Lippels Traum

Lippels Traum

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Abenteuer im Schlaf

Es beginnt mit einem Albtraum unter Wasser. Der elfjährige Philipp, genannt Lippel, träumt davon, dass sein Vater nach Amerika wegschwimmt. Doch als er aufwacht, fängt der Schrecken erst an. Sein Vater, der Starkoch Otto Mattenheim (Moritz Bleibtreu), begibt sich tatsächlich auf Geschäftsreise und heuert Frau Jakob (Anke Engelke) derweil als Haushälterin und Babysitterin für Lippel an. Und die ist alles andere als eine gutmütige, kinderliebe Nanny.
Von Frau Jakob tyrannisiert, hilft Lippel nur noch eins: Mit Fantasie dem trögen Alltag zu entgehen oder besser noch, viel zu schlafen. Denn im Schlaf kommen die Träume, die ihn weit weg vom bayrischen Passau in eine orientalische Märchenwelt befördern. Dort erlebt er die tollsten Abenteuer und trifft Personen aus seinem wirklichen Leben wieder – jedoch in anderen Rollen. Sein Vater verwandelt sich in einen liebenswerten König. Frau Jakob ist seine intrigante Schwägerin. Und Lippels marokkanische Schulkameraden schlüpfen in die Kostüme der beiden Königskinder.

Sowohl im Traum als auch in der Wirklichkeit geht es darum, der bösen Hexe Frau Jakob den Garaus zu machen. Nicht, dass sie sich noch als zukünftige Stiefmutter in Lippels Haus einnistet. Das erzählt sie ihrer Mutter am Telefon. So bekommt Lippel mit, dass Frau Jakob sich nicht nur an seinen Vater ranmachen wolle, sondern sich auch seines Sohnes entledigen will. Auch wenn ihre Waffen nicht gerade zimperlich sind, weiß sich Lippel in letzter Minute zu helfen.

Der meiste Teil des Films besteht aus märchenhaften Traumsequenzen, die in Marokko gedreht wurden und an die Märchenwelt der Geschichten aus 1001 Nacht erinnern. Ein orientalisches Schloss und eine Sandwüste sind die Orte, die Lippel in einem langen Traum immer wieder im Schlaf aufsucht. Dort kämpft und leidet er wie im wirklichen Leben. Sein Vater, der König, wurde zu Unrecht vom Thron gestürzt und die Königskinder zu Unrecht in die Wüste verbannt. Da hilft es, dass Lippel weiß, wie man eine Taschenlampe richtig bedient und daraus wahre Zaubertricks entwickeln kann.

Wem das bekannt vorkommen sollte, der kennt sicherlich den gleichnamigen Jugendbuchklassiker von Paul Maar, der gemeinsam mit Ulrich Limmer das Drehbuch für den Film geschrieben hat. Das erprobte Autoren-Duo beweist damit erneut ein gutes Gespür für Jugendfilme. Bereits Das Sams (2001), Sams in Gefahr (2002) und zuletzt Herr Bello (2007) stammen aus ihrer Feder. Regie führte Lars Büchel, bekannt durch Jetzt oder nie (2000) oder Erbsen auf Halb Sechs (2004). Vor der Kamera versammelt, ist mal wieder das Who is Who des deutschen Kinos und Fernsehens: Anke Engelke, Moritz Bleibtreu, Christiane Paul, Uwe Ochsenknecht, Edgar Selge und Eva Mattes.

Wer das Buch kennt, wird sicherlich einiges im Film vermissen. Was auf über 200 Seiten in allen Details und Ausschweifungen beschrieben ist, passt natürlich nicht in 100 Filmminuten. So fehlt im Film Lippels Leidenschaft für Sammelpunkte. Auch die liebenswerte Nachbarin, Frau Jeschke, musste draußen bleiben. Im Buch verreisen Lippels Eltern, im Film ist es der allein erziehende Vater, der seinen Sohn zurück lässt. Diese Änderungen verschärfen eher die Konflikte des Films, denn so bleibt das Ende jedem offen – auch dem, der das Buch bereits gelesen hat.

Fazit: Lippels Traum ist ein kurzweiliger Film für junge Kinogänger, der die Märchen- und die reale Welt wunderbar miteinander verknüpft und die Fantasie anregt.

Lippels Traum

Es beginnt mit einem Albtraum unter Wasser. Der elfjährige Philipp, genannt Lippel, träumt davon, dass sein Vater nach Amerika wegschwimmt. Doch als er aufwacht, fängt der Schrecken erst an. Sein Vater, der Starkoch Otto Mattenheim (Moritz Bleibtreu), begibt sich tatsächlich auf Geschäftsreise und heuert Frau Jakob (Anke Engelke) derweil als Haushälterin und Babysitterin für Lippel an. Und die ist alles andere als eine gutmütige, kinderliebe Nanny.
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