Le Scaphandre et le Papillon

Le Scaphandre et le Papillon

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein heißer Anwärter auf die Goldene Palme

Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric) steht mit seinen 42 Jahren auf dem Zenith seiner Karriere als Journalist: Er ist Herausgeber der Modezeitschrift Elle, ein einflussreicher Mann, geachtet und geschätzt. Doch von einer Minute auf die andere ändert sich sein Leben radikal – Bauby erleidet einen schweren Schlaganfall, der unter anderem den Hirnstamm lahm legt. Als er zwanzig Tage später aus dem tiefen Koma erwacht, muss der erfolgreiche Journalist feststellen, dass er stumm und fast vollständig gelähmt ist; lediglich der Kopf lässt sich ein wenig bewegen und das linke Augenlid funktioniert noch. Sein Bewusstsein und seine Sinneswahrnehmungen funktionieren völlig normal, doch es besteht fast keine Möglichkeit, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen – er fühlt sich wie in einer Taucherglocke, eingesperrt, unfähig zu handeln.
Nur mühsam und mit fremder Hilfe findet Bauby schließlich den Weg zurück zur Kommunikation mit seiner Umwelt. Da ist beispielsweise die Sprachtherapeutin Henriette (Marie-Josée Croze), die dem Gelähmten in mühevoller Kleinarbeit beibringt, wie er mit einfachen Bewegungen des Augenlides Wörter und schließlich ganze Sätze formen kann. Auch seine ehemalige Lebensgefährtin Céline (Emanuelle Seignier) kümmert sich rührend um den vor seinem Schlaganfall nicht gerade angenehmen Mann. Und zuletzt ist da noch die Verlags-Assistentin Claude (Anne Consigny), die Baubys Gedanken in mühevoller Kleinarbeit zu Papier bringt – es sind die Aufzeichnungen eines Eingeschlossenen, für den sein Körper zu einem unentrinnbaren Gefängnis geworden sind.

Zugegeben, kein leichtes Thema, das sich der Künstler und Gelegenheitsregisseur Julian Schnabel (Basquiat) hier ausgesucht hat, doch seine wagemutigen Experimente mit langen Off-Kommentaren und subjektiven Passagen aus der Sicht des Eingeschlossenen haben offensichtlich den Nerv des Publikums und der Kritiker getroffen: Für Andreas Borcholte im Spiegel zählt Le Scaphandre et le Papillon / The Diving-Bell and the Butterfly trotz des schweren Themas zu den Highlights des bisherigen Wettbewerbs: "Dank der zynisch-lakonischen Off-Erzählung Baubys, die nur dem Zuschauer gilt, nicht aber den Personen, die ihn umgeben, erhält dieser ebenso wundersame wie wundervolle Film eine große Portion Galgenhumor, der das Thema letztlich erträglich werden lässt. Dabei ist "Le Scaphandre et le Papillon" beileibe kein pessimistischer Film, denn erst in seiner grotesken Situation findet der bis dahin oberflächliche und beziehungsgestörte Bauby einen Zugang zu sich selbst und gewinnt dadurch neue kreative Kraft, die er in das Verfassen seines Erfahrungsberichts fließen lässt, der 1997 zum Bestseller wurde."

Auch Susan Vahabzadeh ist in der Süddeutschen Zeitung voll des Lobes und zählt den Film zu den heißen Anwärtern auf die Goldene Palme: "Man ist fix und fertig hinterher, aber irgendwie auch zufrieden. Und uns tatsächlich in die Identität von jemand anderen eintreten, seine Wahrnehmung spüren zu lassen, das gehört zum Schönsten, was das Kino bewerkstelligen kann."

Ebenso begeistert äußert sich die internationale Presse: Justin Chang von Variety beispielsweise prophezeit dem Film auch nach dem Festival von Cannes eine glorreiche Zukunft. Eine Einschätzung, der sich auch Allan Hunter von Screen International anschließt: "Familiarity with the memoir combined with critical acclaim for the film should create a potent upscale attraction with the definite possibility of across-the-board awards consideration." Und selbst der Hollywood Reporter, sonst experimentierfreudigen Regisseuren wie Schnabel eher abgeneigt, bezeichnet den Film als "kleines Wunder".

Selbst wenn es nicht mit dem Gewinn der Goldenen Palme klappen sollte, ist ein Kinostart des Films in Deutschland mehr als wahrscheinlich, da das Buch von Jean-Dominique Bauby auch hierzulande auf eine breite Leserschaft stieß. Ín Cannes jedenfalls läuft der Verkauf der Rechte für die Verleihterritorien prächtig.

Le Scaphandre et le Papillon

Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric) steht mit seinen 43 Jahren auf dem Zenith seiner Karriere als Journalist: Er ist Herausgeber der Modezeitschrift Elle, ein einflussreicher Mann, geachtet und geschätzt.
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Titel
Le Scaphandre et le Papillon
Ein heißer Anwärter auf die Goldene Palme
Originaltitel
The Diving-Bell and the Butterfly – Cannes 2007
FSK
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Daten und Fakten

Produktionsland
Jahr
0 - 2007
Filmlänge
112 Min
DVD
Blu-Ray
VoD & Streaming
TV

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