Layla M. (2016)

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Sie ist jung, gläubig und gebildet, und wer sie auf dem Fußballplatz erlebt, bekommt mehr als eine Ahnung von ihrem aufbrausenden Temperament. Als die junge Muslima Layla sich politisch radikalisiert, bricht sie mit ihrer Familie, heiratet einen islamischen Aktivisten und reist in den Nahen Osten.

Layla M. (2016)

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Die tragische Geschichte einer jungen Muslima

Dass die 18-jährige Layla M. (Nora El Koussour) eine eigensinnige, energische und kämpferische junge Frau ist, betont bereits die erste Szene des gleichnamigen Dramas der niederländischen Regisseurin Mijke de Jong. Nach Streitigkeiten mit dem Schiedsrichter wird Layla kurzerhand ihres Amtes als Linienrichterin enthoben und verlässt wütend den Fußballplatz, während ihr Vater (Mohammed Azaay) einspringt, dem die aufbrausende Art seiner Tochter offensichtlich missfällt. Bald darauf differenziert sich das Bild der klugen, modernen und dabei stark religiös orientierten Muslima, die künftig ihr Kopftuch gegen eine Burka eintauschen wird und enge Verbindungen zu radikalen Kreisen knüpft.

Ihre Familie stammt ursprünglich aus Marokko, doch Layla und ihr Bruder Younes (Bilal Wahib), ein talentierter Spieler, sind in Amsterdam aufgewachsen und dort gemeinsam mit ihrer Familie im Fußball aktiv. Außerdem bereitet sich Layla gerade auf das Abitur vor, um anschließend Medizin zu studieren. Im Zuge ihrer Wahrnehmung und den öffentlichen Anzeichen, dass Muslime in den Niederlanden zunehmend gesellschaftlichen Repressalien ausgesetzt sind, engagiert sich Layla immer stärker politisch und schließt sich Gleichgesinnten aus religiösen Kreisen an.

Der lokale Aktivist Abdel (Ilias Addab) wird via Skype zu ihrem ganz besonderen Vertrauten und Verbündeten. Als sich die Zwistigkeiten bezüglich ihrer extremen Haltungen innerhalb der Familie verschärfen und Layla sich zudem in allen sozialen Zusammenhängen unverstanden und deplatziert fühlt, schlägt sie Abdel eine Ehe im Zeichen des Islams vor, um künftig für die gemeinsamen Ziele zu leben – Layla als Abdels Frau, aber zuvorderst als „Schwester“ im Glauben. 

Tatsächlich lassen sich die beiden bald in aller Stille von einem Imam trauen und Layla verlässt ihr vertrautes Leben, um mit Abdel nach Belgien zu reisen, wo sich dieser in einem Trainingscamp zu einem „Soldaten Allahs“ ausbilden lässt. Nachdem das Camp in Abwesenheit von Layla und Abdel von der Polizei aufgespürt und die Aktivisten verhaftet werden, bricht das junge Paar in den Nahen Osten auf. Während sich Abdel dort nach den anfänglichen ehelichen Intimitäten gänzlich seiner politischen Mission widmet, findet Layla zwar mit der in Flüchtlingsbelangen engagierten Senna (Sachli Ghomalalizad) eine Freundin in der örtlichen Koranschule, ist aber insgesamt mit ihrer nun stark eingeschränkten Lebenssituation unzufrieden. Zwischen Layla und Abdel kriselt es erheblich, der seiner Frau in seiner Abwesenheit mittlerweile sogar Hausarrest erteilt und dann eine drastische Entscheidung fällt...

Eine stark gläubige, gebildete Muslima mit Kopftuch, die kräftig flucht und streitet, ihr marokkanischer, liberaler Vater, der ihr letztlich gewaltsam die Burka entreißen will, ihr friedliebender Bruder, der seinen islamischen Glauben nicht politisch definiert, und ihr extremistischer Ehemann, der sein Leben der gewalttätigen Radikalisierung verschreibt: Es sind klare, temporär ambivalent gezeichnete und doch eindrucksvoll authentische Charaktere wie diese, die Layla M. zu einem sozialkritischen Drama mit aktueller Brisanz werden lassen. So offen und vage, wie der Film endet, gestaltet sich zumeist auch sein dramaturgischer Verlauf, der zugunsten atmosphärischer Dichte weitgehend auf konkrete Hintergrundinformationen und Erklärungen verzichtet. Die junge Hauptfigur mit all ihren Qualitäten erscheint zu Beginn wie am Ende des Films erneut wie eine Kämpferin auf verlorenem Posten, deren glühender Idealismus sich an der kruden Wirklichkeit entzündet und schließlich zerbirst. 

Auf diese Weise stellt Layla M. eine pessimistische Coming-of-Age Geschichte unter ganz besonderen Bedingungen dar, welche schwelende Schwierigkeiten der modernen europäischen Gesellschaften im persönlichen Schicksal fokussiert. Layla erwähnt, dass die Herkunft ihrer Eltern und ihre Erscheinung sie trotz ihrer Geburt in Amsterdam ständig in Erklärungszwang bringen, als „Fremde“ deklarieren, so dass es ihr offensichtlich nicht gelingen kann, eine lokal verortete Identität zu entwickeln.

Dass ihre Suche nach symbiotischer Verbindung eine radikale Wendung erhält, erscheint hier derart stimmig inszeniert, dass der Film schon geradezu unspezifische dokumentarische Tendenzen repräsentiert, die jenes Bild transportieren, das islamischen Protagonist_innen im Allgemeinen in den Medien zugewiesen wird. Dass dadurch eben auch ein gewisser Erwartungsdruck offenbart wird, dem die Charaktere des Films dann überwiegend auch entsprechen, lässt sich gleichermaßen als bedenkenswerte Finte sowie als tragischer Selbstläufer von Layla M. deuten, der von Anfang an geradlinig auf seine als unvermeidlich angelegte Tragik zusteuert. Optimistisch ist das nicht, aber dafür eng an sich abzeichnenden realistischen sozialen Entwicklungen orientiert.

Layla M. (2016)

Die 18-jährige Layla lebt mit ihrer Familie in Amsterdam. Die zunehmend anit-islamische Stimmung im Land bedrückt sie. Als sie nach der Teilnahme an einer Demonstration verhaftet wird, läuft sie von zuhause weg und heiratet einen überzeugten Islamisten, dem sie in den Nahen Osten folgt. Dort angekommen muss sie aber feststellen, dass die vermeintliche Freiheit, die sie suchte, gar keine ist, sondern nur eine Vielzahl an strengen Regeln und Verboten mit sich bringt. Außerdem hat ihr Ehemann einen Plan gefasst, ein großes Opfer für seine Überzeugungen zu bringen …

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