Land des Honigs (2019)

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Weltweit sterben die Bienen – Wildbienen wie Honigbienen – und dies aus vielfältigen und komplexen Gründen. In „Land des Honigs“ hat ihr Sterben vor allem eine Ursache: die Gier nach Profit.

Land des Honigs (2019)

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Wer die Gesetze der Natur missachtet

Es gibt eine Regel unter den Imkern, die besagt: Nimm nur die Hälfte des Honigs und lasse die andere Hälfte den Bienen. Wer diese Regel respektiere, werde guten Honig bekommen, davon ist Imkerin Hatidze Muratova überzeugt. Sie selbst befolgt das Gesetz seit Jahrzehnten und lehrt es so auch den Menschen, die das Imkern lernen wollen. Was passiert, wenn sich ihre Nachbarn nicht daran halten, muss sie dann schmerzhaft erfahren – und sieht sich bald selbst in ihrer Existenz bedroht. Der Dokumentarfilm „Land des Honigs“ erzählt auf erschütternde Weise von einem Einzelschicksal auf dem Land in Nordmazedonien, das ungefragt für das große Ganze stehen kann: die weltweite Honigproduktion ebenso wie die Natur im Gesamten.

Seit vielen Jahren ist Hatidze Muratova als Imkerin tätig. Sie kennt die Lieblingsorte der Bienen in den Spalten eines abgelegenen Felsen, in einem Baumstamm am Fluss oder auch in der Mauer nahe ihres kleinen Hauses. Liebevoll kümmert sie sich um die kleinen Tiere, hebt behutsam die Waben aus dem Bienenstock heraus, begutachtet fachmännisch die Honigproduktion des Bienenvolkes und weiß genau, wann sie Honig entnehmen darf und wieviel. Sie erzeugt den allerbesten Honig, den sie für zehn Euro das Glas in Skopje verkauft, aber sie tut dies mit einem Respekt und einer ganz selbstverständlichen Wertschätzung dem Bienenvolk gegenüber.

Der erstes Teil von Land des Honigs dokumentiert vor allem das Tun und die liebevolle Hingabe von Hatidze, registriert die tiefen Falten in ihrem Gesicht und beobachtet sie in ihrer häuslichen Umgebung, ebenso wie die Bienen und die Natur um sie herum. Die gut 50-jährige Hatidze lebt zusammen mit ihrer bettlägrigen Mutter in einfachen Verhältnissen. Ihr Haus scheint nur aus einem Raum zu bestehen, der mit einem Fenster und einer schlichten Kochstelle ausgestattet ist. Hatidze kümmert sich um das Haus, das Essen, die Wunden ihrer Mutter und geht ab und zu in die Hauptstadt, um ihren Honig zu verkaufen und wenige Besorgungen zu machen. Wenn sie dann noch Zeit hat, spielt sie mit den Kindern der Nomadenfamilie, die sich nebenan angesiedelt hat, und zeigt ihnen auch, wie man sich um ein Bienenvolk kümmert.

Weil Honig so beliebt ist, entscheidet sich Familienvater Hussein Sam, neben den Rindern, die er unterhält, in die Honigproduktion einzusteigen. Er lässt sich von Hatidze alles zeigen und lernt und schafft sich selbst ein Bienenvolk an. Hatidze beschwört ihn von Anfang an, bescheiden und bedächtig mit den Bienen umzugehen, um einen Überlebenskampf zwischen den Bienenvölkern zu vermeiden. Doch mit dem Erfolg kommt die Gier: Hussein verkauft seinen Honig an einen Abnehmer, der mehr will. Und so bricht Hussein die Regel, die Hatidze ihm immer wieder eingebläut hat: Nimm nur die Hälfte des Honigs. Er nimmt mehr und bringt damit nicht nur das Gleichgewicht seines Bienenvolkes in Gefahr.

Es ist erschütternd zu sehen, wie ungerecht die Welt sein kann. Eine Frau, die seit Jahrzehnten im Einklang mit der Natur lebt und deren Gesetze einhält, sieht sich bald selbst in Nöte gebracht, weil die Menschen von nebenan dies eben nicht tun, sondern – wenn auch aus Sorge und Not, aber eben – ganz bewusst Gesetze brechen und Grenzen überschreiten. Das Leben von Hatidze, das ohnehin schon ein hartes ist, wird noch härter, noch leidvoller. Wenn die Bienen Hussein stechen, dann empfindet man fast ein wenig Schadenfreude, auch wenn man weiß, dass er selbst ein Verzweifelter ist und aus Überlebensängsten handelt, weil er nicht weiß, wie er seine Familie und die sieben Kinder durchbringen soll.

Neben der Geschichte um die Bienenhüterin, die Land des Honigs erzählt, zeigt der Film auch, wie die Menschen in ruralen Gebieten Nordmazedoniens leben: Das Land ist doch eigentlich so nah gelegen, der Alltag der Menschen und das Leben dort ist aber doch so fern von dem, was für uns hierzulande normal ist. Land des Honigs dokumentiert die Armut, die Einfachheit des Lebens auf dem Land, die Bescheidenheit der Menschen und die Härte, unter der ihre Kinder aufwachsen. Das mag bisweilen wie ein Blick in alte Zeiten wirken, und doch ist man sich bewusst, dass es eben auch eine Realität im Jahr 2019 ist.

Abgesehen von seinem großen dokumentarischen Wert beeindruckt Land des Honigs durch seine wunderschönen Bilder: Das sind die Nahaufnahmen von den Bienen und ihrer Umgebung, unglaublich schöne Blicke in ihren Bienenalltag, ebenso wie die Aufnahmen der Landschaften Nordmazedoniens. Mit ihren Bildern schaffen Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov vor allem Eindrücke, sie filmen meist in besonderen Lichtsituationen – am Morgen, in der Abenddämmerung, auch bei Nacht. Das ist mal ein Lichtstrahl, der durch das einzige Fenster ins Haus von Hatizde scheint, mal die untergehende Sonne, die einen Zauber auf die nordmazedonische Landschaft legt. Der Poesie des Films kann man sich ebenso wenig entziehen wie seiner berührenden Geschichte und der unmissverständlichen Botschaft, respektvoll und sorgsam mit dem Leben um sich herum umzugehen.

Land des Honigs (2019)

Die letzte weibliche Bienenhüterin Europas muss die Bienen schützen und die natürliche Balance retten, als eine Familien von umherziehenden Imkern in ihr Land vordringt und ihre Lebensgrundlagen bedroht. Denn anders als es seit jeher Sitte ist, halten sich diese nicht an die Regel, nur die Hälfte des Honigs zu nehmen und den Rest den Bienen zu überlassen.

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Meinungen
Laks · 05.12.2019

Ein großartigen Film

Ingo · 19.11.2019

Schöne BIlder, Inspirierende Frau

Kommentare

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