Lichter der Großstadt

Lichter der Großstadt

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine der ergreifendsten Liebesgeschichten aller Zeiten

Dass der legendäre Filmemacher und Schauspieler Charlie Chaplin vor allem in seiner Funktion als Regisseur ein akribischer Perfektionist war, ist der geradezu schwebenden Leichtigkeit seiner Werke nicht anzumerken. Dieses signifikante Charakteristikum von Filmkunst auf höchstem Niveau findet bei Lichter der Großstadt, der im Januar 1931 in Los Angeles uraufgeführt wurde, in ganz bezaubernder Weise Ausdruck. Der Stummfilm, der zu einer Zeit entstand, als die fortschreitende Technik auf filmischem Terrain den Darstellern die Fähigkeit wörtlicher Äußerungen verlieh, markiert innerhalb des Schaffens Charlie Chaplins den ausführlichsten und intensivsten Arbeitsprozess an einem Filmprojekt, der sich über mehrere Jahre der Vorbereitung und Inszenierung erstreckte – mit dem ehrgeizigen Anspruch des Regisseurs, bis ins kleinste Detail hinein Vollkommenheit zu erreichen.
Mit der Unbekümmertheit seines ungezähmten Daseins vagabundiert der Tramp Charlie (Charlie Chaplin) durch den urbanen Raum, dessen Komplexität er mit gekonnter Körperkomik karikiert. Als ihm ein Automobil den Weg versperrt, durchquert er das Vehikel kurzerhand und landet auf dem Bürgersteig bei einer blinden Blumenverkäuferin (Virginia Cherrill), die ihm als vermeintlich reichem Autobesitzer ihr Sortiment offeriert. Diese Begegnung wird zu seinem Schicksal, denn der Tramp verliebt sich augenblicklich in die sanfte junge Frau, für die er künftig die Rolle des Förderers und schließlich Retters einnehmen wird. Denn Charlie setzt nun alles daran, die notwendigen Finanzen aufzutreiben, um seiner Angebeteten eine Operation ihrer Augen in Europa zu ermöglichen. Dabei erweisen sich seine gelegentlichen, trinkseligen Kontakte mit einem zu Depressionen neigenden Millionär (Harry Myers), der allerdings nur in betrunkenem Zustand seine Freundschaft sucht, um einiges fruchtbarer als seine Bemühungen, als Straßenfeger oder Bestreiter eines Boxkampfes zu Geld zu kommen ...

Lichter der Großstadt stellt nicht nur einen in schlichtweg allen Aspekten grandiosen späten Stummfilm dar, sondern erzählt im unvermittelten Ausdruck seiner Figuren von sparsamen Zwischentiteln begleitet eine der bewegendsten Liebesgeschichten innerhalb der gesamten Historie des Films. Diese Kunstfertigkeit des tragikomischen Schauspiels sowie der eine universelle Bedeutsamkeit transportierenden Schwarzweißbilder mit ihren intensiven heiter-melancholischen Stimmungen gipfelt in einem Finale von berührender Intensität, dessen zarte Schönheit auch nach achtzig Jahren Filmgeschichte noch unübertroffen ist. Und das trotz des Umstands, dass sich Charlie Chaplin und Virginia Cherrill während der Dreharbeiten überhaupt nicht verstanden und der Regisseur die wenig engagierte Akteurin zwischenzeitlich sogar feuerte, was allerdings ihrem charismatischen Zusammenspiel sichtbar nicht geschadet hat. Unter den legendären Meisterwerken Charlie Chaplins zeichnet sich Lichter der Großstadt durch seine in der Tat vollkommene Balance zwischen Komik, Liebesgeschichte und Sozialkritik aus, und im Vorspann als "A comedy romance in pantomime" angekündigt erscheint dieser Film als begnadete Ausprägung einer damals untergehenden Gattung, die sich damit ein würdiges Denkmal von unvermindert ergreifender Wirkungsmacht geschaffen hat.

Lichter der Großstadt

Dass der legendäre Filmemacher und Schauspieler Charlie Chaplin vor allem in seiner Funktion als Regisseur ein akribischer Perfektionist war, ist der geradezu schwebenden Leichtigkeit seiner Werke nicht anzumerken.
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