Les Misérables – Gefangene des Schicksals

Les Misérables – Gefangene des Schicksals

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Victor Hugos Klassiker als Mammut-Projekt

Es ist ebenso erfreulich wie erstaunlich, welch enorme posthume Rezeption und Adaption die Werke des sozialkritischen und politisch engagierten französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802-1885) erfahren. Zuvorderst handelt es sich dabei um Notre-Dame de Paris / Der Glöckner von Notre-Dame (1831) und vor allem Les Misérables / Die Elenden (1862) – ein Stoff, der über die Jahrhunderte hinweg immer wieder die unterschiedlichsten Künstler inspiriert hat. In den Theatern auf der ganzen Welt ist Les Misérables in den verschiedensten Inszenierungen ein Dauergast, und seit das Medium Film existiert, verging kein Jahrzehnt ohne mindestens eine neue filmische Interpretation dieses großen Gesellschaftsromans, dessen Hauptfigur Jean Valjean unter vielen anderen bereits von Jean Gabin, Lino Ventura und Jean-Paul Belmondo verkörpert wurde. In der deutsch-französischen Koproduktion der aus Algerien stammenden Regisseurin Josée Dayan, die ursprünglich als Vierteiler im Fernsehen lief, ist es Gérard Depardieu, der den tragischen Helden spielt, flankiert von einem Ensemble der Superlative, das große Namen wie John Malkovich, Jeanne Moreau und Charlotte Gainsbourg enthält.
Es sind Armut und Hunger, die den jungen Jean Valjean (Guillaume Depardieu, später Vater Gérard) zu Beginn des 19. Jahrhunderts für 19 Jahre in die Hölle des Zuchthauses bringen, die er zwar lebend, doch unwiderbringlich gezeichnet und verbittert in eine tosende Leere hinein verlässt. Doch in dem fürsorglichen Bischof Bienvenu (Otto Sander) findet er einen Wohltäter für Leib und Seele, und mit einer neuen Identität gelingt ihm schließlich ein harter gesellschaftlicher Aufstieg zu Reichtum und Ansehen. In der armen und verzweifelten Fantine (Charlotte Gainsbourg), die ihre uneheliche Tochter Cosette (Virginie Ledoyen) durchbringen muss, findet er eine Gefährtin, doch die Schatten seiner Vergangenheit legen sich zerstörerisch über diese Verbindung, denn der moralisch unerbittliche Inspektor Javert (John Malkovich) ist von seiner Verdorbenheit überzeugt und lässt nicht nach, Valjean zu verfolgen ...

Wer sich knappe sechs Stunden lang in eine detaillierte, glanzvolle und bestens besetzte Inszenierung der berühmten historisch-politischen Geschichte um Abgründe, Abenteuer, Liebe und Leidenschaften versenken mag, kann mit dieser Edition bestehend aus zwei Film-DVDs mit den Teilen eins bis vier und einer Bonus-DVD, die einige interessante Hintergrundinformationen beherbergt, ausführlich in Wonnen schwelgen. Allein bereits durch den gewaltigen Umfang der Dramaturgie kommen hier Komponenten des Romans zum Tragen, die sonst im Allgemeinen vernachlässigt wurden, wie die intensive Darstellung Jean Valjeans als tragisch Liebenden und ein differenzierterer Charakter des Inspektor Javert. Dass hier nach allen Regeln der Kunst aufgetrumpft, übertrumpft und überhöht wird, liegt in der Natur eines derart ambitionierten Projektes, das seine gewaltige Länge schließlich auch prunkvoll ausfüllen muss.

Les Misérables – Gefangene des Schicksals

Es ist ebenso erfreulich wie erstaunlich, welch enorme posthume Rezeption und Adaption die Werke des sozialkritischen und politisch engagierten französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802-1885) erfahren.
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