Leben tötet mich – Vivre me tue

Leben tötet mich – Vivre me tue

Eine Krankheit namens Leben

Paul (Sami Bouajila) und sein jüngerer Bruder Daniel (Jalil Lespert) haben zwar marokkanische Eltern, doch die beiden wurden in der Banlieue von Paris geboren und aufgewachsen. Obwohl Paul über eine gute schulische Ausbildung verfügt, hat es bei hm doch nur für eine Stelle als Pizzabote gereicht. Für ihn ist das Gerede von der angeblichen Chancengleichheit nicht sehr viel mehr als hohle Phrasen. Doch er hat noch Träume: Einen Roman will Paul schreiben. Und den ersten Satz dazu hat er schon parat: „Leben tötet mich.“ Doch statt ehrgeizig seine Ziele zu verfolgen, bewirbt er sich lieber auf Stellen, die er nicht bekommt und reagiert seinen Frust abends im Boxring ab. Seine einzigen Verbindungen zur Literatur sind dieser eine verdammte Satz und die Literaturstudentin Myriam (Sylvie Testud), mit der er eine Beziehung hat. Doch als Sylvie beginnt, ihn zu sehr auf die eigenen, verratenen Träume eines Lebens als Schriftsteller hinzuweisen, ergreift Paul die Flucht.

Sein Bruder Daniel geht einen anderen Weg: Er versucht sich mittels exzessivem Training und ebensolchem Missbrauch von Anabolika als Bodybuilder, um damit den „Makel“ seiner Herkunft und seiner nicht eingestandenen Homosexualität zu kompensieren. Ein Hobby, dass immer mehr zur Besessenheit wird, bis er schließlich eines Tages zusammenbricht. Und erst hier, am Krankenbett seines Bruders, erkennt Paul, dass er vor seinen Träumen nicht davonlaufen kann.

Leben tötet mich basiert auf dem deutlich autobiographisch angehauchten gleichnamigen Roman von Paul Smaïl, der Ende der Neunziger in Frankreich äußerst erfolgreich war. Seitdem sind einige Jahre ins Land gegangen, und doch hat man das Gefühl, dass die Probleme von Paul und Daniel immer noch brennend aktuell sind. Der Film beginnt in einem Hamburger Krankenhaus, in das Daniel nach seinem Zusammenbruch gebracht wurde, und von dort aus arbeitet er sich mit einem raffinierten Geflecht von Rückblenden weiter vor in die gescheiterten Lebensentwürfe der beiden Protagonisten, die leitmotivisch von wiederkehrenden Verweisen auf Hermann Melvilles Roman Moby Dick begleitet werden. Ein literarischer Subtext, der es in sich hat, denn durch die Verknüpfung von Literatur und realer Story bekommt die eigentlich recht einfache Geschichte zweier Brüder eine nahezu metaphysische Qualität, trotz aller Schwächen gegenüber dem Roman, der vor allem durch seinen Facettenreichtum bestach. Und so ist manches, was der Roman differenziert transportierte, stark vereinfacht worden, doch unterm Strich ist Regisseur Jean-Pierre Sinapi eine beeindruckende „Lebens“-Geschichte gelungen, die berührt und unter die Haut geht.

Leben tötet mich – Vivre me tue

Paul (Sami Bouajila) und sein jüngerer Bruder Daniel (Jalil Lespert) haben zwar marokkanische Eltern, doch die beiden wurden in der Banlieue von Paris geboren und aufgewachsen.

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