Left Behind

Left Behind

Eine Filmkritik von Martin Beck

Alleingelassen

Die Christenfilme kommen immer dann, wenn ungläubige Bürger schon lange schlafen. Klammheimlich hat sich in den letzten Jahren eine himmlische Filmnische aufgetan, die mit Noah oder Exodus auch mal Multiplexgröße erreicht, doch vor allem in Heimkinos und Fernsehzeitschriften ihre Botschaften verbreitet. Gott ist der Größte und Menschen werden nur dann wirklich glücklich, wenn sie gläubige Christen sind. Eine sonntägliche "bible belt"-Predigt als Film, so richtig mit Schmackes von der Kanzel runter.
Liest sich verführerisch? Dann ist der Heiligenschein groß genug für Left Behind, einem typischen Vertreter dieses "Genres" (?), der es dank Nicolas Cage auch in unsere Wohnzimmer geschafft hat. Und dort wahrscheinlich auf entgeisterte Zuschauer treffen wird, die einfach nicht glauben können, auf welch primitive Weise hier christliche Hardliner in ihren erzkonservativen Betkreis-Parolen bestätigt werden. Nur wer gläubig ist, kommt in den Himmel – und verschwindet demzufolge von der Erde. Übrig bleibt einzig der heidnische, zweifelnde, sündigende Rest, der nun mal sehen soll, wo er bleibt... und auf lange Sicht in den sicheren Untergang stolpert.

Einer dieser bösen Menschen ist Flugzeugpilot Ray Steele (Nicolas Cage), der seinem lustigen Namen alle Ehre macht und einen richtig schlechten Familienvater abgibt. Als die Leute verschwinden, ist er gerade hoch über den Wolken und möchte mit einer heißen Stewardess ein U2-Konzert besuchen. Seine Frau (Lea Thompson) ist auch noch da, am Boden, weil sie erst kürzlich zu Gott gefunden hat. Und Tochter Chloe (Cassi Thomson), die Skeptikerin, irrt zwei Stunden durch die Weltgeschichte, um am Ende ihrem entfremdeten Daddy eine Landebahn aus Feuer zu spendieren.

Left Behind pendelt ständig zwischen Flugzeug und Erde, gerne abgegrenzt durch markante Sätze wie "Was geht hier vor sich?" oder "ich glaube, ich weiß, was hier vor sich geht". Der arme Nicolas Cage sitzt fast den ganzen Film im Cockpit und blickt dabei so müde drein wie schon lange nicht mehr. Einst war Ray Steele sicher ein gefeierter Langstrecken-Hengst, doch jetzt muss er sich mit gnadenlos platten Dialogen abmühen, eingerahmt von einer billigen Produktion und stocksteifer Ernsthaftigkeit. Wer bisher glaubte, Knowing wäre schon schlimm, in seiner pseudo-religiösen Dämlichkeit, kommt sich bei Left Behind vor wie in der todernsten Kirchen-Edition von Das Leben des Brian.

Ein Katastrophenfilm als Landebahn für christliche Botschaften, unfreiwillig komisch und verdammt schwerfällig. Regisseur Vic Armstrong hat seinen letzten Film (Barett – das Gesetz der Rache) vor über 20 Jahren inszeniert und begibt sich hier geradewegs zum kleinsten gemeinsamen Nenner: Überdurchschnittlich bibelfesten Amerikanern, die ihren Glauben möglichst plakativ bestätigt wissen wollen. Und dabei so nachhaltig auf ihre Sicht der Dinge pochen, dass Gehirnzellen oder irgendwie geartete Subtilität völlig fehl am Platz wären.

Wirklich gruselig wird es bei Left Behind, wenn man bedenkt, dass unter diesem Namen bereits 16 Romane, Comics, Hörbücher und -Tatsache!-Videospiele erschienen sind. Der Film basiert auf dem ersten Roman der Reihe und gilt sogar als Remake, weil diese Geschichte im Jahr 2000 schon einmal verfilmt wurde – gefolgt von zwei Fortsetzungen, allesamt besetzt mit Kirk Cameron (Unser lautes Heim). Keine Frage, christlicher Trash findet ein Publikum. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie durchgedreht jemand sein muss, um unter trunkenem Einfluss des Glaubens einen völlig missratenen Rohrkrepierer wie Left Behind ins heimische DVD-Regal einzusortieren.

Left Behind

Die Christenfilme kommen immer dann, wenn ungläubige Bürger schon lange schlafen. Klammheimlich hat sich in den letzten Jahren eine himmlische Filmnische aufgetan, die mit "Noah" oder "Exodus" auch mal Multiplexgröße erreicht, doch vor allem in Heimkinos und Fernsehzeitschriften ihre Botschaften verbreitet. Gott ist der Größte und Menschen werden nur dann wirklich glücklich, wenn sie gläubige Christen sind.
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