La vie d`une autre

La vie d`une autre

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Alles bleibt anders

An ihrem 26. Geburtstag geht Marie frisch verliebt mit Paul ins Bett. Sie erwacht, wieder an ihrem Geburtstag, aber 15 Jahre später. Von der Zeit dazwischen weiß sie nichts. Und muss erstmal einiges lernen: Den Namen ihres Sohnes – Adam –, ihrer Haushälterin – Rita –, die neue Währung – Euro –, dieses kleine Gerät – Smartphone –; und, warum sie in einer Luxuswohnung neben dem Eiffelturm wohnt, und wie sie zur CEO einer Investmentfirma werden konnte. Warum Paul, ihr Mann, nicht mehr mit ihr redet, und warum sie gegen ihre Mutter prozessiert.
Marie hat sich verändert, in 15 Jahren; und nun, da sie ins Gemüt ihres Selbst als 26jährige versetzt wurde, kommt es ihr vor wie eine Wesensänderung über Nacht. Alles ist anders, sie führt nicht ihr Leben, sondern eines, das sie nie gewollt hatte. Vom Aufkeimen der Liebe zu Paul schnurstracks zum Ende dieser Liebe, vom flippigen Girlie direkt zur toughen Businessfrau.

Juliette Binoche spielt das mit schön erstauntem Gesicht, eine Fremde in einer fremden Welt, die wieder dahin zurück will, wo sie einmal war, zu dem Ort ihrer Persönlichkeit, den sie längst unwiderruflich verlassen hat. Paul: Das ist Matthieu Kassovitz, der auch nicht damit umgehen kann, plötzlich eine so andere Frau neben sich zu haben, gerade mitten im Scheidungsprozess. Adam, der Sohn, findet’s super: Endlich spielt die Mama wieder mit ihm, sie kocht sogar, auch wenn die Nudeln völlig misslingen. Und bei der Arbeit spielt Marie die Simulation einer Vorstandschefin, tut so, als habe sie Ahnung, und trägt unterm Businessanzug Freizeitschlappen.

Sylvie Testud, mehrfach preisgekrönte Schauspielerin, gibt hier ihr Regiedebüt, eine Komödie mit einem gewissen Hauch von Tragik. Zwar muss man am Anfang, im Epilog, damit klarkommen, dass Binoche und Kassovitz Mittzwanziger sein sollen; umso glaubwürdiger aber die Wandlung nach dem 15-Jahr-Sprung, eine Art Amnesie Maries, die das Dazwischen einfach vergessen hat. Mit fein herausgespielten Details inszeniert Testud die Fremdheit in ihrem neuen Leben, die ja auch die Falschheit dieses Lebens ist; auch wenn ihr manchmal das Gespür für die Balance etwas abhandenkommt und die Suche nach dem BMW allzu komödiantisch-slapstickhaft gerät, oder ein paar Sprünge der Charakterentwicklung etwas mehr Vorbereitung bedurft hätten.

"Wie habe ich mich so verändern können?" Diese Frage Maries steht immer im Raum, denn so richtig klar wird einem das, was die Zeit, das Leben aus einem macht, erst nach einem Zeitsprung, nicht bei den leisen Entwicklungen des Alltags. "War ich eine gute Person?", fragt sie noch, und das bleibt unbeantwortet. Immerhin: Jetzt, nach dem Erwachen, nach der Bewusstwerdung, hat sie eine neue Chance. Auch wenn damit wieder ein ganz neues Leben beginnen muss.

La vie d`une autre

An ihrem 26. Geburtstag geht Marie frisch verliebt mit Paul ins Bett. Sie erwacht, wieder an ihrem Geburtstag, aber 15 Jahre später. Von der Zeit dazwischen weiß sie nichts. Und muss erstmal einiges lernen: Den Namen ihres Sohnes – Adam –, ihrer Haushälterin – Rita –, die neue Währung – Euro –, dieses kleine Gerät – Smartphone –; und, warum sie in einer Luxuswohnung neben dem Eiffelturm wohnt, und wie sie zur CEO einer Investmentfirma werden konnte.
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