La nostra vita

La nostra vita

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Leben ohne Mama

Es beginnt wie einer jener harmlosen Familienfilme. Die Liebe zwischen Claudio (Elio Germano) und seiner schwangeren Ehefrau Elena (Isabella Ragonese) erscheint so groß, dass man schnell ahnt – das kann nicht lange gut gehen. Und tatsächlich, bei der Geburt ihres dritten Sohnes Vasco stirbt Elena an den Folgen nicht näher definierter, unvermuteter Komplikationen und so steht Claudio allein mit seinen drei Söhnen vor den Trümmern seines bisherigen Lebens. Doch statt in Trauer zu verfallen, schiebt er alle Gedanken daran beiseite und sucht stattdessen sein Heil in der Arbeit. Als er erfährt, dass er auf einer der Baustellen, die er als Polier betreut hat, einen tödlichen Unfall mit einem rumänischen Wachmann gegeben hat, wittert er seine Chance und setzt seinen Boss unter Druck: Entweder der macht ihn zum Subunternehmer auf eigene Rechnung oder Claudio meldet den Todesfall der Polizei und die Baustelle wird geschlossen. Woran der Witwer aber nicht gedacht hat – als Subunternehmer muss er finanziell gewaltig in Vorleistung gehen. Und genau das überfordert ihn recht schnell, denn Rücklagen hat er so gut wie keine. Doch zum Glück gibt es da noch seine Geschwister und seinen Nachbarn und Freund Ari...
Wer nach dem Beginn von La nostra vita gedacht hat, im Folgenden nun eine ähnliche Geschichte wie Antonello Grimaldis 2008 bei der Berlinale im Wettbewerb gelaufenen Film Stilles Chaos / Caos calmo zu sehen, sah sich schnell getäuscht. Denn statt der bei Grimaldis Film allgegenwärtigen Trauer und der Lethargie nach dem Tod seiner Frau, flüchtet sich Claudio in die Arbeit und verdrängt jeden Gedanken an den Verlust. Mit Sicherheit auch eine Strategie, um mit einem Verlust umzugehen. Das Problem bei diesem Film ist nur, dass er seinem Hauptdarsteller bedingungslos folgt und all die Fragen nach den emotionalen Spuren, die das Trauma hinterlässt, vollkommen ausblendet. Ganze zwei Szenen müssen dazu ausreichen, um etwas über die Gemütslage der beiden großen Brüder von Vasco zu erzählen, mehr Raum wird diesem Thema nicht eingeräumt. Und wer denn nun wirklich für die Kinder zuständig ist, wenn Claudio wieder einmal Überstunden auf dem Bau schiebt, kann man ebenfalls nur vermuten. Stattdessen widmet sich der Film ausgiebig dem nicht wirklich zwingenden Subplot des verunglückten rumänischen Wachmanns, dessen Frau und Sohn schließlich in Claudios Leben eine zwar wichtige, aber nicht unbedingt überzeugende Rolle spielen.

Am Ende meint Daniele Luchetti im gemeinsamen Kuscheln tatsächlich die wundersame Auflösung beinahe aller zuvor mühsam eingeführten und dann im weiteren Verlauf sträflich vernachlässigten emotionalen Konflikte gefunden zu haben. Das Schlafzimmer, bislang den Eltern vorbehalten, wird nun zur Spielwiese für die Familie ohne Mutter, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz durchgebissen hat. Doch es bleibt auch am Ende dabei: Echte Trauer oder auch nur den ansatzweisen Versuch, das Trauma des Verlustes aufzuarbeiten, haben weder in Claudios Leben noch Daniele Luchettis Films stattgefunden, so dass man sich nicht wundern muss, dass sich unter den sehr verhaltenen Beifall einige recht laute Missfallensäußerungen mischten. Man ist geneigt, sich dem gnadenlosen Urteil der sich so äußernden Kollegen anzuschließen.

La nostra vita

Claudio arbeitet auf dem Bau in Rom. Er ist immer noch wahnsinnig in seine Frau verliebt, die mittlerweile ihr drittes Kind erwartet. Doch dann verändert ein dramatisches Ereignis das einfache aber glückliche Leben der Familie. Claudio setzt sich gegen die Ungerechtigkeit, die im widerfahren ist zur Wehr. Mit der Unterstützung seiner FreEs beginnt wie einer jener harmlosen Familienfilme. Die Liebe zwischen Claudio (Elio Germano) und seiner schwangeren Ehefrau Elena (Isabella Ragonese) erscheint so groß, dass man schnell ahnt – das kann nicht lange gut gehen.
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