Las Insoladas - Sonnenstiche

Las Insoladas - Sonnenstiche

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Auf nach Kuba!

Der neue Film von Gustavo Taretto erzählt wieder eine Geschichte aus der Hauptstadt Argentiniens, dieses Mal spielt sie auf einer großen Dachterrasse inmitten der Metropole und an einem einzigen Tag, an dem das Thermometer bis über 40 Grad hochklettert und die sechs Freundinnen, die sich auf dem Dach eines Hauses für ihr rituelles Sonnenbad vor dem gemeinsam zu tanzendem Salsa-Wettbewerb treffen, kräftig schwitzen lässt. Wieder hat Taretto aus einem seiner Kurzfilme von 2002 einen Langfilm gemacht, doch dieses Mal gelingt ihm das nicht ganz so gut wie bei Medianeras (2011).
Sol, Vicky, Karina, Valeria, Lala und Flor haben sich beim Salsa-Tanzen kennen gelernt und sich zu einer losen Truppe zusammengeschlossen, um jährlich kurz vor dem Jahreswechsel gemeinsam aufzutreten und um den Sieg eines Salsa-Wettbewerbs zu kämpfen. Sie treffen sich immer dieses eine Mal im Jahr, tauschen Neuigkeiten auf, stellen alte Gewohnheiten aneinander fest, analysieren sich und die Welt, verwöhnen sich mit Sonnenkuren, Cocktails und feinem Süßen - und genießen einen sonnendurchfluteten Tag voller Gedanken und Träume außerhalb ihres ansonsten tristen Alltags Mitte der 1990er Jahre im Argentinien eines Carlos Menem. Es wird gegackert, gekichert, und es werden viele "aaaahhh"s und "ooohh"s ausgetauscht, der Film zeigt alle Klischees, die man gegenüber mittelalten Frauen der Mittelklasse haben kann.

Sie alle teilen, wie sie an diesem Nachmittag feststellen, den einen Traum von Kuba: Einmal auf die Karibikinsel fliegen, einmal im warmen Wasser an einem weißen Sandstrand plantschen, einmal für zwei Wochen ihrem Leben in Buenos Aires den Rücken kehren und ins Paradies entfliehen. Die sechs Frauen reden und schwärmen und steigern sich immer weiter hinein, was zur Obsession wird: ein gemeinsamer Urlaub auf Kuba. Der Gedanke, den nächsten Jahreswechsel fernab unter Palmen zu verbringen, wird zum Fluchtpunkt für alle und zum nachmittagfüllenden Projekt.

Die dargestellten Figuren träumen zwar denselben Traum und sind doch alle so grundverschieden: Sol (Maricel Alvarez) arbeitet in einem Fotolabor und lebt das Leben ihrer Kunden dadurch mit, indem sie sich immer wieder Kopien von deren Fotos anfertigt. Vicky (Violeta Urtizberea) ist Friseurin, würde aber viel lieber Schauspielerin sein und würde es sogar wagen, in einem Pornofilm mitzuspielen. Karina (Elisa Carricajo) studiert Psychologie und lässt die anderen immer wieder an ihrem Wissen über die Seele teilhaben. Flor (Carla Peterson) sagt, wo es lang geht, Vale (Marina Bellati) erheitert alle mit ihrer neuesten Flirtgeschichte, und Lala (Luisana Lopilato) ist die Neue, die jünger ist als die anderen und offensichtlich für Frische und Optimismus sorgt. Diese unterschiedlichen Frauen treffen an diesem einen Tag ebenso aufeinander wie ihre unterschiedlichen Meinungen und Wissensmengen, und das ergibt dann bisweilen schöne Persönlichkeitsstudien und lässt das Dach hoch über Buenos Aires zur Theaterbühne mutieren.

Der Film hat einen positivem Grundtonus, auch wenn er eine ganz andere Geschichte erzählt, die von unerreichbaren Träumen, Melancholie und tristem Alltag. In Las insoladas wird die Heiterkeit vor allem durch die Farbgebung und die Salsa-Rhythmen erreicht. Aus dem Song "Here comes the sun" eines George Harrison wird ein kubanischer Son, der die grauen Bilder eines erwachenden Buenos Aires scheinbar konterkariert, oder andersherum: das von Krisen erschütterte Land mit viel Sonne, Freude und Positivem auflädt. Die Filmbilder erinnern an Postkarten oder Fotografien der 60er Jahre, als Kuba en vogue war - kurz nach der Kubanischen Revolution, die Che Guevara und Fidel Castro zu Popikonen machten. Alles wird zu Kuba in Las insoladas, selbst die Wolken am Himmel. Dass Taretto am Ende der Geschichte allerdings nur diese eine Richtung gibt, das ist, was nicht so ganz überzeugt. Was zunächst als fast kostumbristische Studie erscheint, wird letztendlich zu einem etwas allzu arrangierten Ende geführt. Lust auf Sommer und Sonne macht der Film trotzdem.

Las Insoladas - Sonnenstiche

Der neue Film von Gustavo Taretto erzählt wieder eine Geschichte aus der Hauptstadt Argentiniens, dieses Mal spielt sie auf einer großen Dachterrasse inmitten der Metropole und an einem einzigen Tag, an dem das Thermometer bis über 40 Grad hochklettert und die sechs Freundinnen, die sich auf dem Dach eines Hauses für ihr rituelles Sonnenbad vor dem gemeinsam zu tanzendem Salsa-Wettbewerb treffen, kräftig schwitzen lässt.
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