsam von privater Zurückgezogenheit und künstlerischer Kooperation bei Filmen wie Die Stunde des Wolfs / Vargtimmen, Schande / Skammen und Passion / En passion geprägt war. „Er veränderte mein Leben“, erzählt Liv Ullmann im Rahmen der ausführlichen Interviews in der Dokumentation Liv & Ingmar – Eine Liebesgeschichte über den passionierten Regisseur Ingmar Bergman, zu dessen Muse und „Stradivari“ sie auserkoren wurde, lange über das Ende ihres fünfjährigen Zusammmenlebens hinaus bis zu seinem letzten Film Sarabande / Saraband von 2003. Dass sich Leben und Arbeit mit dem eigensinnigen, schwermütigen Filmkünstler jenseits des ersten Sommers, den sie als pures Glück beschreibt, keineswegs leichtgängig gestalteten, sondern neben einer gewaltigen Nähe und Zuneigung auch von Isolation, Kontrolle und Schikanen durchsetzt waren, davon berichtet die Schauspielerin aus ihren emotionalen Erinnerungen so nachdenklich wie freimütig.

Basierend auf der ungeheuer intensiven Präsenz von Liv Ullmann, ihrer Autobiographie Wandlungen / Forandringen, Briefen Ingmar Bergmans an Liv sowie seinen Memoiren Laterna magica – intoniert vom schwedischen Schauspieler Samuel Fröler – zeichnet Regisseur Dheeraj Akolkar ein warmes, stimmungsvolles Porträt einer vielschichtigen Verbindung, deren existenzielle Themen wie Einsamkeit, Wut, Schmerz, Sehnsucht und Freundschaft sich auch in den gemeinsamen Filmen der beiden Seelengefährten widerspiegeln, die in prägnanten Ausschnitten diese gefühlvolle Dokumentation begleiten. Damit gelingt Liv & Ingmar – Eine Liebesgeschichte eine aufschlussreiche Verknüpfung von Privatem und Filmischem innerhalb der Geschichte der Protagonisten, die untrennbar auch mit der Insel Fårö als Lebensraum, Begegnungsstätte zahlreicher Weggenossen sowie Drehort verwoben ist und das Grab des Regisseurs beherbergt, der bis zu seinem Tode im Jahre 2007 dort beheimatet war.

Bei allen Erinnerungen, Erzählungen und Anekdoten ist es eine charismatische Aura des Unaussprechlichen, die diesen unspektakulären, feinfühlig inszenierten Film mit der sanften Musik von Stefan Nilsson zu einem Erlebnis der filigranen Sorte werden lässt, bei dem unerwähnte Intensitäten und Geheimnisse von Liv und Ingmar ebenso mitschwingen wie ihre innige Verbundenheit, die Bergman selbst bereits früh als schmerzhaft charakterisiert hat. Möglicherweise liegt in der scheinbar banalen Weisheit, die auch Liv Ullmann transportiert, dass Liebe und Schmerz letztlich ebensowenig zu trennen sind wie Einsamkeit vermeidbar ist, die bedeutsamste Aussage dieses stark persönlich und ohne Informationszwang ausgerichteten Porträts in seinem melancholischen Bemühen, individualistische Filmgeschichte zu vermitteln, die nachhaltig berührt.

Liv & Ingmar - Eine Liebesgeschichte

Mit einer Liebesgeschichte ganz besonderer Art, die sich über vier Jahrzehnte zwischen zwei markanten Persönlichkeiten der Filmwelt ereignete, beschäftigt sich diese Dokumentation des indischen Regisseurs Dheeraj Akolkar, der damit ein Projekt verwirklicht hat, in das sichtbar reichlich Herzblut geflossen ist.
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