La nuit, elles dansent

La nuit, elles dansent

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Es bleibt in der Familie

Vor kurzer Zeit noch wäre dieser Film undenkbar gewesen. Nicht, weil es vor der Revolution in Ägypten nicht Menschen wie die hier gezeigten gegeben hätte, sondern weil man zuvor einfach nicht darüber sprach und diese erst recht gar nicht erst zeigte. In La nuit, elles dansent / At Night, They Dance erzählen die beiden aus dem französischsprachigen Teil Kanadas stammenden Filmemacher Isabelle Lavigne und Stéphane Thibault die Geschichte von Reda und ihren Töchtern, die in einem Arbeiterviertel der ägyptischen Metropole Kairo einer ganz besonderen Profession nachgehen: Seit vielen Generationen verdingen sich die Frauen der Familie als Bauchtänzerinnen – ihre Töchter, so drückt es Reda aus, seien bereits quasi tanzend auf die Welt gekommen. Und es ist bereits wieder Nachwuchs unterwegs, sieben Kinder hat Reda schon und der Vater der Familie ist erst vor kurzem verstorben. So ist es für die Familie nicht leicht, mit dem anrüchigen Beruf, der zudem immer mehr vom Aussterben bedroht ist, ein Auskommen zu finden – Schwierigkeiten mit der Polizei, mit unzufriedenen Kunden und nicht zuletzt mit den widerspenstigen Töchtern wegen Drogenvergehen, Faulheit, Unzuverlässigkeit und anderem Fehlverhalten sorgen immer wieder für Zündstoff, der gerne lautstark ausdiskutiert wird und der immer wieder für heftige Streitereien sorgt.
Es spricht zweifellos für den Film, dass die beiden Filmemacher der Familie Redas sehr nahe gekommen sind. Wie stumme Zeugen werden wir Teilnehmer an den Auseinandersetzungen zwischen den Frauen, die man in solcher Heftigkeit und Offenheit nur selten in Filmen aus dem arabischen Raum erlebt. Allerdings machen diese fortwährenden Streitigkeiten den Film auch zu einer sehr anstrengenden Seherfahrung, zumal man das Gefühl nicht los wird, dass es außer der Faszination für die starken Charaktere der Geschichte an einer Struktur fehlt, die für einen klaren und nachvollziehbaren roten Faden sorgt.

Überzeugend ist La nuit, elles dansent vielmehr durch die Bilder, die der Film zeigt. Die zahlreichen Rot- und Brauntöne, die die vorherrschende Farbpalette bilden, geben dem Film eine Wärme und Leidenschaft, die hervorragend zu den lebhaften Charakteren passt. Zu gerne hätte man mehr über die sozialen Umstände erfahren und über die Stigmata, denen die Frauen in ihrem alltäglichen Überlebenskampf ausgeliefert sind. Am Ende aber blieben viele Fragen offen und nicht sehr viel mehr übrig als ein Gefühl von großer Energie und viel Chaos im Leben dieser ungewöhnlichen Familie.

La nuit, elles dansent

Vor kurzer Zeit noch wäre dieser Film undenkbar gewesen. Nicht, weil es vor der Revolution in Ägypten nicht Menschen wie die hier gezeigten gegeben hätte, sondern weil man zuvor einfach nicht darüber sprach und diese erst recht gar nicht erst zeigte. In „La nuit, elles dansent“ erzählen die beiden aus dem französischsprachigen Teil Kanadas stammenden Filmemacher Isabelle Lavigne und Stéphane Thibault die Geschichte von Reda und ihren Töchtern, die in einem Arbeiterviertel der ägyptischen Metropole Kairo einer ganz besonderen Profession nachgehen:
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