La danza de la realidad

La danza de la realidad

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Abschied von der Kindheit

Auch Filmemachern kann man das Herz brechen. Nachdem Alejandro Jodorowskys großes Projekt – die Verfilmung des Science-Fiction Bestsellers Dune – Der Wüstenplanet eingestampft wurde, machte der Großmeister des surrealen Midnight Movies noch zwei Filme, die beide floppten und gab dann seine Karriere auf. Erst nachdem Frank Pavich mit Jodorowsky’s Dune einen Dokumentarfilm über des größte Desaster in seiner Karriere drehte, erweckte er in dem in zwischen in die Tage gekommenen Regisseur wieder die Lust am Bewegtbild. Wie gut, dass dieser bei den Dreharbeiten auch wieder Kontakt zu seinem damaligen Produzenten aufnehmen konnte. Nachdem sich die beiden wieder versöhnt hatten – immerhin hatte Jodorowsky zu seiner Zeit eine unfassbare Menge von dessen Geld verpulvert – entstand die Idee doch wieder einen neuen Film zusammen zu machen. Das Ergebnis ist La danza de la realidad.
Und es scheint fast, als wären diese 23 Jahre Pause nie gewesen, denn Jodorowsky kehrt nicht einfach nur zum Film zurück. Vielmehr ist La danza de la realidad ein Vulkanausbruch, ein geniales und kompromissloses Werk irgendwo zwischen Surrealität, magischem Realismus, Autobiographie, Spiritualität und Psychoanalyse. Kurz gesagt, der Film ist das, was man im Englischen zu treffend mit mind fuck umschreibt. Zwar hat der Film eine stringente und nachvollziehbare Geschichte, die sich stark aus der Biographie des Filmemachers speist, doch diese wird eben nicht mit den üblichen narrativen Mitteln erzählt. Vielmehr gilt es hier, die Erzählebene und die metaphorische Ebene mit all ihren Bildern, Fabeln und Rätseln miteinander zu verbinden und die Geschichte als Ganze auf sich wirken zu lassen. Freunde von Realitätstreue werden hier Schwierigkeiten bekommen. La danza de la realidad funktioniert eher wie Freuds „Traumlogik“. Oder besser: Diesen Film muss man sehen, als wäre man ein Kind, als wäre man Alice und würde sich mit Hilfe Jodorowskys in den Kaninchenbau stürzen.

Und um ein Kind geht es auch – um den kleinen Alejandro (Jodorowsky inszeniert hier seine Jugend), der unter seinem tyrannischen Vater (Jeremias Herskowits, der Sohn Jodorowskys — Sigmund Freud hätte seinen Spaß an dieser Besetzung, die die Vater-Sohn-Beziehung komplett umkehrt) leidet. Dieser will aus ihm unbedingt einen richtigen Mann machen, einen starken Mann, der keine Angst hat und nicht an Mutters Busen hängt. Und das ist gar nicht so einfach, denn nicht nur hat Mutter einen großen Busen (tatsächlich und auch metaphorisch), sondern sie ist auch die Melancholie in Person, welche sich dadurch ausdrückt, dass sie alle Äußerungen ausschließlich in Operngesang macht, Stöhnen beim Sex eingeschlossen. Als der kleine Alejandro bei einem Trauerzug für einen verbrannten Feuerwehrmann in Ohnmacht fällt, fühlt sich der Vater in seiner Ehre so beschämt, dass er davon geht. Er will seine Männlichkeit zurück erobern, indem er den verhassten General Ibañez tötet. Doch er scheitert kläglich.

La danza de la realidad ist voller wunderschöner, surrealistischer Bilder und Momente. Viele davon verstören auf angenehme Weise, einige sind zum Lachen komisch, andere vibrieren mit Schmerz und Traurigkeit. Letztendlich ist dieses Film ein großer Abschied: einerseits von der Kindheit und den tiefen Wunden, die diese Jodorowksy wohl zugefügt hat, andererseits lässt sich fast vermuten, dass La danza de la realidad auch ein Abschied des Meisters selbst ist. Egal ob nur vom Kino, oder gar vom Leben – es wäre ein herber Verlust.

La danza de la realidad

Auch Filmemachern kann man das Herz brechen. Nachdem sein großes Projekt – die Verfilmung des Science-Fiction Bestsellers „Dune – Der Wüstenplanet“ eingestampft wurde, machte der Großmeister des surrealen Midnight Movies noch zwei Filme, die beide floppten und gab dann seine Karriere auf. Erst nachdem Frank Pavich mit „Jodorowsky’s Dune“ einen Dokumentarfilm über des größte Desaster in seiner Karriere drehte, erweckte er in dem in zwischen in die Tage gekommenen Regisseur wieder die Lust am Bewegtbild.
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Meinungen
@andreas · 31.05.2013

"3 Rechtschreibfehler in einem so kurzen Plot versammeln ist schon beachtlich."

Da fehlt ein Komma zwischen "versammeln" und "ist". :

:P

Andreas · 21.05.2013

3 Rechtschreibfehler in einem so kurzen Plot versammeln ist schon beachtlich.
Ich bin gespannt auf einen neuen Film des Jodorowski Clans.

Kommentare

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