Lass uns `n Wunder sein

Lass uns `n Wunder sein

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Heldenverehrung einer Sponti-Ikone

Rio Reiser und kein Ende. Auch mehr als zehn Jahre nach dem Tod des Sängers der Ton Steine Scherben genießt der Mann, der sich einst selbstironisch zum „König von Deutschland“ ausrief, innerhalb seiner Generation den Ruf eines Kultstars. Er ist die vielleicht einzig wahre Ikone der linksalternativen Sponti-Kultur aus den wilden Siebzigern. Vielleicht liegt es ja daran – oder an der persönlichen Begegnung des Rockstars mit dem Filmemacher vor etlichen Jahren in einer WG –, dass mit Lass uns `n Wunder sein der nun bereits dritte Film von Stefan Paul über Rio Reiser (nach König von Deutschland und Jan Plewka singt Rio Reiser) folgt.
„Auf der Suche nach dem Mythos Rio Reiser“ lautet der Untertitel dieses neuen Films über den Frontmann der Scherben. Neben der Grünen-Politikerin Claudia Roth, die mal für einige Zeit Managerin der Scherben war, kommen Udo Lindenberg und Corny Littmann (ehemals Texter für die Scherben, Präsident des FC St. Pauli und Leiter des Schmidt Theaters in Hamburg) zu Wort, Daniel Cohn-Bendit, Achim Reichel, Stefan Kunze, Klaus Meine von den Scorpions, und sogar eine frühere Nachbarin aus Rodgau, wo Ralph Christian Möbuis (so der bürgerliche Name Reisers) Teile seiner Jugend verbrachte. Darüber hinaus spürt der Film den Komponisten und Gitarristen der Scherben R.P.S. Lanrue auf, der sich nach Portugal zurückgezogen hat und der stets als Alter ego Rio Reisers galt.

Es ist Stefan Pauls Beharrlichkeit, die keinen Zweifel daran lässt, dass ihm das Gedenken an den ehemaligen „König von Deutschland“ eine Herzensangelegenheit ist. Für Fans der Scherben ist dies sicher eine gute Nachricht. Sowieso ist dies ein Film vor allem für die Eingeweihten, die die Bandgeschichte und die Lebenszusammenhänge Reisers und der anderen „Scherben“ aus dem Effeff kennen. Denn immer wieder lässt es der Film offen, an welcher Stelle der Geschichte wir uns gerade befinden, wird in der Chronologie einiges durcheinander gewirbelt und auf den Kopf gestellt, weil die eine oder andere Aussage woanders besser hinpasst.

Ob es dieser Dokumentation jedoch gelingen wird, das unbestreitbare Charisma Reisers auch jüngeren Zuschauern zu erschließen, ist eher fraglich. Vielleicht ist das aber auch gar nicht das Ziel von Lass uns `n Wunder sein, sondern geht es vielmehr darum, die Erinnerung an die wilden Jahre der Bundesrepublik wach zu halten. Die Zeiten haben sich seitdem gewaltig geändert. Vielleicht sollt man diesen Film weniger als Einzelwerk sehen, so als abschließenden Baustein einer Trilogie, die erst als Triptychon den wahren, den ganzen Rio Reiser spürbar werden lässt. Und vielleicht liegt ja auch gerade darin das Geheimnis von Charisma: Dass es im Nachhinein und auf Zelluloid gebannt jenen magischen Rest niemals erfassen kann, der aus einer großen eine besondere, außergewöhnliche Persönlichkeit werden lässt.

Eines aber macht Lass uns `n Wunder sein deutlich: Solange die Menschen noch an einen geliebten Menschen denken, ist dieser noch nicht tot. Wenn dieser Satz stimmt, dann weilt Rio Reiser auch heute noch unter uns. Und sei es nur für eineinhalb Stunden auf der Leinwand.

Lass uns `n Wunder sein

Rio Reiser und kein Ende. Auch mehr als zehn Jahre nach dem Tod des Sängers der Ton Steine Scherben genießt der Mann, der sich einst selbstironisch zum „König von Deutschland“ ausrief, innerhalb seiner Generation den Ruf eines Kultstars. Er ist die vielleicht einzig wahre Ikone der linksalternativen Sponti-Kultur aus den wilden Siebzigern.
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Meinungen
Antje Bohnhorst · 16.09.2009

Daß Rio Reiser dem Regisseur am Herzen liegt, überrascht mich beim Lesen Ihres Textes über den Film - ich hab mich nämlich die ganze Zeit gefragt, was der merkwürdig steife, unprofessionell wirkende Kommentar soll. Zuerst hatte ich den Verdacht, daß das satirisch sein soll, aber es wirkte ernst gemeint. Dann wurden so derartig unnötige Fragen gestellt, z.B. warum Rio Reiser ein Mythos ist. Also, wenn das die Musik, die Bilder und die Aussagen der Zeitzeugen nicht zeigen können, dann läuft in dem Film was schief, und die Frage ist überflüssig. Also ein Film, der nicht dringend sein muß, da hab ich schon bessere Dokus über verstorbene Musiker gesehen (z.B. The Future is unwritten über Joe Strummer).

Kommentare

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