Lars und die Frauen

Lars und die Frauen

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wo die Liebe hinfällt…

Dass Lars Lindstrom (Ryan Gosling) ein seltsamer Kauz mit offensichtlich gewaltigen psychischen Problemen ist, daran haben sich die Bewohner des kleinen Kaffs im Mittleren Westen der USA bereits gewöhnt. Und selbst auf die Schreie, mit denen Lars auf jede Form der Berührung reagiert, wird mittlerweile Rücksicht genommen und jeglicher Körperkontakt nach Möglichkeit vermieden. Doch als Lars eines Tages endlich eine Freundin findet, ist das Entsetzen groß. Bianca sitzt im Rollstuhl, ist zur Hälfte Brasilianerin und zur Hälfte Dänin, was bereits eine ziemlich krude Mischung ist. Doch damit nicht genug: Bianca ist vor allem keine „echte“ Frau, sondern eine Sexpuppe, die ihren Herrn nun überall hin begleitet. Diskret übers Internet bestellt und neutral verpackt fand sie den Weg zu Lars, der seit dem Tod seiner Eltern in einer kleinen Wohnung in der Garage bei seinem Bruder Gus (Paul Schneider) und dessen hochschwangerer Frau Karin (Emily Mortimer) lebt. Zwar sind die beiden einigen Kummer mit dem schrägen Sonderling gewohnt, doch eine Sexpuppe als Schwägerin – das schlägt dem Fass den Boden aus.
Die rasch konsultierte Psychologin Dr. Dagmar Berman (Patricia Clarkson) weiß Rat zur Lösung des plötzlich aufgetauchten Problems– allerdings ist der nicht so ganz das, was sich Gus, Karin und die Mitglieder der Gemeinde erhofft haben. Um Lars, der unter heftigen psychischen Problemen leidet, wirklich zu helfen, sollen alle so tun, als sei Bianca eine echte Frau aus Fleisch und Blut. Unter dem Vorwand, sich um Biancas angekratzte Gesundheit zu kümmern, will die Ärztin Lars’ Seelenpein zu Leibe rücken. Und tatsächlich gelingt es ihr, den Schutzpanzer von Lars Stück für Stück aufzubrechen, während sich die Bewohner der kleinen Gemeinde langsam an den Anblick der Gummipuppe gewöhnen und diese immer mehr ins alltägliche Leben integrieren. Doch als eine echte Frau, Lars’ Kollegin Margo (Kelli Garner) in sein Leben tritt, steht dieser vor einer schweren Entscheidung: Bleibt er in seiner selbst geschaffenen Welt oder wagt er den Schritt hinaus ins wahre Leben?

Eine wunderschöne und nachdenklich machende Komödie über Einsamkeit, Außenseitertum und die Irrwege der Liebe ist dem ehemaligen Werbefilmer Craig Gillespie mit Lars und die Frauen / Lars and the Real Girl gelungen. Schräg, versponnen, zärtlich und voller Anteilnahme für seine Hauptfigur ist sein Film eine Hommage an die kleinen und großen Defekte, an die Sonderlinge und Käuze, die mitten unter uns leben und die wir oft ein wenig abschätzig betrachten. Dabei verbirgt sich hinter jedem von ihnen ein Schicksal, das dessen Verhalten erklärbar und verstehbar macht.

Man mag es für überzeichnet und idealisiert halten, wie wenig Widerstand es gegen die bereitwillige Integration Biancas in die Gemeinschaft gibt. In der Realität dürfte man ein solch großes Maß an Toleranz wohl eher selten vorfinden, so dass Lars und die Frauen / Lars and the Real Girl vor allem als Utopie verstanden werden kann und als Aufforderung zu mehr gelebter Solidarität und tolerantem Miteinander. Selten allerdings war eine moralisierende Handlungsanweisung charmanter verpackt als in diesem sympathischen kleinen Arthouse-Film, in dem Ryan Gosling seine Wandlungsfähigkeit auf beeindruckende Weise unter Beweis stellt.

Lars und die Frauen

Dass Lars Lindstrom (Ryan Gosling) ein seltsamer Kauz mit offensichtlich gewaltigen psychischen Problemen ist, daran haben sich die Bewohner des kleinen Kaffs im Mittleren Westen der USA bereits gewöhnt.
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Meinungen
Gabriele · 03.04.2008

ein sehr sehr schöner und selten berührender Film!

Kommentare

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