Lady Frankenstein

Lady Frankenstein

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Frankensteins Tochter eifert ihrem Vater nach

Die italienische Produktion aus dem Jahr 1971 kann mit den Gotik-Horror-Filmen der britischen Hammer-Konkurrenz nicht mithalten, hat aber dennoch ansehnliche Produktionswerte – und noch wichtiger: die attraktive Rosalba Neri – zu bieten. Nur das Frankenstein-Monster bleibt unter dem Durchschnitt. Selbst in den 30er Jahren sah das Monster überzeugender aus.

Baron Frankenstein arbeitet daran, einen aus Leichenteilen zusammengebastelten Menschen zum Leben zu erwecken. Das gelingt ihm auch, doch die Kreatur mit dem beschädigten Gehirn tötet ihren Schöpfer und sorgt fortan in der Umgebung für Angst und Schrecken. Frankensteins Tochter Tania, die selbst Ärztin ist, will das Monster zur Strecke bringen, indem sie einen eigenen künstlichen Menschen erschafft. Ihr hilft Dr. Marshall, der ihre Liebe nur für sich gewinnen kann, wenn er zustimmt, das eigene Gehirn in den strammen Körper des Stallburschen Thomas verpflanzen zu lassen …

Wenn es um die Verfilmung von Mary Shelleys Roman – oder zumindest die Nutzung seiner Motive – geht, dann stellen die Universal-Filme aus den 30er und die Hammer-Produktionen aus den 50er und 60er Jahren die absolute Königsklasse dar. Joseph Cotton, dessen Karriere zum Zeitpunkt der Dreharbeiten schon in der Abwärtsspirale steckte, ist kein Peter Cushing, noch nicht einmal ein Colin Clive. Aber er spielt hier auch nur die zweite Geige. Weit wichtiger ist Lady Frankenstein. Eines ist mit ihr völlig klar: Rosalba Neri mag mit Peter Cushing nicht mithalten können, sie macht ausgezogen aber eine deutlich bessere Figur.

Der Film hat deutliche Schwächen, angefangen bei der Logik der Geschichte, weitergehend beim schwachen Monsterdesign und endend bei Bodybuilder Mickey Hargitay, der den Polizisten spielt, das aber derart dilettantisch, dass man kaum hinsehen kann. Diesen Schwächen stehen jedoch auch Stärken gegenüber. Zugegeben, zu ersteren gehören absolut uninspirierte Sexszenen, aber stören mag man sich an diesen nicht. Sie behindern den Aufbau von Atmosphäre nicht im Mindesten. Eingedenk dessen, dass Mel Welles hier eine ungewöhnliche Variation der Frankenstein-Geschichte präsentiert, gehört der Film zu den interessanteren Vertretern des Subgenres. Eine Frau als moderner Prometheus ist eine Neuerung, an die sich auch Hammer nicht gewagt hat. Das Schicksal der mit viel Elan gespielten Lady Frankenstein ist aber natürlich kein besseres als das ihres Vaters. Wer sich an Naturgesetzen vergeht, muss am Ende auch die Rechnung dafür bezahlen.

Lady Frankenstein ist unterhaltsamer Gruselhorror klassischer Machart, für italienische Verhältnisse erstaunlich hochwertig in Ausstattung und Umsetzung und mit einer feministischen Ader versehen, die man in einem Genre-Beitrag der frühen 70er Jahre nicht erwartet hätte.
 

Lady Frankenstein

Die italienische Produktion aus dem Jahr 1971 kann mit den Gotik-Horror-Filmen der britischen Hammer-Konkurrenz nicht mithalten, hat aber dennoch ansehnliche Produktionswerte – und noch wichtiger: die attraktive Rosalba Neri – zu bieten. Nur das Frankenstein-Monster bleibt unter dem Durchschnitt. Selbst in den 30er Jahren sah das Monster überzeugender aus.

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